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Neuss
Streaming macht Filmbörse kein Sorgen

Neuss: Streaming macht Filmbörse kein Sorgen
Als Soldaten der Film- und Videospiel-Reihe "Resident Evil" mit Uniform, Sturmgewehr und Helm haben sich diese Cosplayer verkleidet. FOTO: Woi
Neuss. Seit vier Jahren findet in der Neusser Wetthalle regelmäßig die Filmbörse statt. Der Boom von Online-Videotheken wie Netflix lässt Betreiber und Kunden erstaunlich kalt. Sie kommen ohnehin aus anderen Gründen nach Neuss. Von Jascha Huschauer

Netflix? "Was ist das denn?", fragt Michael Brahm. Und bei dem 51-Jährige wirkt die Frage nicht gespielt, sondern absolut ernst gemeint. Für ihn gibt es nur den guten alten Film. "Ich kann dabei richtig entspannen", sagt er, während an seiner Hand eine Plastiktüte baumelt. Darin vier DVDs die er gerade erstanden hat. Das eigentliche Objekt der Begierde hat er aber wieder nicht gefunden. Die Rede ist von "Der Profi II" mit Jean-Paul Belmondo. Für diesen Film ist Brahm extra aus Duisburg in die Neusser Wetthalle gekommen.

Sascha Kleist hat eingeladen. Der 41-Jährige ist Veranstalter der Filmbörse, die sich inzwischen fest etabliert hat. Am 2. und 3. September 2017 feiert die Börse ihr fünfjähriges Bestehen. "Dann werden wir auch ein oder zwei Hollywoodgrößen zu Gast haben. Ich darf aber noch nichts verraten", sagt Kleist.

Erstmal steht der Alltag an. Hunderte Besucher stöbern am gestrigen Sonntag zwischen den eng nebeneinander aufgestellten langen Tischen. 25 Aussteller bieten hier DVDs, Sammlerboxen und Filmposter an. Am Einlass gibt es eine strenge Kontrolle. Zutritt haben nämlich nur Film-Fans, die älter als 18 Jahre sind. Daher können in der Wetthalle auch indizierte Filme angeboten werden.

Außerdem ist es dort möglich, andere Schnitte zu verkaufen. "Auch wenn Sie im Elektro-Markt einen Film ab 18 kaufen, sind da Szenen rausgeschnitten. Hier dürfen wir die ungeschnittenen Filme anbieten", erklärt Kleist.

Das ist für viele ein wichtiger Grund für den Besuch der Filmbörse. "Im Grunde ist dieses Verbot ja auch völlig blödsinnig", sagt Marco Körner. Der 28-Jährige schaut gerne sogenannte Splatterfilme. Also Horrorfilme, in denen Gewalt sehr exzessiv dargestellt wird und das Blut nur so spritzt. Die Bewertung durch die Freiwillige Selbstkontrolle (FSK) kann er zum Teil nicht nachvollziehen. "Manchmal ist das auch total willkürlich", sagt Körner. Zusammen mit seinem Kumpel Christoph Kiesendahl und dessen Freundin Christin Selent (beide 30) streift er um die Stände. Sie sind extra aus Rheinberg angereist. "Fernsehen gucken wir gar nicht mehr", sagt Selent. Aber natürlich schauen sie trotzdem abends gerne einen Film zusammen. Netflix haben sie zwar, aber eine Alternative ist das nicht. Denn: Kiesendahl hat ein Heimkino. "Die Qualität von Tonspur und Bild kann bei Streaming-Diensten nicht mit DVDs mithalten", sagt der 30-Jährige. Also muss der Sammler kaufen. Und seltene Streifen findet er auf der Filmbörse.

So ist es auch Robert Plakolmer ergangen. Der 34-Jährige steht als Cosplayer am Eingang. Er verkleidet sich als Soldat der Film- und Videospiel-Reihe "Resident Evil" mit Uniform, Sturmgewehr und Helm. Aber wenn er schon mal da ist, kann er ja auch in der Auslage stöbern. Jahrelang habe er "the bunker" gesucht. "Hier habe ich es gefunden", sagt Plakolmer begeistert. Auch für ihn ist Streaming keine Alternative. Sowieso sehe er Filme gerne im Kino. Und überhaupt: "Es ist schon schöner, einen Film zu haben und das Bonus-Material anzuschauen."

Quelle: NGZ
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