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Neuss
Stapelweise Altpapier für neue Kartons

Neuss. Bei FS Karton entstehen im Jahr aus Altpapier rund 350 000 Tonnen weißer Karton für die Verpackungsindustrie. In dem Werk an der Düsseldorfer Straße arbeitet die größte Kartonmaschine Europas. Von Andreas Gruhn

Das weiße Papier blendet in der Sonne, Christoph Oerding muss die Hand über die Augen halten. Und dennoch kann man von der Aussichtsplattform kaum alle Papierberge überblicken, die sich unten auf dem Boden auftun. "28 000 Tonnen Altpapier", sagt Oerding. "Das reicht für einen ganzen Monat." So groß ist der Verbrauch bei FS Karton, dem Neusser Faltschachtel-Spezialisten, bei dem der Neusser Christoph Oerding im Technik-Kundenservice arbeitet. Altpapier - was andere wegschmeißen, ist für FS wertvolle Ressource, um daraus die Verpackung zu machen, in der etwa Samsung Fernseher, Kellog's die Cornflakes oder Kärcher seine Gartengeräte ausliefert.

Das 1911 eröffnete Neusser Werk, das seit 1984 zum österreichischen Konzern MM Karton gehört, macht aus Bergen von Altpapier im Jahr 350 000 Tonnen frischen, weißen Karton. Auf Frischfasern verzichtet FS Karton komplett. 350 Mitarbeiter erwirtschaften in dem Werk einen Jahresumsatz von gut 200 Millionen Euro. Und dafür steht das Werk 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr praktisch unter Dampf. Warm, feucht, laut - so fühlt es sich an in dem Werk.

Die nach unterschiedlichen Qualitäten sortierten Altpapiere werden zunächst in Wasser aufgelöst. Unter Wärme und Feuchtigkeit werden Fremdstoffe aussortiert, und das Papier wird in seine Fasern zerlegt. Im nächsten Produktionsschritt werden den Fasern in einer Deinking-Anlage (sprich: De-Inking) sämtliche Farbstoffe entnommen. Dadurch wird eine hohe Grundweiße des Deckenstoffes erreicht. Dadurch wird eine exzellente Grundweiße erreicht. "Mit unserer Deinking-Anlage kann kostengünstig die Decklage des Kartons hergestellt werden. Das ist ein wesentlicher Standort-Vorteil", sagt Kurt Wasinger, der das Neusser Werk seit zwei Jahren leitet.

Das durch verschiedene Siebe nochmals nach Feinheit sortierte Material wird dann in die eigentliche Maschine gebracht: Die Kartonmaschine im Neusser Werk ist 202 Meter lang und 5,25 Meter breit - sie läuft seit 1990 und ist die größte ihrer Art in Europa. Aus dem Pappbrei am Anfang, der zu 99 Prozent Wasser besteht, wird in 70 Zylindern das Wasser herausgepresst, der einzelnen Schichten getrocknet, und zum Schluss veredelt. Die runden, zum Teil meterdicken Zylinder bearbeiten die Kartonbahn dabei wie Bügeleisen. Am Ende kommt der hochwertige, weiße Karton mit drei übereinanderliegenden Strichen und einer Feuchtigkeit zwischen fünf und acht Prozent heraus. Zwei Minuten verbringt eine Faser dafür in der Kartonmaschine. Die hohe, gleichbleibende Qualität überprüfen erfahrene Papiermacher in den Labors direkt neben der Kartonmaschine: Steifigkeit, Glanz, gewicht, Dicke - alles wird genau analysiert und gegebenenfalls auf die Wünsche der Kunden abgestimmt. Das Produkt wird auf Rollen ausgeliefert oder vorher noch passender zurechtgeschnitten. Diesen weißen Karton können Kunden nun bedrucken und zu Faltschachteln oder Wellpappeschachteln verarbeiten.

Für die Konzernmuter, die Mayr-Melnhof Karton AG, ist das FS-Werk in Neuss ein wichtiger Standort. "Das Neusser Werk liegt strategisch günstig im Herzen der europäischen Industrie. Das erlaubt uns kurze Wege und ein hohes Maß an Service", sagt Standort-Chef Kurt Wasinger.

Der Markt ist heftig umstritten, und er wächst in jedem Jahr rund drei bis vier Prozent in Europa. FS Karton mischt da gut mit. "Wir hatten in den letzten fünf Jahren keinen einzigen marktbedingten Stillstand der Produktion", sagt Wasinger.

Das war auch der Fall, als im Jahr 2010 ein Großbrand auf dem Areal an der Düsseldorfer Straße wütete. Teile des gelagerten Altpapiers standen damals in Flammen. Aber die Produktion lief weiter.

Quelle: NGZ
 
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