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Neuss
Stadt prüft Wohnraum für Obdachlose

Neuss. "Die Linke" möchte den Zugang zum Wohnungsmarkt niedrigschwelliger gestalten und vorhandene Objekte zu sozialverträglichen Preisen unter anderem Obdachlosen zur Verfügung stellen. Die Stadt soll als Vermittler fungieren. Von Simon Janssen

Angesichts der stagnierenden Flüchtlingszahlen möchte die Stadt Neuss die Anmietung von Wohnungen für asylsuchende Menschen aussetzen. Es sei sinnvoll, die bereits angemieteten Wohnungen - 57 von 72 werden derzeit genutzt - zunächst vollständig zu belegen und danach die weitere Vorgehensweise festzulegen. Wie diese "weitere Vorgehensweise" aussehen könnte, zeigte Vincent Cziesla (Die Linke) jetzt im Sozialausschuss auf. Seine Idee: Der vorhandene Wohnraum soll weiterhin genutzt werden, um Menschen, die sich in akuten Notsituationen befinden, zu helfen. Sein entsprechender Antrag erhielt im Sozialausschuss keine Gegenstimme. "Es gibt Vermieter in Neuss, die sich an der Obergrenze der Brutto-Kaltmiete des Kreises orientieren. Diese werden derzeit aber abgewiesen, weil der Bedarf bei der Notunterbringung von Flüchtlingen momentan nicht gegeben ist. Wenn man Kontakt zu diesen Vermietern hätte, könnte man die Wohnungen doch beispielsweise an Obdachlose vermitteln", so Cziesla. Dafür solle die Stadt die Wohnungen nicht wie bisher direkt anmieten, sondern lediglich als Vermittler zwischen Mieter und Vermieter fungieren. Nicht im Sinne eines Maklerbüros mit Hochglanzprospekten und Internetauftritt, sondern im kleinen Rahmen.

Seinen Antrag führte Cziesla mit einer persönlichen Anekdote aus: Bei der vergangenen Klassiknacht habe er einen obdachlosen Mann kennengelernt, der dort Pfandflaschen sammelte. Im Gespräch mit ihm habe das Ausschussmitglied erfahren, dass er - abgesehen von seiner Obdachlosigkeit - in relativ geregelten Verhältnissen lebt. "Er hat Saisonarbeit und bezieht Leistungen vom Jobcenter. Nur eine Wohnung hat er einfach nicht bekommen", sagte Cziesla. Der über 60-Jährige sei bereits mehrfach Opfer von Gewaltdelikten geworden. "Das hat mich in gewisser Weise besonders mitgenommen, weil bei dem Mann theoretisch alle Voraussetzungen gegeben sind, in eine Wohnung einzuziehen."

Unterstützung gab's im Sozialausschuss unter anderem von der CDU: "Wir finden den Antrag gut. Es sind sehr viele positive Ansätze dabei. Natürlich müssen aber auch kritische Fragen geklärt werden: Kann die Stadt Neuss als Wohnungsmakler auftreten? Wie müssen die Wohnungen hergerichtet werden? Und wie funktioniert die Vermittlung?", fragte Anna Maria Holt, die vorschlug, die Verwaltung mit der Prüfung der im Antrag aufgelisteten Punkte zu beauftragen.

Der Sozialdezernent Ralf Hörsken gab grünes Licht: "Wir werden die Ausführungen von Herr Cziesla in aller Sorgfalt prüfen und im nächsten Sozialausschuss im November die Ergebnisse vorstellen. Einschließlich der Dinge, die eventuell nicht funktionieren."

Laut Antrag soll in Kooperation mit dem Jobcenter gewährleistet werden, dass die Miete für die entsprechende Wohnung direkt an den Vermieter gezahlt wird. Somit seien die gleichen Sicherheiten und Voraussetzungen für den Vermieter geschaffen, wie bei der bisherigen erfolgreichen Unterbringung von Flüchtlingen. Darüber hinaus soll in Zusammenarbeit mit den Beratungsstellen eine sozialpädagogische Betreuung - soweit erforderlich - möglich gemacht werden. Kontakt aufnehmen könnten die bedürftigen Menschen schließlich mit der Stadt oder den jeweiligen Beratungsstellen, um Hilfe bei der beschwerlichen Wohnungssuche zu erhalten.

Quelle: NGZ
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