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Neuss
Tod des tapferen Helfers der Waisenkinder in Rumänien

Neuss: Tod des tapferen Helfers der Waisenkinder in Rumänien
Wolfgang Kriesemer durfte vor einer Woche noch das Ende der Weihnachtsaktion seiner Rumänienhilfe miterleben. Dann starb er. FOTO: woi
Neuss. Neuss trauert um Wolfgang Kriesemer, der nach 1993 die Aktion "Wir helfen Kindern in Rumänien" aufbaute. Von Christoph Kleinau

Von allem hatte Wolfgang Kriesemer in Fülle: Freunde und Unterstützer, Tatkraft und Herzlichkeit, Nächstenliebe und Beharrlichkeit - aber leider auch Krankheit. Seinen größeren und großen Zipperlein stellte er sich mit Humor und Tapferkeit - und in dem Wissen, dass er sie am Ende nicht besiegen kann. Der 78-jährige Tischlermeister im Unruhestand, um den seine Familie in den vergangenen Jahren oft bangen musste, schlief am Donnerstagabend friedlich und für immer ein. Die Beisetzung erfolgt am Freitag, 8. Dezember, auf dem Hauptfriedhof. Zuvor wird um 9.15 Uhr in der St.-Konrad-Kirche Gnadental die Seelenmesse für ihn gelesen.

Kurz nach dem Neusser Schützenfest hatte sich Wolfgang Kriesemer in die Obhut der Neusser Augustinerinnen und in ihr Hospiz am Kloster Immaculata begeben. Sein Ziel aber war von Anfang an, dieses Haus wieder zu verlassen - und sei es nur, um ein letztes Mal beim "Weihnachtspäckchenberg-Besichtigungsfest" dabei zu sein. Dieses Ziel hat er erreicht, als er fast genau eine Woche vor seinem Tod mit Ehefrau Doris und Tochter Uschi über 7000 Päckchen staunen durfte, die inzwischen auf dem Weg zu Kindern und Bedürftigen in Rumänien sind. 22 Mal hatte Kriesemer diesen Transport begleitet und die Verteilung der Liebesgaben vor Ort koordiniert, dieses Mal blieb ihm diese Freude verwehrt. Aber er weiß sein Lebenswerk, die Neusser Initiative "Wir helfen Kindern in Rumänien", in guten Händen. Denn mit Stefan Hüttermann fand sich - wenn auch erst vor drei Monaten - ein Nachfolger, der diese Arbeit fortsetzen wird.

Am Anfang der Neusser Rumänienhilfe stand ein Arbeitsauftrag: Der spätere Ministerpräsident Wolfgang Clement, damals Leiter der Düsseldorfer Staatskanzlei, schickte den Neusser Kriesemer, der seinerzeit die überbetriebliche Lehrwerkstatt der Tischlerinnung Düsseldorf leitete, 1993 im Auftrag des Landes nach Rumänien. Im Kreis Arad sollte er eine Lehrwerkstatt aufbauen. "Kriesemer hat sich in starkem Maße durch das Elend und die tatsächliche Armut bewegen lassen", fasste der stellvertretende Landrat Hans-Ulrich Klose, der Kriesemer Anfang 2015 das Bundesverdienstkreuz aushändigen durfte, zusammen, was dann folgte: Der Aufbau eines Netzwerkes der Hilfe, das im Kreis Arad auch Häuser baute, in denen Waisenkinder mit Pflegeltern Familie (er)leben durften. Dass Hilfe aus Deutschland weiter Not tut, war Kriesemers Überzeugung nach jeder seiner Reisen - und dieses Bewusstsein trieb ihn weiter an. Bis zuletzt. In der Kleinstadt Santana (St. Anna) in West-Rumänien hat man ihn in Dankbarkeit zum Ehrenbürger gemacht. In Neuss jedoch musste er mehr als einmal bangen und betteln, um einen Ort zu finden, an dem die Hilfsgüter bis zum Transport nach Rumänien gelagert werden können - oder um das Benzingeld zusammen zu bekommen.

Quelle: NGZ
 
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