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Tour de Neuss 2016
Nach der Tour ist immer gleich vor der Tour

Tour de Neuss 2016: Nach der Tour ist immer gleich vor der Tour
Vor dreieinhalb Wochen startete Emanuel Buchmann (vordere Reihe Mitte) in die Tour de France, die er als 21. beendete. FOTO: ap
Neuss. Am Sonntag beendete Emanuel Buchmann die Tour de France als bester Deutscher auf Rang 21, am Mittwoch startet er bei der Tour de Neuss Von Volker Koch

Bei Andreas Kappes stand am Dienstag das Telefon nicht still. "Das ist in den letzten Tagen vor einem Rennen immer so", sagt der einstige Sechstage-König, der sich seit mehr als einem Jahrzehnt als Sportlicher Leiter um die Fahrerverpflichtungen für die Tour de Neuss kümmert.

Die wichtigste Erkenntnis aus den vielen Telefonaten: Von den sechs Tour-de-Frane-Teilnehmern, die morgen um 19.15 Uhr auf der Kaiser-Friedrich-Straße an der Startlinie stehen sollen, hat keiner abgesagt. Im Gegenteil: Kappes klingt optimistisch, für die 15. Auflage der "Tour nach der Tour" noch ein Ass aus dem Ärmel ziehen zu können.

NRV-Chef Stephan Hilgers und Geschäftsführer Heinz Hegger warteten auf ihn am Mont Ventoux. FOTO: dpa/-woi

Ein bisschen Geld hat der 50-Jährige, der in seiner aktiven Laufbahn 24 Sechstagerennen gewann und 94 Siege auf der Straße feierte, darunter eine Etappe des Giro d'Italia, zwei bei Paris-Nizza und eine der Deutschland-Tour, noch dafür noch übrig. "Es sagen immer ein paar Fahrer ab, dafür hat man andere in der Hinterhand", erläutert Kappes das Geschäft. Absagen gab es vom Düsseldorfer Ruben Zepuntke (Team Cannondale) und von Michael Schwarzmann, der von seinem Team Bora-Argon 18 keine Freigabe für das morgige Rennen bekam.

"Es genügt ja nicht, dass der Fahrer sagt: Okay, ich komme für die Summe x", verrät Kappes, "er muss auch immer die Freigabe seines Teamchefs haben." Und die haben mitunter andere Pläne als die Fahrer selbst. Profis zu finden, die bereit sind, die 80 Runden durch die Neusser Innenstadt in Angriff zu nehmen, sei nicht das Problem: "Die kommen alle gerne nach Neuss, die Tour hat einen guten Ruf", sagt der Sportliche Leiter.

Tour de Neuss 2016 - das müssen Sie wissen

Das Problem sei eher, sie zu bezahlen. Zwischen 25- und 30.000 Euro stehen für das 45-köpfige Feld zur Verfügung, ungefähr noch einmal so hoch ist der gesamte Veranstaltungsetat. "Jeder Cent, den wir einnehmen, fließt direkt in die Veranstaltung", darauf ist Stephan Hilgers, der Vorsitzende des ausrichtenden Neusser Radfahrervereins (NRV), besonders stolz. Der Inhaber mehrerer Gartenbaubetriebe sagt aber auch ganz deutlich: "Der Etat muss eingehalten werden, egal, wer bei uns fahren möchte."

Fünfstellige Antrittsgagen wie zu den "großen" Zeiten eines Erik Zabel oder Jens Voigt, kann sich der NRV nicht (mehr) leisten - wie alle Neusser Sportvereine tut er sich schwer, größere Sponsoren zu finden. "Wir leben von den kleinen und mittleren", sagt der fürs Marketing zuständige NRV-Vize Barthel Winands. Zwei- bis zweieinhalb Tausend Euro, mehr sind in den gut anderthalb Stunden, die das Hauptrennen um den "Großen Preis des Skg-Getränkehandels" dauert, nicht zu verdienen für die Fahrer - auch nicht für die, die geradewegs aus der Tour de France kommen.

In Relation dazu sei die sportliche Qualität des von ihm zusammen gestellten Starterfeldes "außerordentlich gut", findet Andreas Kappes. Immerhin kommt morgen in Gestalt von Emanuel Buchmann der beste deutsche Tour-Fahrer nach Neuss. Der 23 Jahre alte Ravensburger im Dress des Team Bora-Argon 18 beendete am Sonntag die 3535 Kilometer lange "Große Schleife" auf Rang 21 des Gesamtklassements, mit 47:40 Minuten Rückstand auf Sieger Christopher Froome. Das brachte ihm Rang drei im Kampf um das weiße Trikot für den besten Nachwuchsfahrer, den der Gesamtvierte Adam Yates (Großbritannien) für sich entschied.

Buchmann, auch für das olympische Straßenrennen in Rio de Janeiro nominiert, bringt seine Teamkollegen Paul Voss, den Vorjahressieger der Tour de Neuss, und Andreas Schillinger (Sieger 2014) mit, die die Tour de France auf den Plätzen 101 und 154 beendeten. Vom Team Lotto NL-Jumbo kommen Paul Martens (98.) und Robert Wagner (163.), der Luxemburger Ben Gastauer (Team AG2R La Mondiale), im Tour-Gesamtklassement auf Rang 61 gelistet, komplettiert das Sextett.

Zu dem sich am Mittwochabend vielleicht noch ein siebter Fahrer hinzu gesellt - wofür hat Andreas Kappes schließlich ein Telefon...

Quelle: NGZ
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