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Neuss
Stadtarchiv zeigt bewegte Geschichte

Neuss. Den "Tag der Archive" unter dem Motto "Mobilität im Wandel" nutzten Hunderte von Besuchern. Von Jascha Huschauer

Nächster Halt: Stadtarchiv. Besucher der Neusser Innenstadt staunten am Samstag nicht schlecht, als plötzlich die alte Neusser Straßenbahn anrollte. Vorne standen Stadtarchivar Jens Metzdorf und Stadtführer Rolf Lüpertz, sie informierten die Fahrgäste über die Neusser Stadtgeschichte. Start und Ziel der Fahrten: das Neusser Stadtarchiv - das "Gedächtnis der Stadt Neuss". "Die Straßenbahn war auf allen Fahrten richtig voll", sagte Rolf Lüpertz erfreut. Er zeigte mit alten Fotos auf großen Pappen, wie Teile der Neusser Innenstadt früher ausgesehen haben.

Die Fahrt mit dem 1926 gebauten Triebwagen war eine besondere Aktion des Neusser Stadtarchivs und der Zukunftsinitiative Innenstadt Neuss (ZIN) zum deutschlandweiten "Tag der Archive". Das Thema: "Mobilität im Wandel". Was passte da besser, als gemeinsam die historische Straßenbahn bei der Düsseldorfer Rheinbahn zu mieten. Dort läuft der Wagen mit den 22 Sitzplätzen unter dem Namen "Der Neusser", schließlich hat ihn die Rheinbahn einst von den "Neusser Verkehrsbetrieben" übernommen.

Beim Einkaufsbummel sollten Neusser über die die Straßenbahn den Weg ins Stadtarchiv finden. Der Plan ging auf. Viele hundert Besucher kamen am Samstag in das Archivgebäude an der Oberstraße 15. Das Haus verkörpert das Thema Mobilität. Schließlich war dort im 18. und 19. Jahrhundert die Station der Thurn- und Taxis'schen Post. Damals brachten Postkutschen nicht nur Briefe, sondern auch zahlende Fahrgäste von A nach B.

Auf dem Programm im Stadtarchiv standen dann vor allem Führungen und Vorträge: etwa zur kurzen Geschichte des Oberleitungsbusses in Neuss. Bei Inbetriebnahme am 23. August 1948 verkehrte der zwischen der Zollstraße und Reuschenberg. Bald gab es Verlängerungen nach Weckhoven, Hoisten und Holzheim. Schon am 31. Dezember 1959 wurden die Busse mit Oberleitung wieder eingestellt. Immerhin: Als 1954 in Neuss ein Gelenkbus an die Oberleitung angeschlossen wurde, war es der erste "Gelenk-O-Bus" in ganz Deutschland.

Auch einen Blick auf den ersten Neusser Eisenbahnfahrplan von 1853 konnten die Besucher werfen. Oder die Akten begutachten, die alle sechs im Jahr 1899 in Neuss registrierten Autokennzeichen führen, mitsamt der dokumentierten Unfälle dieser Wagen. Beeindruckend schließlich der Siegeszug des Autos in den 1950er Jahren. So gab es im September 1950 1036 zugelassene PKW in Neuss. Im Jahr 1962 waren es dann schon 11.675. Einschneidende Entwicklungen finden ihren Niederschlag in unaufgeregt und sachlich abgehaltenen, leicht vergilbten Blättern und Akten. Aber Metzdorf und den anderen Referenten gelingt es, die Auswirkungen der bewegten Geschichte von Bahnen, Schiffen, Fähren und Bussen auf Neuss nachvollziehbar zu schildern.

Zudem betrachtet das Stadtarchiv Mobilität über Verkehr und Logistik hinaus. Nämlich auch im Sinne von "sozialer Mobilität", gesellschaftlichem Auf- und Abstieg und Migration. So gibt eine Akte Auskunft über die Auswanderung im 19. Jahrhundert. Und eine Ausstellung erinnert daran, dass Neuss nur dank der enormen Zuwanderung als Folge des Zweiten Weltkriegs 1963 Großstadt werden konnte.

Quelle: NGZ
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