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Neuss
Umstrittener DJK-Trainer fährt nicht mit zur Gehörlosen-EM

Neuss. Der Trainer der DJK Rheinkraft, gegen den 2015 ein Ermittlungserfahren wegen sexueller Belästigung nach Zahlung einer Geldstrafe eingestellt wurde, zieht sich vorerst als Bundestrainer des Deutschen Gehörlosen-Sportverbandes (DGS) zurück.

Petra Brandt, beim DGS Beauftragte für Präventionsarbeit Sexualisierte Gewalt im Sport, erklärte im Gespräch mit unserer Redaktion, dass man telefonischen Kontakt zu dem Trainer gehabt habe und er "aus persönlichen Gründen" nicht bei der anstehenden Europameisterschaft der Gehörlosen als Coach zur Verfügung stehe.

Nach Informationen unserer Redaktion soll es heute zu einer erweiterten Vorstandssitzung kommen, bei der auch Vertreter der Fußballabteilung anwesend sein sollen, um die Vorfälle gemeinsam zu besprechen. Beim Bundesverband der DJK hält man sich bedeckt. "Wir möchten erst alle Seiten anhören, bevor wir uns ein Urteil bilden", sagte die Präsidentin Elisabeth Beha auf Nachfrage.

Zum Hintergrund: Der Verein hatte Hausverbot gegen Maximilian Rhine-Gritz - ein anderer Trainer - und seine Tochter Isabelle sowie Alexandra Selzer ausgesprochen. Allen drei war vom Verein eine "Vereinbarung" zugestellt worden. Darin sollen sie dieses "Hausverbot" per Unterschrift bestätigen und "zukünftig über die Gründe für dieses Hausverbot Stillschweigen" bewahren. Das gelte auch für das "Verbreitenlassen dieser Gründe durch Dritte". Ihnen wird "Erpressung" vorgeworfen. Die Betroffenen sprechen jedoch von einer "Retourkutsche", da sie sich nur für ein Mädchen einsetzen wollten, das von einem Trainer sexuell belästigt worden sein soll.

Im Gespräch mit dem Vorstand hätten Rhine-Gritz und Co gefordert, dass der Trainer, dem die Übergriffe vorgeworfen wurden, keine Trainingsgruppe mehr leiten soll, sonst würden sie sich an die Öffentlichkeit wenden. Bei der Mitgliederversammlung am Freitag kochten die Emotionen hoch. Unter anderem erklärte Selzer ihren Vereinsaustritt. Zuvor hatte Thomas Liebrand, Vater einer Sportlerin, die Mitglieder auf dem Parkplatz der Anlage zusammengerufen, um sie über den Fall zu informieren. Zu der Wahl eines Abteilungsleiters und Stellvertreters kam es nicht.

(jasi)
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