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Neuss
TaS tischt "Wahnsinns-Einheitsbrei" auf

Neuss. Neue Einheit Europas wird in der Rathauskantine geschmiedet. Währung: Neuro und Gnadentaler Von Hansgeorg Marzinkowski

Zum Tag der deutschen Einheit hat sich ausgerechnet die "Rathauskantine", Deutschlands erste Live-Kabarett-Serie im Theater am Schlachthof (TaS), Gedanken zu einer neuen Einheit Europas gemacht. In der 16. Ausgabe des immer ausverkauften Neuss-Kabaretts ging es um Wahnsinns-Einheitsbrei, verfeinert mit geschnetzeltem "Europa".

Dabei hatte dieses Konzept mit Schwierigkeiten zu kämpfen, weil der penible Stamm-Archivar Jens Spörckmann erkrankt war. Zunächst wurde die Premiere verschoben, schließlich sprang Johannes Schwelm, Neusser Nordstadt-Kabarettist und im TaS beileibe kein Unbekannter, ein. Drei Tage reichten natürlich nicht zum Rollen-Studium. Schwelm las daher in seinem breiten rheinischen Dialekt vom Mauskript ab. Das führte zu Pannen, die vom Publikum mit herzlicher Heiterkeit quittiert wurden.

Manche Improvisation wirkte gar wie einstudiert. "Das ist eine andere Textstelle" korrigierte der Hausmeister Jupp Schwaderath und hatte wie immer Recht. "Ich meine, was ich sage!" Mit überbordendem Temperament füllte Dennis Prang die Rolle köstlich aus.

Einen ganz großen Abend hatte Stefanie Otten, die als Controllerin Simone Strack nicht nur glänzend den Hausmeister mit Belegforderungen nervt, sondern in einer Nebenrolle perfekten American Slang serviert und in den beiden Songs (von Sabine Wiegand) einen schönen Sopran singt.

Archivar Sülheim möchte Europa ganz neu aufbauen, natürlich auch mit neuer Währung: 1 Neuro zu 100 Gnadentalern. Europas Keimzelle können dabei die Neusser Partnerstädte sein. Eine Konferenz muss her. Aus Nevsehir (Türkei) reist voreilig der türkische Gesandte schon mal an. Als Gast integriert Aydin Isik kongenial in das Programm.

Der viel beschäftigte Kabarettist, Regisseur und Autor gönnt zudem dem Publikum zwei geistreiche Einlagen aus seinem neuen Soloprogramm "Bevor der Messias kommt". Ein heißes Telefongespräch zwischen Erdi (Erdogan) und Angela (Merkel) führt zu herrlichen Dialogen wie auch der Kindergarten EU: "Maximilian, du bist England, also raus!"

Wie immer spielt Neusser Lokalkolorit eine bedeutende Rolle. Jupp Schwaderath plädiert für eine neue Tradition: "Nie zuvor haben so viele Schützen in Frauenkleidern auf die Festwiese uriniert!" Markus Andrae (Regie) hat zusammen mit Monique Latour und Lena Schuler flott und spritzig inszeniert und Johannes Schwelm geschickt eingebaut. Ein spezieller Genesungsapplaus aber galt zum Schluss Jens Spörckmann.

Quelle: NGZ
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