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Neuss
Stadtwerke: Strompreis soll stabil bleiben

Neuss. Geschäftsführer Stephan Lommetz stellte sich auf dem blauen NGZ-Sofa den Fragen von Redaktionsleiter Ludger Baten. Von Andreas Buchbauer

Nur eine halbe Stunde lang hatte Stephan Lommetz nicht aufs Handy geschaut, doch beim nächsten Blick aufs Display war ihm klar: Das ist ernst. Bei all den Bitten um dringenden Rückruf wusste der Geschäftsführer der Stadtwerke Neuss sofort, dass es sich um "ein nicht alltägliches Ereignis" handelte. Dieses "nicht alltägliche Ereignis" war der Wasserrohrbruch unter der Kaiser-Friedrich-Straße, der für überflutete Straßen und Keller sorgte - und sogar dafür, dass in Selikum Wasser aus den Anschlüssen von Gasleitungen sprudelte. Der Rohrbruch und seine Folgen waren ein zentrales Thema beim Talk auf dem blauen NGZ-Sofa. Dort stellte sich Stephan Lommetz den Fragen von NGZ-Redaktionsleiter Ludger Baten. Der Stadtwerke-Chef bezog dabei klar und offen zu zahlreichen Themen Stellung - von den Ermittlungen gegen die Stadtwerke Neuss wegen Korruptionsverdacht bis hin zu Strompreisen und zur Zukunft der Bäder.

Wasserrohrbruch "So ein Ereignis ist nicht vorhersehbar. Leider ist es so, dass je nach Bodenbeschaffenheit und äußeren Einflüssen Veränderungen an der Leitung eintreten können. Wohin das führen kann, haben wir jetzt erlebt. Auch mit Blick auf das Wasser in der Gasleitung in Selikum. Wir haben in Neuss rund 400 Kilometer Wasser- und 500 Kilometer Gasnetz - also insgesamt rund 900 Kilometer. Aber am Nixhütter Weg in Selikum ist auf einer Strecke von 20 Zentimetern sowohl im Gas- als auch im Wasserrohr ein kleines Loch entstanden. Das Wasser ist dann über das Gasrohr in den Hausanschluss der Kunden gelangt. Rund 200 Kunden im Bereich Nixhütter Weg waren betroffen."

Schaden "Inzwischen sind alle Kunden wieder am Gasnetz. Bei zwei Haushalten musste der Anschluss erneuert werden. Das wurde mit Hochdruck erledigt. Die Kosten für den Schaden durch den Rohrbruch insgesamt sind noch nicht abschließend ermittelt, sie werden vermutlich zwischen 100.000 und 400.000 Euro liegen."

Ermittlungen gegen die Stadtwerke wegen Korruptionsverdachts "Wir haben die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft von Anfang an aktiv unterstützt und alle geforderten Unterlagen und Informationen zur Verfügung gestellt. Die Auswertung läuft derzeit. Da es sich um ein laufendes Verfahren handelt, kann ich dazu nicht ins Detail gehen. Aber natürlich haben wir innerhalb des Unternehmens sämtliche Prozesse überprüft - und tun dies weiterhin. Dies ist ein laufender Vorgang. Schließlich wollen wir nicht, dass die Ermittler noch einmal bei uns vorstellig werden müssen."

Stadtwerke als Konzern "Kerngeschäft ist die Energie. Von den 210 Millionen Euro Umsatz macht diese Sparte 160, 170 Millionen Euro aus. Wir brauchen das auch, um unsere anderen Geschäftsfelder zu betreiben. Aber das wird schwieriger: Der Netzbereich wird sehr stark durch staatliche Vorgaben reguliert, aber es bleibt fair, weil sich alle Wettbewerber dem stellen müssen. Im Vertrieb hingegen ist es viel härter: Da ist der Markt der Taktgeber, und es gibt leider auch Markt-Player, die keine Tarifverträge nach unserer Art und ganz andere Abgabenverhältnisse haben gegenüber Staat und Kommunen - und das sind schon Wettbewerbskriterien, die wir überkompensieren müssen. Das ist ein hartes Stück Arbeit."

Preisentwicklung "Die Gaspreise werden zum 1. Dezember gesenkt, da können wir die grundsätzliche Bewegung am Markt an unsere Kunden weitergeben. Beim Strom gibt es abstruse Preiserhöhungen von sogenannten vorgelagerten Netzbetreibern. Die staatlichen Abgaben werden steigen, wir müssen abwarten bis alles auf dem Tisch liegt. Dann treffen wir eine Preisentscheidung. Ich habe aber die Hoffnung, dass wir die Preissteigerung auf absehbare Zeit stoppen können - also für sechs Monate bis ein Jahr. Die EEG-Abgaben, die ja der Preistreiber sind, werden schließlich nur einmal im Jahr festgelegt."

Stromnetz "Der Vertrag mit Westnetz als Betreiber des Netzes läuft Ende 2019 aus. Es laufen Gespräche, die Pachtkooperation mit Westnetz fortzuführen. Allerdings planen wir, zunehmend Aufgaben in unserem Netz selbst zu übernehmen. Das läuft gut, von daher hoffen wir auf ein gutes Ergebnis."

Windräder in Hoisten "Sie sollen sich spätestens ab Frühjahr 2017 drehen. Wir haben einen klaren politischen Auftrag, und den setzen wir um. Raum für weitere Windräder in Neuss sehen wir momentan nicht, da es nur begrenzt interessante Standorte gibt. Ich gehe davon aus, dass die beiden Windräder alleine bleiben."

ÖPNV "Das Netz wird ständig überprüft, denn eine Stadt verändert sich, zum Beispiel durch Neubaugebiete wie in Allerheiligen. Es ist jedoch schwierig, mit dem ÖPNV eine schwarze Null zu schreiben - das Defizit beträgt rund zwei Millionen Euro. Andererseits ist der ÖPNV eine klassische Daseinsvorsorge. Unsere Aufgabe ist es, eine bestmögliche sozialverträgliche Versorgung mit vernünftigem wirtschaftlichem Handeln zu schaffen. Was die Wirtschaftlichkeit anbelangt, stehen wir im VRR-Gebiet auf den oberen Plätzen."

Bäder "Natürlich handelt es sich um ein emotionales Thema. Aber man muss sachlich herangehen und Ideen für die Zukunft entwickeln. Wir haben ein Konzept erstellt, das dem Aufsichtsrat und der Gesellschafterversammlung am 16. November vorgestellt wird. Beim Stadtbad ist es zum Beispiel so, dass wir uns dem Punkt nähern, an dem Reparieren nicht mehr reicht, sondern auch über Alternativen nachgedacht werden muss. Eine Lösung mit einer 50-Meter-Bahn lässt sich auch anders hinkriegen. Aber klar ist: Egal, wofür man sich letztlich entscheidet - wir reden über zweistellige Millionenbeträge. Beim Thema Öffnung der großen, parkähnlichen Flächen am Nordbad sind wir gesprächsbereit, aber die Entscheidung trifft die Stadt als Eigentümer des Stadtwerke-Konzerns."

Quelle: NGZ
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