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Neuss
Zeugen: McDonald’s-Täter wirkten nicht wie unter Drogen

Überfall auf McDonalds in Neuss: Täter wirkten nicht wie unter Drogen
Die zwei Angeklagten beim Prozessauftakt (Archiv). FOTO: lai
Neuss. Die zwei Mitarbeiter, die ihren eigenen McDonald's-Laden überfallen haben, behaupteten vor Gericht, bei der Tat von Drogen beeinflusst gewesen zu sein. Davon merkten die Opfer nichts.  Von Susanne Genath

Eins wurde Dienstag vor dem Landgericht in Düsseldorf klar: Den Überfall auf die McDonald's-Filiale an der Moselstraße hätte den zwei 23 und 25 Jahre alten Angeklagten wohl keiner der übrigen Mitarbeiter zugetraut. "Ich hatte auf der Arbeit viel Spaß mit ihnen", sagte ein 22-jähriger Neusser Student, der zu dem Zeitpunkt bei dem Schnellrestaurant gejobbt hatte, in Richtung Anklagebank und erntete dort nickende Zustimmung. "Ich habe auch keine Indizien, dass sie es waren. Die Täter waren ja mit Mütze und dunkler Sonnenbrille vermummt und haben nicht gesprochen." Das sahen die anderen beiden Beschäftigten, die während des nächtlichen Überfalls am 26. August 2014 an der Moselstraße im Dienst waren, genauso.

Während der 22-jährige Neusser von einem der Täter mit einer Waffe in die Ecke eines Lagerraums gedrängt wurde und von dort aus nur wenig von dem Geschehen mitbekam, stand der damalige Schichtführer im Mittelpunkt des Überfalls. Unter Vorhalt einer Pistole forderte ihn einer der Täter auf, den Tresor zu öffnen. "Ich dachte: Jetzt wird er mich abknallen. Ich wusste ja, dass er nicht viel erbeuten konnte", erzählte der heute 26-jährige Mönchengladbacher. Weil an dem verregneten Abend kaum Kunden kamen, habe er schon früh das Geld gezählt und verplompt. So seien nur noch knapp 1500 Euro im Tresor gewesen anstatt der gesamten Tageseinnahmen von etwa 8000 Euro.

Die Filiale der Fast-Food-Kette an der Moselstraße wurde innerhalb von sechs Monaten gleich zweimal Tatort eines Überfalls. Einer von ihnen wird nun vor dem Landgericht Düsseldorf verhandelt. FOTO: Andreas Woitschützke

Dass der 25-jährige Angeklagte, wie von ihm zu Prozessbeginn kundgetan, unter Drogen gestanden habe, kann der damalige Schichtführer nicht bestätigen. "Sein Verhalten war strukturiert und zielgerichtet", sagte er. Er habe zwar gehört, dass die Angeklagten und weitere Kollegen Cannabis und Amphetamine genommen hätten. "Gesehen habe ich das aber nie." Auch auf einen weiteren Kollegen (42), der aus dem Umkleideraum gekommen war und den Überfall zunächst für einen Scherz hielt, machten die Täter keinen von Drogen berauschten Eindruck.

Alle drei Zeugen arbeiten nicht mehr bei McDonald's. Zwei orientierten sich um. Der Schichtführer erlitt einen Schock und verlor nach eigenen Angaben seinen Job.

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