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Neuss
Streit um Ausbau des Offenen Ganztags

Neuss. Ein Konflikt über Koalitionsgrenzen: Während SPD und Grüne für mehr OGS-Plätze sind, bremsen CDU und FDP. Von Joris Hielscher

Die Diskussion um einen Ausbau der Offenen Ganztagsschulen (OGS) geht weiter. Zwar hat die Stadt erst im März die Förderung pro Kind um 1,5 Prozent erhöht und eine Erhöhung in gleicher Höhe für August geplant, dennoch fehlen weiterhin viele OGS-Plätze. Viele Eltern können ihre Kinder nachmittags nicht in den Grundschulen betreuen lassen, obwohl sie das gerne wollen.

"Wir haben eine Warteliste von über 30 Kindern", berichtete Sabine Eggert von der OGS Dreikönigenschule auf einer Podiumsdiskussion, zu der die Gesellschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) Vertreter der Parteien eingeladen hatte. An den anderen Grundschulen - alle 24 in Neuss werden als OGS geführt - sieht es laut der Gewerkschaft ähnlich aus.

"Im Moment können manche Eltern ihre Kinder nachmittags in der Schule betreuen lassen, andere wiederum nicht", sagte Gisela Hohlmann, schulpolitische Sprecherin der Neusser SPD-Fraktion. Dies sei nicht nur unfair, sondern erschwere auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. "Wir brauchen mehr Plätze im Offenen Ganztag, damit die Mütter arbeiten gehen können", erklärte Hohlmann. Die Stadt habe eine Verpflichtung, das zu gewährleisten. Allerdings lobte sie auch die bisherigen Anstrengungen.

Rund 3100 Neusser Kinder werden in den OGS nachmittags betreut. 2004, als das Angebot eingeführt wurde, waren es lediglich 450. Der Anteil der Grundschulkinder in der OGS liegt bei 55 Prozent und ist damit deutlich höher als die landesweite Quote von knapp 40 Prozent.

Unterstützung erhielt die SPD-Politikerin dabei von Swantje Höhe, stellvertretende Vorsitzende der Ratsfraktion "Die Linke": "Die OGS-Plätze müssen dringend aufgestockt werden." Insgesamt müssten die Ausgaben für Bildung deutlich steigen. Zu den Befürwortern des OGS-Ausbau zählte auch Susanne Benary-Höck, Bürgermeisterkandidatin für die Grünen: "Wir brauchen ausreichend Plätze." Und sie versprach, dass die Grünen sich dafür einsetzen wollen.

Damit positionierte sich Benary-Höck deutlich gegen ihren Koalitionspartner, die CDU. Deren Vertreterin bei der Diskussion, Stephanie Wellens, schulpolitische Sprecherin der Union, schob jeglichem Ausbau einen Riegel vor. "Wir tun das bestmögliche, aber der Haushalt erlaubt es nicht, noch mehr Geld hineinzustecken", betonte Wellens. Schon jetzt fördere die Stadt die OGS-Plätze jährlich mit rund 900 000 Euro.

So überweist die Stadt dieses Jahr 4,15 Millionen Euro an die Träger der OGS. Dafür bekommt sie vom Land rund 3,24 Millionen Euro erstattet. Im Schnitt, so die Verwaltung, liege der städtische Anteil pro Kind bei rund 270 Euro im Jahr, der Elternanteil bei etwa 720 Euro. Die Eltern müssen nach dem "Neusser Modell" bis zu 100 Euro im Monat hinzuzahlen.

Wellens argumentierte, dass durch einen weiteren Ausbau das Geld an anderer Stelle fehlen würde. Ähnlich wie Wellens äußerte sich Heide Broll, stellvertretende Vorsitzende der FDP-Fraktion: "Man kann sich viel wünschen, aber einer muss bezahlen. Und die Stadt kann es nicht."

Quelle: NGZ
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