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Neuss
Trainingsort nicht nur für gehörlose Sportler

Neuss: Trainingsort nicht nur für gehörlose Sportler
Wolfgang Michalsky ist seit 23 Jahren Platzwart auf der Wolker-Sportanlage. Den Trainingsparcours für Gehörlose macht er nicht nur von Blättern frei. FOTO: woi
Neuss. Die DJK Rheinkraft hat die Ludwig-Wolker-Sportanlage um einen Gehörlosen-Parcours erweitert. Der ist fertig, doch wurde die für morgen geplante Eröffnung ins Frühjahr verschoben. Von Christoph Kleinau

Morgen kommt der TÜV zur Ludwig-Wolker-Sportanlage. Sein Interesse gilt aber weniger der überdachten Tribüne oder der Kunststoffbahn als vielmehr dem neuen Gehörlosen-Parcours. Der sei fertig und im Prinzip benutzbar, berichtet Guido Kluth, der als Vorsitzender der DJK Rheinkraft dieses Sportangebot besonders forciert hat. Doch die für morgen geplante Eröffnung hat er abgeblasen und auf das Frühjahr verschoben. Dann, so erklärt er, ist nicht nur die noch fehlende optische Startanlage installiert, sondern das Wetter auch schöner.

In der Sportverwaltung ist das Zusatzangebot im ersten echten Leichtathletikzentrum der Stadt hochwillkommen. Denn etwas Vergleichbares dazu gibt es in Neuss nicht. Nein, sogar bundesweit ist der Parcours, der den Gleichgewichtssinn schult und die Haltemuskulatur trainiert, ohne Beispiel.

Die Notwendigkeit für ein solches Angebot ergibt sich aus der Tatsache, dass Gehörlose nicht nur taub sind, sondern - da das Ohr auch Lagesinnesorgan ist - durch ihre Hörbehinderung bedingt auch einen stark beeinträchtigten Gleichgewichtssinn haben

Gedacht und gemacht ist die Trainingsstrecke in erster Linie also für Gehörlose und inklusive Gruppen. Die Stadt wird aber mit der DJK Rheinkraft einen Vertrag abschließen, der regelt, dass - nach entsprechender Einweisung der Lehrer und Übungsleiter durch den Verein - auch andere Vereine und Schulklassen diesen Teil der Wolker-Sportanlage nutzen können. Sozusagen im Gegenzug wird die Stadt Pflege und Unterhalt des Parcours übernehmen, kündigt Sportdezernent Matthias Welpmann in einem Sachstandsbericht an, der heute im Sportausschuss vorgelegt wird.

Der Vertrag ist nötig, weil der Parcours kein städtisches Eigentum ist, sondern nur der Initiative der DJK Rheinkraft zu verdanken ist. Die Stadt zahlte einen Zuschuss zum Kauf der Sportgeräte, den Löwenanteil der 130.000 Euro Bau- und Planungskosten schulterte der Verein. Aber nicht alleine. Mehrere Stiftungen wie die Aktion Mensch oder aber die Stiftung Wohlfahrtspflege NRW gaben Geld dazu, andere Partner halfen mit Sachleistungen.

So zum Beispiel die auch in Neuss ansässige und auf den Stahltransport spezialisierte Spedition Rheinkraft International. Der Logistiker half dem Sportverein gleichen Namens beim Transport der schweren und sperrigen Sportgeräte, die von Teltow bei Berlin aus, aber zum Teil auch nur von Kaarst nach Neuss transportiert werden mussten. "Wir wollten aktiv helfen", sagt Rheinkraft-Vertriebsleiter Christian Döring. Und Guido Kluth vom "Namensvetter" DJK nahm das gerne an: "Das spart uns Frachtkosten im vierstelligen Bereich", sagt er.

Der Parcours führt nun über zehn Trainingsstationen, die mit einer Kugelstoßanlage starten. Gleichgewichtsplatte, Wackelscheibe, Rücken- und Bauchmuskelbank oder eine Hindernisbahn mit natürlichen Hürden gehören ebenso dazu wie ein Balancierseil. Das zumindest hat Platzwart Wolfgang Michalsky schon ausprobiert: "Zweidrittel der Strecke habe ich geschafft."

Quelle: NGZ
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