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Neuss
Streit um Routen bei Flughafenausbau

Neuss: Streit um Routen bei Flughafenausbau
FOTO: Lufthansa
Neuss. Der Airport Düsseldorf hat Bürgern aus dem Rhein-Kreis seine Pläne für die Kapazitätserweiterung erläutert. Dabei wies Meerbuschs Bürgermeisterin Angelika Mielke-Westerlage auf die Ungleichbehandlung der Städte hin. Von Sebastian Peters und Christoph Kleinau

Der Zuschauerzuspruch war geringer als es sich die Fluglärmgegner aus Meerbusch erhofft hatten: Rund 75 Bürger, darunter sogar auch 15 Flughafenvertreter, besuchten in der Montessori-Gesamtschule Büderich eine zweieinhalbstündige Informationsveranstaltung des Flughafens Düsseldorf. Der hatte die Bürger aller Anrainerkommunen westlich des Airports zu dieser zentralen Veranstaltung eingeladen, um seine Pläne zur Kapazitätserweiterung vorzustellen. Doch zahlreiche Plätze blieben frei.

Der Flughafen will im Kern die Zahl an Flugbewegungen in Spitzenzeiten steigern - von 47 auf 60. Zudem soll die zweite Startbahn flexibler genutzt werden können. Für Kritiker des Ausbaus wie Werner Kindsmüller von der Initiative "Kaarster gegen Fluglärm" heißt das nichts anderes, als den Zweibahnbetrieb zum Normalbetrieb zu machen. Doch Flughafenchef Ludger Dohm versicherte den Bürgern dazu: "Die Nachtflugregelung bleibt erhalten." Das heißt, dass es nach 23 Uhr nur noch in Ausnahmefällen Flugbewegungen geben darf und vor 6 Uhr morgens kein Jet Starterlaubnis erhält.

Welche Chancen hat der Flughafenantrag? Die Grünen im Land haben klar zum Ausdruck gebracht, einer Erweiterung nicht zustimmen zu wollen. Dem haben sich die Neusser Grünen schon voll-inhaltlich angeschlossen. Deren Fraktionsvorsitzender Michael Klinkicht setzt das Thema Flughafenausbau am 23. Juni mit dem Ziel auf die Tagesordnung des Umweltausschusses, dass die Stadt eine klare Position zu diesem Vorhaben bezieht. Und das muss aus seiner Sicht eine kritische sein.

Jetzt setzt der Flughafen offenbar auch auf den Faktor Zeit: "Ein kompliziertes Genehmigungsverfahren kann manchmal Jahre dauern", sagte Ludger Dohm bei der Informationsveranstaltung. Er warb erneut für seine Pläne: Die Passagierzahlen würden um drei Prozent steigen. "Die Nachfrage ist da. Wir können und wollen uns in Düsseldorf nicht von diesem Wachstum abkoppeln." Dohm argumentiert, dass die Lärmbelastung sinke, wenn mehr Flüge genehmigt werden. Durch mehr Start- und Landemöglichkeiten am Tag könnten Verspätungen nachts minimiert werden.

Aus vielen Bürgerbeitragen sprach hingegen das Misstrauen gegen die Pläne. "Salamitaktik" warfen die Bürger den Verantwortlichen des Flughafens vor. Christoph Lange, Sprecher der Meerbuscher Initiative "Bürger gegen Fluglärm, sagte: "Es ist null Vertrauen da."

Meerbuschs Bürgermeisterin Angelika Mielke-Westerlage (CDU) rief zum Protest im Rahmen von Bürgereinwendungen auf. Anders als die Stadt Düsseldorf erhalte Meerbusch keine Gewinnausschüttung, dafür führten aber 70 Prozent der Starts über Meerbuscher Stadtgebiet. Ein Bürger forderte sogar, begleitet von starkem Applaus der Zuhörerschaft, mehr Flugzeuge über die Stadt Düsseldorf fliegen zu lassen. Diesem Argument begegneten die Flughafensprecher mit dem Hinweis, dass in Düsseldorf deutlich mehr Menschen betroffen wären.

Mielke-Westerlage sollte eigentlich durch eine vom Flughafen bezahlte Moderatorin, Petra Vossebürger, interviewt werden. Stattdessen trug die Bürgermeisterin - gewappnet mit Spickzetteln - in einem Vortrag zahlreiche mit Zahlen untermauerte Argumente vor. Sie legte dar, dass 2014 noch 816 Flugzeuge verspätet nach 23 Uhr flogen, im vergangenen Jahr dann schon 1200. Mit den Fluglärmgegnern steht die Verwaltungschefin in engem Dialog. Sie wies auch auf vergangene Streitigkeiten Meerbuschs mit dem Flughafen hin. So habe der Flughafen den Bau einer Seniorenresidenz in Meerbusch verhindert, ebenso hatte die Stadt große Probleme, Container für die OGS an Schulen aufzubauen. Der Flughafen habe dies verhindern wollen. Bedauert wurde die geringe Teilnahme der Bürger - obwohl der Flughafen 160.000 Flyer in der Region verteilt hatte.

Quelle: NGZ
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