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Neuss
Überlegene Interpretation von Beethoven

Neuss: Überlegene Interpretation von Beethoven
Die Pianistin Ottavia Maria Maceratini hat schon bei einem Staatsempfang von Bundespräsident Joachim Gauck gespielt. FOTO: pro Classics
Neuss. Die Pianistin Ottavia Maria Maceratini spielte in der Kammerakademie das Konzert Nr. 1 C-Dur. Von Heide Oehmen

"Ohne Dissonanz keine Harmonie" hatte die Deutsche Kammerakademie Neuss (DKN) ihr zweites Abonnementskonzert benannt. Doch in dem animierenden Programm, dem die Zuhörergemeinde im fast lückenlos besetzten Zeughaus gerne lauschte, gab es – abgesehen von der ausgedehnten Einleitung des abschließenden "Dissonanzen-Quartetts" von Wolfgang Amadeus Mozart – recht wenige Querstände.

Ein erst 1948 in New York uraufgeführtes Frühwerk von Franz Schubert, die "Ouvertüre für Streichquintett" des damals 14-jährigen Stipendiaten des Stadtkonvikts in Wien, stand am Anfang. Getreu der Aufführungspraxis der damaligen Zeit erklang das noch hörbar von Mozart beeinflusste Werk in einer Streichorchester-Version. Den wie stets spielfreudigen Streichern der DKN entlockte ihr Künstlerischer Leiter Lavard Skou Larsen die der Komposition (trotz der tragischen Tonart c-Moll) innewohnende jugendliche Frische.

Das Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 C-Dur schrieb Ludwig van Beethoven nach seinem als Nr. 2 B-Dur in die Annalen eingegangenen Werk für diese Besetzung. Bei beiden ist der Solopart äußerst anspruchsvoll, da der als glänzender Pianist in Wien reüssierende Komponist ihn jeweils für sich selbst vorgesehen hatte. Solchen Ansprüchen genügte die Italienerin Ottavia Maria Maceratini (27), die in Italien und München studierte, in hohem Maße. Die hübsche Blondine mit dem im Vergleich zu den eleganten Abendroben der Instrumentalistinnen recht sportiven Outfit, zeigte sich den technischen wie den interpretatorischen Anforderungen mit Überlegenheit und Ruhe gewachsen. Ihr Spiel ist brillant, flexibel und glücklicherweise frei von Mätzchen.

Aus den drei vorhandenen Originalkadenzen zum ersten Satz hatte sie vermutlich die Umfangreichste ausgesucht. Hier wusste sie virtuos zu glänzen. Gesammelt und mit blühender Klangintensität ging die Künstlerin das melodienselige Largo in weichem As-Dur an, auch hier von den einfühlsamen Streichern behutsam und expressiv getragen. Lediglich das abschließende Rondo litt ein wenig unter einem allzu gehetzten Tempo, was auch bei der Pianistin zu ein paar Stolperfallen führte. Dennoch großer Beifall und eine Zugabe.

Wie bei Beethoven erklang auch das schon erwähnte Streichquartett C-Dur KV 465 von Mozart in einer Fassung für Streichorchester. In diesem letzten der sechs Joseph Haydn gewidmeten Tongemälde konnten die mit edler Tongebung musizierenden Instrumentalisten – von Skou Larsen temperamentvoll inspiriert – vollauf überzeugen. Es war eine großartige Wiedergabe dieser kostbaren Komposition und vom Publikum wurde das entsprechend honoriert.

Quelle: NGZ
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