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Neuss
Stadtwerke: Strom wird teurer, Gas nicht billiger

Stromkosten: So viel können Sie in Ihrer Stadt sparen
Stromkosten: So viel können Sie in Ihrer Stadt sparen FOTO: dapd, APN
Neuss. Die SWN planen zum 1. März eine Strompreiserhöhung. Anders als bei weiten Teilen der Konkurrenz wird der Gaspreis aber nicht gesenkt. Von Andreas Gruhn

Der Strom der Stadtwerke Neuss (SWN) wird im kommenden Jahr teurer. Zum 1. März 2016 sollen die Kunden einen höheren Arbeitspreis pro Kilowattstunde bezahlen. Über die entsprechende Pläne informierte die Geschäftsführung am Donnerstag den Aufsichtsrat der SWN Energie und Wasser.

Wie hoch die Preissteigerung ausfällt, ist noch unklar. "Weil Umlagen und Entgelte sich verändern, haben wir Mehrkosten von 1,31 Cent pro Kilowattstunde", sagte SWN-Sprecher Jürgen Scheer. "Dies werden wir aber nicht in vollem Umfang an die Kunden weitergeben." Bei einer Preiserhöhung um einen Cent müsste eine Familie mit einem Verbrauch von 4000 Kilowattstunden im Jahr rund 40 Euro mehr zahlen.

Details zur Preiserhöhung müssen die SWN im Januar vorlegen. Spätestens sechs Wochen vor dem 1. März müssen die Kunden schriftlich über die Pläne informiert werden. Damit vollziehen die Stadtwerke, was rund 100 andere Anbieter bereits für Januar und Februar 2016 angekündigt haben. Vielerorts steigen die Strompreise, obwohl die Beschaffungspreise eigentlich sehr günstig sind. Preistreiber sind allerdings steigende Netzentgelte und andere Abgaben. Allein die Umlage zur Finanzierung der Energiewende (EEG-Umlage) steigt um drei Prozent.

Einem anderen bundesweiten Trend widersetzen sich die Stadtwerke allerdings: Anders als 128 Versorger in Deutschland senken die SWN den Gaspreis nicht. In Düsseldorf, Krefeld, Hilden, Solingen, Radevormwald, Monheim, Bochum, Geldern und vielen weiteren Kommunen in der Region wird Heizen und Kochen mit Gas demnächst deutlich günstiger. Im Schnitt fällt der Preis um drei bis vier Prozent. Die Versorger reichen damit die günstigeren Einkaufspreise an die Kunden weiter. Der Gaspreis hat in diesem Jahr nämlich erneut eine Talfahrt hingelegt. Die Einfuhrpreise fielen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes bis Oktober auf nur noch 85,1 Prozent im Vergleich zum Preisniveau des Basisjahrs 2010. Noch vor drei Jahren lag dieses Niveau bei 132 Prozent. Im Jahr 2009 rauschte der Gaspreis das letzte Mal so stark in den Keller. Damals reagierten die SWN noch und senkten die Gaspreise innerhalb eines Jahres um fast 30 Prozent. Diesmal aber nicht.

Nun gehören die SWN im regionalen Vergleich zu den teuren Gaslieferanten. Im günstigsten SWN-Tarif muss eine durchschnittliche Familie mit einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden derzeit 1418,88 Euro bezahlen. Die Stadtwerke Düsseldorf nehmen dafür 30 Euro weniger, die Monheimer Elektrizitäts- und Gasversorgung und die Enni-Gruppe aus Moers berechnen rund 110 Euro weniger im Jahr für dieselbe Leistung. Auch gestandene Grundversorger, die mit einer ähnlichen Kostenstruktur arbeiten, unterbieten die SWN deutlich.

Das stößt auf Kritik. "Der Strompreis soll erhöht werden mit Verweis auf höhere Kosten, und wenn wie beim Gas die Preise fallen, wird das nicht an die Kunden weitergereicht. Das ist gefährlich, so riskiert man den Verlust von Kunden", sagt Arno Jansen, SPD-Fraktionschef im Rat.

Die Stadtwerke verweisen einerseits auf die Beschaffungsstrategie, die vorsieht, die Mengen in Teilen zwei bis drei Jahre im Voraus einzukaufen und damit Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Und andererseits auf weitere allgemeine Kostensteigerungen. Udo Sieverding von der Verbraucherzentrale NRW vermutet allerdings, dass Versorger gerne die größeren Gewinne einstreichen. "Versorger sollten gut erklären können, warum sie die sinkenden Beschaffungskosten nicht an ihre Kunden weitergeben", sagt Sieverding. "Bislang vermisse ich noch Unternehmen, die zugeben, dass schlecht eingekauft wird."

Quelle: NGZ
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