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Neuss
Stadt muss jetzt Flüchtlinge unterbringen

Neuss: Stadt muss jetzt Flüchtlinge unterbringen
FOTO: Woitschützke, Andreas (woi)
Neuss. Die Stadt erwartet erste Zuweisungen von Asylbewerbern. Wegen der Landes-Unterbringung im "Alex" musste sie bisher keine Flüchtlinge aufnehmen. Die SPD will derweil drei der 27 Standorte für Flüchtlingsheime streichen. Von Andreas Gruhn

Die Stadt Neuss erwartet in Kürze die ersten Zuweisungen von Asylbewerbern vom Land. Denn die Zahl der Flüchtlinge, die die Stadt rechnerisch aufnehmen müsste, ist in dieser Woche erstmals größer geworden als jene, die in der Zentralen Unterbringungseinrichtung (ZUE) des Landes im ehemaligen Alexianer-Krankenhaus Platz finden. Das sagte gestern Stadtsprecher Peter Fischer unserer Zeitung. Der "Überhang" aus der ZUE, der der Stadt angerechnet wird, ist demnach aufgezehrt - unabhängig davon, dass wegen vier festgestellten Windpocken-Fällen derzeit weniger Flüchtlinge als üblich im "Alex" leben. "Wir rechnen über kurz oder lang mit der Ankunft von Flüchtlingen, die wir in den städtischen Einrichtungen unterbringen müssen", sagte Fischer.

In den bestehenden städtischen Einrichtungen ist derzeit Platz für 427 Menschen. Mitte Juli waren davon in den Einrichtungen Bergheimer Straße, Derendorfweg, Berghäuschensweg und Düsseldorfer Straße 230 Plätze frei. Bei einer erwarteten Zuweisung von 70 Asylbewerbern im Monat müssten im Oktober die ersten zusätzlichen Flüchtlingsheime bezugsfertig sein. Die Stadt plant Unterkünfte an 27 Standorten, als erstes werden Wohncontainer am Südbad und Nordbad gebaut.

FOTO: Woi, Berns, NN

Der Neusser Landtagsabgeordnete Reiner Breuer (SPD) würde gerne drei der 27 Standorte streichen und die Plätze dafür im ehemaligen Alexius-Krankenhaus einrichten, wenn dort die ZUE des Landes ausgezogen und in einem Neubau an der Stresemannallee untergekommen ist. "Man könnte das ehemalige Krankenhaus ertüchtigen und im Bestand erneuern, um darin langfristig qualitativ guten Wohnraum für Flüchtlinge zu schaffen", sagte Breuer. Dafür solle die Stadt auf die Standorte im Rheinparkcenter, Botanischen Garten (alte Stadtgärtnerei) und im ehemaligen Abschiebegefängnis an der Grünstraße verzichten. "Vor allem das Hafthaus ist nicht geeignet", sagt Breuer. "Wer dort traumatisierte Flüchtlinge unterbringen möchte, gehört selbst eingesperrt." Breuer sähe dort lieber eine kulturelle Nutzung wie Proberäume. Und die Immobilie im Rheinparkcenter sei eher eine Option für Seniorenwohnungen als für ein Flüchtlingsheim.

Der Neusser Bauverein, der das etwa 100 000 Quadratmeter große Areal am "Alex" von den Alexianer-Brüdern kaufen und auf dem Gelände etwa 500 Wohnungen vom Einfamilienhaus bis zum sozialen Wohnraum bauen will, zeigte sich überrascht vom Vorstoß Breuers. "Wir haben in der letzten Sitzung des Aufsichtsrates den Ankauf beschlossen und wollen den Großteil für öffentlichen Wohnraum nutzen", sagte Bauvereins-Vorstand Dirk Reimann. "Ich kann derzeit ausschließen, dass wir expliziten Wohnraum für Flüchtlinge einrichten werden." In dem ehemaligen Krankenhaus-Gebäude sind Wohnformen für Gruppenwohnen, Altenwohnungen und Wohnungen für Demenz-Kranke vorgesehen - nicht aber Flüchtlings-Unterkünfte. Reimann geht derzeit davon aus, dass die Flüchtlinge in der ZUE im Alexius-Gebäude bis mindestens 2017 bleiben werden. Wie lange darüber hinaus, ist ungewiss.

Bürgermeister Herbert Napp untermauerte unterdessen die Strategie der Stadt, Flüchtlinge möglichst nicht in Containern, sondern in Wohnungen unterzubringen. "Es werden Flüchtlinge zu uns kommen aus Syrien und Afghanistan, die lange bleiben werden und auch sollen. Sie sind gut ausgebildet", sagte Napp. "Dann müssen wir ihnen schnell eine vernünftige Wohnung und einen Arbeitsplatz geben."

Quelle: NGZ
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