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Neuss
Stunker machen eine Reise durch Neuss

Neuss: Stunker machen eine Reise durch Neuss
Die Stunker fahren sich warm: Ensemblemitglieder und Regisseur Martin Maier-Bode (4.v.l), v.l. Carolin Stähler, Jens Spörckmann, Dennis Prang, Martin Maier-Bode, Jens Kipper, Harry Heib, Ilva Melchior. FOTO: Helga Bittner
Neuss. Heute Abend ist Premiere des neuen Stunk vom Theater am Schlachthof in der Wetthalle. Dabei dreht sich vieles um Donald Trump, der auch den Titel vorgibt: "König der Möhnen" - Und täglich bützt das Trumpel-Tier". Von Helga Bittner

Als ganz Deutschland noch gebannt auf Umfragewerte schaute, die Bundestagswahl noch bevorstand, zerbrachen sich die Stunk-Autoren Martin Maier-Bode, Jens Neutag und Sabine Wiegand schon den Kopf über die Zeit danach. Sollten sie die neue Regierung in den Fokus ihrer kabarettistischen Karnevalssitzung im Jahr 2018 stellen? Oder lieber nicht?

"Dass Merkel bleibt, wusste man", sagt Maier-Bode, "aber wie, das wusste man nicht." Also ging das Trio auf Nummer sicher - und ist heute richtig froh darüber. Denn die aktuelle Auflage des Stunk vom Theater am Schlachthof (TaS) unter dem Motto "König der Möhnen - Und täglich bützt das Trumpel-Tier", die heute in der Wetthalle Premiere hat, dreht sich um Donald Trump. Der durfte in der vergangenen Stunk-Sitzung nur eine relativ kleine Rolle spielen, nun läuft er zu großer Form auf.

Als Kabarettist weiß Maier-Bode um das Problem in der Trump-Darstellung. "Es ist nicht einfach, jemanden zu übertreiben, der schon so übetrieben wirkt", sagt er. Immerhin kann sich schon jener eine kleine Vorstellung von dem Ergebnis machen, der Jens Kipper im Stunk 2017 als Trump gesehen hat. Natürlich übernimmt der Schauspieler auch jetzt wieder diese Rolle und gestaltet damit den Rahmen für die Aufführung.

Donald Trump reist nach Neuss, um auf Anraten eines NSA-Beraters (Harry Heib) den Karneval auf Trab zu bringen und damit sein Image als Macher aufzupolieren. "Und was mag diesen machohaften Mann wohl am stärksten begeistern? Natürlich Altweiber!" erklärt Maier-Bode und lacht. Trumps Texte seien einem Menschen angepasst, der "total frauenfeindlich ist und sich nicht scheut, auch andere Regierungschefs anzurempeln", meint Maier-Bode und ergänzt vorsichtig: "Naturgemäß bewegt sich das auch unter der Gürtellinie." Trump-Darsteller Kipper trägt damit auch eine Schwerlast der Aufführung: "Er hat wirklich furchtbar viel zu stemmen", gibt der Regisseur zu. Begleitet wird Trump von seiner Frau Melania (Ilva Melchior), die bei dem Trip auch auf ihr Double trifft: Frau Zwonkowski (Carolin Stähler).

Der "urmännliche, patriarchalische Trump" (Maier-Bode) ziehe prompt die Autokraten dieser Welt an. Also reisen auch Putin, Maduro oder Kim Jong-un aus Russland, Venezuela und Nordkorea nach Neuss. Gemeinsam frönen sie der Frauenfeindlichkeit, treffen auf Vertreter der "#MeToo"-Bewegung, aber machen auch eine Stadtrundfahrt und erfahren einiges über Neusser Knackpunkte.

Damit ersetzt das Autoren-Trio das Duo Sülheim/Schwaderath von der "Rathauskantine", das in den vergangenen Jahren für das kabarettistische Lokalkolorit beim Stunk zuständig war. Ob Verkehrsprobleme, Wohnbebauung, Grünflächenpflege oder "Breuers Handling der Probleme" - alles komme zur Sprache, sagt Maier-Bode, gibt aber im nächsten Moment auch zu, dass es in Neuss an den richtig großen Fettnäpfchen (anders als in Düsseldorf) auch in diesem Jahr fehle. "Deswegen haben wir uns auf kleinere Themen gestürzt."

Gleichwohl hat auch die deutsche Regierung ihren Auftritt, ebenso wie die geplatzte Jamaika-Koalition, "Dieselgate" und Groko. Und Themen wie Paradise-Papers und Katalonien-Konflikt sorgten mit dafür, dass die Fallhöhe bei diesem Stunk recht hoch ist, gibt der Kabarettist zu.

Aber die Konzentration auf die Person des amerikanischen Regierungschefs hat auch dazu geführt, dass die Stunker das Scheitern der Jamaika-Sondierung gelassen sehen konnten. "Natürlich hatten wir dazu schon Texte fertig", gibt Maier-Bode zu, "aber wir mussten nicht so viel ändern."

Mehr als drei Stunden kommen so zusammen, die Sabine Wiegand ("Dat Rosi") mit 16 Songs stützt. Bei ihren Coverversionen sei wieder alles dabei, sagt die Sängerin und Texterin, die von Beginn an zum Stunk-Ensemble gehört, lachend: "Das Schönste vorn gestern, das Modernste von heute und das Tollste von morgen." Dafür habe sie sich auch bei Shirley Bassey oder Michael Bublé bedient und verspricht zudem beim emotionalen Schlusslied Gänsehaut pur. "Ganz anders als 2017", meint sie, mag aber noch nicht mehr verraten. Damals war es "Can't stop the feeling" von Justin Timberlake, aus dem Wiegand "Das ist der Wahnsinn" gemacht hat.

Quelle: NGZ
 
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