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Neuss
Trotz Behinderung zurück in den Job

Neuss: Trotz Behinderung zurück in den Job
Jürgen Butkereit an seinem Arbeitsplatz bei der LPR Logistik in Neuss: Er kümmert sich um die Ablage in der Buchhaltung, Internetrecherchen und die Auftragsbearbeitung in der Logistik-Abteilung. FOTO: Andreas Woitschützke
Neuss. Mit dem Internationalen Tag der Menschen mit Behinderung wollen die Vereinten Nationen auf Probleme von Menschen mit Behinderung aufmerksam machen. Jürgen Butkereit kennt diese sehr gut - und hat sie überwunden. Von Bärbel Broer

Wer mit einem Handicap leben muss, hat nicht nur mit Barrieren im Alltag zu kämpfen. Oft schließt eine Behinderung die Betroffenen auch vom Arbeitsmarkt aus. Das musste auch Jürgen Butkereit (46) vor fast zehn Jahren erfahren, als er plötzlich halbseitig gelähmt war.

Jürgen Butkereit war zwar mit einem Herzfehler geboren worden, doch bis zu seinem 37. Geburtstag hatte er keinerlei Beeinträchtigungen. "Ich wusste zwar, das ich irgendwann eine neue Herzklappe bekommen müsste, doch bis 2007 war ich putzmunter ", erzählt er. Der gebürtige Kleinenbroicher arbeitete als Fahrer bei einem Schwesterunternehmen der Neusser LPR Logistik, hatte seine eigene Wohnung, war zufrieden. "Doch dann ging es mir plötzlich rapide schlechter", so Butkereit. Eine Herz-OP wurde notwendig. Dabei gab es Komplikationen: Butkereits rechte Körperhälfte ist seitdem gelähmt, das Sprachzentrum gestört. Der junge Mann konnte sich zunächst nur noch im Rollstuhl fortbewegen, nicht mehr arbeiten und musste wieder bei seinen Eltern einziehen.

Aber er kämpfte sich wieder zurück ins Leben. "Ich wollte unbedingt wieder arbeiten", sagt er. Nach der Reha fing er 2008 bei der Werkstatt für Menschen mit Behinderung (WFB) Hemmerden an. "Ich habe in der Druckerei gearbeitet - alles, was mit einer Hand zu bewerkstelligen ist", erzählt er.

Obwohl er eigentlich Rechtshänder ist, hat er sich eine beachtliche Fertigkeit mit der linken Hand antrainiert. Butkereit ist stolz darauf: "Was andere manchmal mit zwei Händen nicht gebacken kriegen, schaffe ich mit links." Er hat viel an sich gearbeitet, mittlerweile kann er wieder laufen und auch seine Sprache ist zwar zögerlich, aber gut verständlich. So kämpferisch zeigte er sich auch bei der Wiedereingliederung ins Arbeitsleben.

Immer wieder suchte er seine alte Arbeitsstätte auf, sprach mit Kollegen und Vorgesetzten: "Ich wollte in Erinnerung bringen, dass wieder mit mir zu rechnen ist." Über die Möglichkeit der Betriebsintegrierten Außenarbeitsplätze (BiAP) ist er diesem Ziel ein ganzes Stück näher gekommen. Denn seit September ist er wieder bei seinem alten Arbeitgeber, beschäftigt. Nicht als Fahrer, sondern in der Verwaltung. Nicht als Angestellter der LPR, sondern als Mitarbeiter der WFB Hemmerden. Zunächst konnte Simone Engels, in der LPR-Geschäftsführung für Finanzen und Personal zuständig, ihm nur ein Praktikum anbieten. "Ich habe bei allen Abteilungen abgefragt, was wir für Aufgaben für ihn finden können", erzählt sie. Heute tourt der 46-Jährige täglich durch die Firma. In der Buchhaltung macht er die Ablage, für andere Bereiche Internetrecherchen, in der Logistik kümmert er sich um die Auftragsbearbeitung und -dokumentation.

"Er hat sich sehr schnell eingelebt und immens viel Ehrgeiz und Energie gezeigt", so Engels, die ihm einen Jahresvertrag bei der LPR ermöglichte. Einen Arbeitsplatz mit vollem Gehalt hätte die LPR nicht schaffen können, gibt sie zu. Aber durch die BiAP-Maßnahme war es möglich, eine Stelle für ihn zu schaffen. Das Unternehmen komme seiner sozialen Verantwortung nach, so Engels. Und Butkereit fühlt sich wohl bei seinem alten Arbeitgeber.

Quelle: NGZ
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