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Henrike Mölleken
Stadt will Grünpflege umstrukturieren

Neuss. Frau Mölleken, Sie haben bei Ihrem Amtsantritt Mitte Juli gesagt, Sie müssten sich zunächst einen Überblick verschaffen, um beurteilen zu können, bei welchen Grünflächen im Stadtgebiet besonderer Handlungsbedarf herrscht. Wie schaut es rund 100 Tage später aus?

Henrike Mölleken Einen Überblick konnte ich schon gewinnen, aber jedes Detail kenne ich natürlich noch nicht. Das liegt an unserem breiten Aufgabenspektrum mit Parkanlagen und Wäldern, Straßenbegleitgrün und -bäumen sowie Grünflächen anderer städtischer Ämter, etwa des Gebäudemanagements. Aber so vielschichtige Aufgaben sind natürlich auch spannend.

Besondere Schwerpunkte sind also noch nicht gesetzt worden?

Mölleken Selbstverständlich setzen wir Schwerpunkte. Oberste Priorität hat immer die Verkehrssicherheit, die wir etwa durch regelmäßige Kontrollen unserer Bäume sicherstellen. Zudem müssen die vielen Flächen, die wir haben, mit unterschiedlichen Intensitäten gepflegt werden. Eine zentrale Parkanlage ist zum Beispiel aufwendiger zu pflegen als Straßenbegleitgrün. Auch wenn es den Bürgern vielleicht schneller auffällt, wenn dort eine Nachpflege nötig wird.

Gibt es viele negative Rückmeldungen von den Bürgern?

Mölleken Die Anzahl schwankt natürlich stark, in der Spitze gibt es auch mal Tage, an denen wir 30 bis 50 Meldungen erhalten. Dann kann es schon stressig werden, denn wir sind bestrebt, den Meldungen so schnell wie möglich nachzugehen. Allerdings kann nicht jede Anfrage sofort bewältigt werden. Schließlich verfügen auch wir nur über begrenzte personelle Ressourcen.

Die offenen Planstellen, die nicht besetzt waren, sind jetzt aber wieder vergeben...

Mölleken Ja, das ist auch recht schnell geschehen. Bereits sieben Wochen nach meinem Amtsantritt hatten wir die Einstellungsverfahren für die Gärtner und die Hilfsgärtner abgeschlossen. Wir haben gute Leute eingestellt - und die sind nicht sofort abkömmlich. Der letzte fängt erst Anfang kommenden Jahres bei uns an.

Die neuen Stellen sind für Sie und Ihre Kollegen zwar ein erster Schritt in die richtige Richtung, aber wie viele neue Leute bräuchten Sie eigentlich?

Mölleken Es gibt mehrere Gutachten dazu. Vorläufig wurde dabei festgestellt, dass wir insgesamt etwa 100 Personen brauchen. Das wäre ein Plus von 30 im Vergleich zum heutigen Stand. Eine abschließende Aussage kann ich dazu allerdings noch nicht treffen.

Umweltdezernent Matthias Welpmann hat im Gespräch mit unserer Redaktion betont, wie wichtig ein Grünflächenkataster für die Stadt wäre. Stimmen Sie zu?

Mölleken Erst wenn wir über ein Grünflächenkataster als wichtiges Steuerungselement für die Grünpflege verfügen, können wir definitiv sagen, wie viele Stellen wir genau brauchen und welche Prioritäten wir in bestimmten Bereichen setzen. Außerdem verfolgen wir noch einen zweiten Strang, nämlich die Grünpflege umzubauen.

Inwiefern?

Mölleken Sie soll ökologischer ausgelegt und im Aufwand reduziert werden. Dabei gibt es allerdings keine pauschalen Lösungen, sondern man muss sehr genau schauen, wo das funktionieren kann. Und vor allem müssen Politik und Bevölkerung mit ins Boot geholt werden.

Ist es schwierig zu kommunizieren, wenn man nach einer Beschwerde die Rückmeldung geben muss, dass andere Bereiche Vorrang haben?

Mölleken Das ist eine Frage der Kommunikation. Es wird, denke ich, nicht schwer, die Neusser zu überzeugen, dass der Rosengarten anständig gepflegt werden muss - es ist aber auch selbstverständlich, dass erforderliche Verkehrssicherungsmaßnahmen Vorrang haben, bei denen es um Leib und Leben der Bevölkerung geht. Da ist es zu verschmerzen, wenn sich die Arbeiten im Rosengarten auch mal um eine Woche verschieben.

Wie gehen Sie mit dem Vorwurf um, dass vor dem Schützenfest wesentlich mehr in der Grünpflege unternommen wird als sonst?

Mölleken Natürlich stimmt es, dass wir uns vor dem Schützenfest die Innenstadt noch mal genau ansehen. Aber es ist doch verständlich, dass vor dem Schützenfest gezielt geschaut wird, dass alles verkehrssicher ist. So haben wir auch in diesem Jahr die Bäume entlang der Schützenfestumzüge daraufhin untersucht, ob die Äste nicht zu tief hängen. Auf den Blumenschmuck mussten wir aus Kapazitätsgründen leider verzichten. Nichtsdestotrotz pflegen unsere Gärtner das ganze Jahr über sowohl in der Innenstadt wie in den Stadtteilen.

SIMON JANSSEN FÜHRTE DAS GESPRÄCH

Quelle: NGZ
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