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Neuss
Tosender Beifall für junge Pianistem

Neuss. Das "Jüngst"-Zeughauskonzert sollte eine Fortsetzung haben. Von Heide Oehmen

Ein Novum innerhalb der Zeughauskonzerte erwies sich gleich bei der Premiere als zündende, bestens angenommene Idee. Hinter dem Titel "Jüngst-Meisterkonzert" verbargen sich wahrlich meisterliche Vorträge einiger Jungstudenten aus der Klavierklasse von Barbara Szczepanska. Was alle sechs Eleven der Professorin an der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf auszeichnete, war ihr ruhiges, ungekünsteltes Auftreten, frei von jeglichem Drill. Selbst die Jüngsten vergaßen nicht, sich vor dem ersten Ton ihrer Vorträge zu sammeln und sich Zeit zu lassen. Das sind untrügliche Zeichen eines auch unter menschlichen Aspekten optimalen Unterrichts der Musikprofessorin.

Beginnen wir mit der erst elfjährigen, noch kindlichen und unbeschwerten Victoria Wachenfeld. In völligem Gegensatz zu diesem äußeren Eindruck wirkte der Walzer op.69 Nr.2 von Frédéric Chopin, dem das anfangs in Neuss bei seiner Großmutter, der Pianistin Kristin Wachenfeld, ausgebildete Mädchen erstaunliche Einfühlsamkeit und beachtliche Brillanz schenkte.

Als "Hahn im Korb" unter fünf jungen Damen wird sich der 2002 in Köln geborene Arthur Zimmermann -der jüngere Sohn des weltberühmten Geigers Frank Peter Zimmermann - gefühlt haben. Mit festem, musikantischem Zugriff und ausgefeilter Technik gab er dem Chopin-Scherzo b-Moll op.31 klare Struktur und dank feurig drängender Akkordfolgen in der Stretta einen wirkungsvollen Schluss.

Vanessa Tao Huang, mit 19 Jahren die "Seniorin" unter den Jungstudenten, hatte sich ebenfalls für Chopin entschieden. Der ausladenden und in jeder Weise anspruchsvollen Ballade f-Moll op.52, der eine litauische Sage zugrunde liegt, wurde sie mit viel Einfühlungsvermögen und hoher Spielkultur gerecht.

Bei Lisa Zhu waren die "Estampes = Tonstiche" von Claude Debussy in besten Händen. Die erst 14-jährige Pianistin scheint mit ausgeprägter Intuition begabt zu sein, sonst hätte ihre Interpretation des schwierigen dreiteiligen Tongemäldes, das von fernöstlicher wie von spanischer Musik beeinflusst ist, nicht derart fesseln können.

Bei den Geschwistern Yumeka (14)und Yuna (16) Nakagawa waren interessante Parallelen festzustellen. Während die Haydn-Sonate e-Moll HOB.XVI:34 für die Jüngere und das "Allegro con brio" aus Beethovens "Waldsteinsonate" für die Ältere trotz hoher interpretatorischer Güte eher wie die "Pflicht" erschienen, waren bei Yumeka die Ungarische Rhapsodie Nr.2 von Franz Liszt und bei Yuna die vom Jazz beeinflussten Variationen op.41 von Nikolai Kapustin (geb.1937) eindeutig die "Kür". Wobei beide mit atemraubendem Können und bemüht gezügeltem Temperament ein pianistisches Feuerwerk zündeten.

Ein von Beifall umtoster Abend, der hoffentlich eine Fortsetzung findet!

Quelle: NGZ
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