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Neuss
Moschee setzt Zeichen gegen Isolation

Tag der offenen Moschee in Neuss-Norf
Moscheeführer Suat Köksall (links) vom türkischen Norfer Kulturverein "Ditib" erklärt einer Besuchergruppe die Innenräume der Moschee. FOTO: anja tinter
Neuss. Rund 150 Bürger blickten beim "Tag der offenen Moschee" hinter die Kulissen des muslimischen Kulturzentrums in Norf. Von Christian Kandzorra

Laute Gebete, beeindruckende Dekorationen, Verbeugungen, Niederwerfungen in Richtung Mekka - das alles konnten die Besucher jetzt beim "Tag der offenen Moschee" in Norf hautnah beim Mittagsgebet erleben. "Ich war noch nie in einer Moschee. Es ist sehr eindrucksvoll, ruhig und beinahe meditativ", erzählt Besucher Harry Knaup von seinen Eindrücken. Der 60-Jährige war am Samstag einer von rund 150 Besuchern, die hinter die Kulissen des muslimischen Kulturzentrums blickten. Sie folgten dem Moscheeführer Suat Köksall vom Norfer Kulturverein "Ditib", der rund 330 Mitglieder zählt. Köksall erklärte ihnen unter anderem die Gebetsnische des Vorbeters, die Predigtkanzel und die verschiedenen Verbeugungen der Gläubigen.

Wie wichtig der "Tag der offenen Moschee" ist, weiß die für Norf zuständige Stadtverordnete Waltraud Beyen (CDU). "Der Moscheeverein setzt damit ein klares Zeichen gegen Isolation." Beyen, die sich seit etlichen Jahren für die Integration ausländischer Bürger im Stadtteil einsetzt, befürchtet, dass die Distanz zwischen den Kulturen immer größer wird. "Das liegt an einer falschen Integrationspolitik", sagt die gläubige Katholikin.

Sie ist so etwas wie ein Bindeglied zwischen dem liberalen türkischen Moscheeverein aus Norf und der Stadt. Laufend informierten sich Menschen über den Islam und die muslimische Glaubenskultur in Norf. "Das ist gerade in diesen Zeiten besonders wichtig", betont die Stadtverordnete. Seit 1997 findet der "Tag der offenen Moschee" bundesweit am Tag der deutschen Einheit statt.

Ein Thema, mit der sich auch der Moscheeverein verstärkt auseinandersetzt, ist der Flüchtlingsstrom, der den Rhein-Kreis und auch den Stadtteil Norf erreicht. Die Moschee soll Anlaufstelle für muslimisch-gläubige Flüchtlinge sein. "Einerseits soll die Gemeinde Ansprechpartner bei Problemen sein. Andererseits soll den Flüchtlingen klar vermittelt werden, dass hier das Grundgesetz gilt", erklärt Waltraud Beyen. Die Flüchtlingshilfe sei zuvor bei einem Treffen des Bundes der muslimischen Gemeinden in Neuss beschlossen worden.

Bereits am vergangenen Freitag hatten Mitglieder des Moscheevereins Flüchtlinge aus dem gesamten Umkreis zum Freitagsgebet begrüßt. "Gerade zum Freitagsgebet ist die Moschee sehr gut besucht. An manchen Tagen beten bis zu 1000 Gläubige mit uns", erzählt Moscheeführer Suat Köksall bei seiner Führung durch die Kulturstätte.

Fünfmal am Tag beten Muslime dort in Richtung des islamischen Wallfahrtsorts Mekka (Saudi Arabien). "Beim Sonnenaufgang, mittags, am späten Nachmittag, abends und nachts", erklärt Köksall, für den es eine große Ehre ist, so viele Interessierte durch die Moschee zu führen. Er sagt: "Ich selbst interessiere mich genauso auch für christliche Kirchen." Besucher Harry Knaup aus Norf, der das Minarett der Moschee von seinem Dachfenster aus sehen kann, ist sich nach der Führung sicher: "Viele haben ein ganz falsches Bild vom islamischen Glauben. Und andersherum wohl auch vom Christentum."

Quelle: NGZ
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