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Neuss
Stimmungsvolles Ende des Orgelsommers

Neuss. Münsterkantor Joachim Neugart gestaltete das letzte von fünf Konzerten in St. Quirin.

Der diesjährige Orgelsommer im Neusser Quirinusmünster stand im Zeichen der "Wiedergutmachung" gegenüber dem vor 100 Jahren verstorbenen Max Reger. Diesem war im Jahre 1908 verwehrt worden, auf der Quirinus-Orgel ein Konzert zu geben. Nun aber hieß es in der Münsterbasilika "Willkommen, Max Reger!" und alle Mitwirkenden dieses Orgelsommers befleißigten sich in den insgesamt fünf Konzerten, den Zuhörern das Werk dieses oft missverstandenen Tonsetzers nahezubringen.

Joachim Neugart tat beim Abschlusskonzert noch ein Übriges, indem er der angekündigten Choralphantasie "Wachet auf, ruft uns die Stimme" noch "Kanon" und "Melodia" - kurz gefasste Spätwerke - und aus der frühen Schaffensperiode das eingängige "Benedictus" hinzufügte. Besonders gefiel die sorgsam gewählte, sanfte Registrierung.

Der "allerschönsten Choralphantasie Regers" (Martin Weyer) widmete sich der Münsterkantor mit untadeligem technischem Vermögen und fesselnder Interpretationsintensität, indem er das für Reger charakteristische Nebeneinander von Choralvariation und Symphonischer Dichtung plastisch gegenüberstellte. Die von geheimnisvollem Dunkel geprägte Introduktion öffnet sich nach und nach immer deutlicher einzelnen Zeilen des bekannten Chorals von Philipp Nicolai - die unterschiedlichen Aussagen der drei Strophen weiß Reger faszinierend in Töne zu gießen. Die abschließende Fuge endet mit dem überwältigenden Tutti des "Gloria sei dir gesungen".

Regers großes Vorbild war Johann Sebastian Bach, der an diesem Abend nicht fehlen durfte und dem Neugart mit einer festlichen, brillanten und betont lichten Wiedergabe von "Toccata, Adagio und Fuge C-Dur" seine Reverenz erwies. Lediglich das Adagio hätte ein wenig mehr Ruhe verdient gehabt.

"Eingängige Melodien zu erfinden, das haben wir von ihm gelernt": So äußerte sich einmal voll Bewunderung Ermanno Wolf-Ferrari über seinen Lehrer an der Münchner Musikhochschule, Josef Gabriel Rheinberger. Dieser verfolgte diese Maxime auch in seinen eigenen Kompositionen. Ein beredtes Beispiel dafür ist seine 4. Sonate a-Moll, die am Konzertabend auf eindrucksvolle Weise zu Regers Choralphantasie hinleitete. Vor allem der Mittelsatz, den Josef Gabriel Rheinberger später für Oboe und Orgel arrangierte, ist von berückender Kantabilität, während die abschließende Fuge in einen strahlkräftigen Choral mündet.

Insgesamt war das letzte Konzert ein stimmungsvoller Abschluss des Max Reger gewidmeten Orgelsommers, den das stattliche Auditorium mit ausdauerndem Beifall honorierte.

(oeh)
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