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Neuss
Streit bei der Hochschule Neuss eskaliert

Neuss: Streit bei der Hochschule Neuss eskaliert
Der Eingang der Hochschule Neuss am Markt: Dort werden derzeit knapp 300 Stundenten unterricht - und die wirtschaftliche Misere wird aufgearbeitet. FOTO: Andreas Woitschützke
Neuss. Hinter den Kulissen der Hochschule kracht es seit über einem Jahr gewaltig. Die Gesellschafter streiten sich über Gründe und Ausmaß der wirtschaftlichen Schieflage, die Geschäftsführer Mark Müller zum Insolvenzantrag veranlasst haben. Von Andreas Gruhn

Die Hochschule Neuss steht heute vor einer wegweisenden Entscheidung. Denn die Versammlung der fünf Gesellschafter ist für heute einberufen worden, und auf der Tagesordnung steht unter anderem ein Punkt, der es in sich hat: "Sofortige Abberufung des Geschäftsführers Mark Müller und fristlose Kündigung eines etwaig bestehenden Anstellungsvertrages aus wichtigem Grund sowie Erteilung eines Hausverbots mit sofortiger Wirkung."

Das geht aus der Einladung des zweiten Geschäftsführers und Gesellschafters Professor Fadi Mohsen hervor, die unserer Zeitung vorliegt. Ob diese Versammlung heute so stattfinden wird, ist noch ungewiss. Beim Landgericht Düsseldorf liegt ein Antrag auf einstweilige Verfügung vor, die Abstimmung darüber zu verbieten. Das Gericht hat noch nicht entschieden. Derzeit befindet sich die Hochschule Neuss in einem Insolvenzeröffnungsverfahren.

Geschäftsführer Müller hatte den Insolvenzantrag der Hochschule am 9. März gestellt wegen drohender Zahlungsunfähigkeit. Dagegen hatte sein Kollege Mohsen Beschwerde beim Amtsgericht Düsseldorf eingereicht. Das Gericht hat diese Beschwerde mittlerweile als unbegründet verworfen und das Landgericht eingeschaltet. Die angestrebte Abberufung Müllers nach nur einem Jahr im Amt als Geschäftsführer ist die jüngste Entwicklung in einem Streit der führenden Köpfe der Hochschule Neuss, der bereits seit über einem Jahr läuft. Der Kreis der Gesellschafter, denen die Anteile an der Hochschule Neuss gehören, hat sich spätestens im vergangenen September endgültig entzweit. "Die Gesellschafter haben durchaus Differenzen. Sie sind gut beraten, sich zusammenzuraufen", sagte der vorläufige Insolvenzverwalter Michael Bremen unserer Zeitung. Andere Fälle seien damit in dieser Weise nicht vergleichbar. Weitere Stellungnahmen lehnte er ab.

Bei einer Gesellschafterversammlung am 4. September des vergangenen Jahres stimmte die Mehrheit in dem Gremium (siehe Box) dafür, die Solog AG (einem Nachfolger der Logistiksparte des Musikkonzerns EMI) aus dem Gesellschafterkreis zu drängen und Geschäftsführer Mark Müller die Alleinvertretungsberechtigung zu entziehen. Die Mehrheit in dem Gremium wurde vertreten durch den Gründer und Präsidenten Professor Otto Jockel sowie Geschäftsführer und Vize-Präsident Professor Fadi Mohsen. Im Gegenzug ließ die Solog AG darüber abstimmen, Otto Jockel und Fadi Mohsen auszuschließen und Hausverbot zu erteilen. Dies lehnten beide ab, wie aus dem Protokoll der Versammlung hervorgeht. Die Beschlüsse sind allerdings alle noch nicht umgesetzt, weil beim Landgericht Düsseldorf eine Klage gegen die Wirksamkeit der Versammlung läuft.

Grund für die heftigen Differenzen sind dem Vernehmen nach unterschiedliche Auffassungen über die Gründe der wirtschaftlichen Schieflage, die zu dem Zeitpunkt schon bekannt, aber noch nicht beziffert war. Wie sich mittlerweile herausgestellt hat, beläuft sich das Minus der vergangenen Jahre insgesamt auf rund 658 000 Euro. Das Insolvenzeröffnungsverfahren läuft weiter, bis frisches Geld eingegangen oder ein Investor gefunden ist. Dann könnte auch wieder eine staatliche Zulassung erteilt und neue Studenten aufgenommen werden. Über eine Garantieverpflichtung, wie sie eine Hochschule für ihre Zulassung vorlegen muss, hat Insolvenzverwalter Bremen mittlerweile Geld angefordert. Die Garantiegeberin hatte dies bis Ende dieser Woche zugesagt. Womöglich ist dann die drohende Insolvenz zügig abgewendet. Der Streit der Gesellschafter aber wahrscheinlich nicht.

Quelle: NGZ
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