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Neuss
Stadt will verwahrloste Gräber einebnen

Neuss: Stadt will verwahrloste Gräber einebnen
Für Friedhelm Ripphahn (r.) und Peter Evertz sind ungepflegte Gräber zu einem Riesenproblem geworden. FOTO: A. Woitschützke
Neuss. 13 Prozent der Grabstellen in der Stadt sind ungepflegt. Jetzt werden vorzeitige Einebnung oder kostenpflichtige Ersatzpflege geprüft. Von Christoph Kleinau

Die Stadt geht härter gegen Familien vor, die sich um die Pflege der Gräber ihrer Angehörigen nicht kümmern. Anlass dazu gibt die zunehmende Zahl verwahrloster Grabstellen. "Ein Riesenproblem", wie Peter Evertz berichtet, der technische Leiter der Friedhofsbetriebe. Er lässt gerade durch das Rechtsamt prüfen, ob die Stadt auf der sicheren Seite ist, wenn sie ein Grab schon vor Ablauf der Nutzungsfrist abräumt oder auf Kosten der Angehörigen eine Pflege in Auftrag gibt. "Wir ziehen das jetzt durch", sagte Evertz im Umweltausschuss.

Wie groß das Problem ist, macht die Zahl von etwa 7500 Grabstellen deutlich, die unzureichend oder gar nicht mehr in Ordnung gehalten werden. Bei insgesamt gut 58 500 Grabstellen auf den 14 kommunalen Friedhöfen sind das immerhin 13 Prozent. Dabei zeigt sich das Problem besonders deutlich auf dem Hauptfriedhof an der Rheydter Straße. Der Prozentsatz mangelhaft oder gar ungenügend gepflegter Grabstellen sei auf den kleineren Stadtteilfriedhöfen deutlich niedriger, berichtet die Verwaltung.

Das Phänomen verdeutlicht einen Wandel in der Bestattungskultur, der auch das Erscheinungsbild der Neusser Friedhöfe mittelfristig verändern wird. Die Stadt spricht von einem gesellschaftlichen Trend zu pflegefreien Bestattungsformen. Der lässt sich sogar in Zahlen abbilden: So wurden im vergangenen Jahr 139 Rasenurnen- und 78 Rasenerdgräber verkauft. Dabei wird immer öfter nach so genannten Rasengemeinschaftsanlagen mit Rahmenbepflanzung, Wegeführung und Sitzgruppe gefragt. Die Rasengemeinschaftsanlagen in Neuss, so gibt Evertz zu, entsprächen eher einer teilanonymen Beerdigung.

Die Stadt entwickelt derzeit erste Überlegungen wie solche Grabfelder, wo die Namen der Toten aufgelistet und einem Bestattungsort zugeordnet werden können, aussehen könnten. Dabei wird die Anregung aus der Politik aufgenommen, auch über den Bau so genannter Kolumbarien nachzudenken.

Das drängende Problem der verwahrlosten Gräber löst diese Herangehensweise aber bestenfalls mittelfristig. Dazu gibt es eine Doppelstrategie. Bislang wurden aufgelassene Gräber nicht gleich nach Ablauf der Nutzungsdauer neutralisiert, betont Planungsdezernent Christoph Hölters. Das wird nun Feld für Feld angegangen, kündigt er an. An ihrer Stelle entstehen Rasenflächen, die nicht nur ansehnlicher sind, sondern auch den Pflegeaufwand reduzieren. Den Anstoß zu diesem Vorgehen gab auch der Pfingststurm "Ela" im vergangenen Jahr. Er zerstörte zwar rund 1100 Bäume und beschädigte etliche Grabstellen, eröffnete aber auch die Chance, eine Neugestaltung in Angriff zu nehmen.

In diesem Zusammenhang will die Stadt auch nicht mehr hinnehmen, dass Gräber verwahrlosen. Ihr größtes Problem dabei ist, dass Angehörige der Verstorbenen, die das Nutzungsrecht an den Gräbern haben, immer häufiger nicht mehr ausgemacht oder zur Verantwortung gezogen werden können. In solchen Fällen gibt die Friedhofssatzung jetzt die Möglichkeit, ein Grab vor Fristablauf einzuebnen, ohne Gebühren erstatten oder eine Entschädigung zahlen zu müssen.

Quelle: NGZ
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