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Neuss
Uneins über mögliche Präsenz der Polizei

NGZ-Sofa mit den Landratskandidaten
NGZ-Sofa mit den Landratskandidaten FOTO: Woi
Neuss. Auf dem blauen NGZ-Sofa diskutierten die beiden Kontrahenten um das Landratsamt, Hans-Jürgen Petrauschke (CDU) und Hans Christian Markert (Grüne), über ihre Pläne. Sie gingen dabei nicht zimperlich miteinander um. Von Dagmar Fischbach

Knapp drei Wochen noch, dann wird der Landrat für den Rhein-Kreis gewählt. Amtsinhaber Hans-Jürgen Petrauschke (CDU) möchte gern auf seinem Stuhl bleiben. Hans Christian Markert will das ändern. Er tritt für SPD, Grüne, Linke, Piraten und Die Aktive bei der Wahl an. Auf dem blauen NGZ-Sofa stellten sich die beiden Bewerber, deren Organisationen die meisten Mitglieder haben, gestern den Fragen von NGZ-Redaktionsleiter Ludger Baten und seinem Stellvertreter Frank Kirschstein. Mehr als zwei Stunden lang war der NGZ-Talk mit einem Spezial zur Landrats-Wahl in der gut gefüllten Pegelbar am Neusser Hafen zu Gast.

Zimperlich gingen die beiden gelernten Juristen bei der Diskussion nicht miteinander um. Auch wenn sie sich bei der Frage, wozu es überhaupt einer Kreisverwaltung bedarf, noch einig waren: Bei vielen Einrichtungen wie Gesundheits- oder Straßenverkehrsamt, der sozialen Versorgung und der Sicherheit sei es sinnvoll, sie einheitlich zu regeln - auch aus Gründen der Wirtschaftlichkeit.

Doch dann war es schnell vorbei mit der Einigkeit der beiden Landrats-Kandidaten. Markert warf seinem Kontrahenten vor, beim Thema Kreisumlage schönzurechnen. "Es ist falsch, dass die Kreisumlage 2014 gesunken ist. Tatsächlich haben Städte und Gemeinden im vergangenen Jahr 8,5 Millionen Euro mehr bezahlt", sagte er. Petrauschke verteidigte: "Jetzt sind Sie in die Falle getappt. Wir haben den Prozentsatz gesenkt", betonte der Landrat. Für Markert ist das Augenwischerei. Seiner Ansicht nach hätte der Rhein-Kreis schon vor Jahren seine RWE-Aktien verkaufen und das Geld in den Haushalt einbringen sollen. Davon hätten alle Städte und Gemeinden über eine niedrigere Kreisumlage profitieren können.

Doch Petrauschke ließ den Vorwurf nicht gelten: "Wir haben die RWE-Aktien dem Seniorenhaus Lindenhof übertragen, um dessen Fortbestand zu sichern. Davon haben auch alle profitiert, denn wir haben wegen der Gemeinnützigkeit der Anlage die Dividende nicht versteuern müssen", konterte er.

Geld in die Kasse - das bringen auch die Unternehmen im Rhein-Kreis. "Wir müssen dafür sorgen, dass sich junge, innovative Unternehmen bei uns ansiedeln, und sollten uns mit stabilen Energie- und Rohstoffpreisen als Wirtschaftsstandort langfristig attraktiv machen", sagt Markert. Hans-Jürgen Petrauschke konterte: "Das kommt mir sehr bekannt vor. Ich frage mich, warum man eine Kopie wählen soll, wenn man das Original haben kann."

Der Rhein-Kreis müsse sich weiter für eine solide Ausbildung einsetzen und damit die Basis dafür schaffen, dass Menschen ihren Lebensunterhalt verdienen können. Jugendliche sollten nicht in die Arbeitslosigkeit entlassen werden. Der dualen Ausbildung müsse wieder größerer Wert beigemessen und Berufsbildungszentren ausgebaut werden. So wie es der Rhein-Kreis mit der Kreishandwerkerschaft derzeit in Grevenbroich täte, sagte Petrauschke. Für Markert greift das allein zu kurz. "Wir müssen uns auch um die Langzeitarbeitslosen kümmern und etwa Industriepatenschaften und Qualifizierungsmaßnahme fördern, um Menschen über 50 Jahren wieder in Arbeit zu bringen. Denn die Arbeitslosenzahlen sinken zwar, die Zahl der Langzeitarbeitslosen stagniert aber seit Jahren", erklärte er.

Sehr konträr waren auch die Herangehensweisen der beiden beim Thema Innere Sicherheit. Markert möchte die Polizeiarbeit verändern und sich für mehr Präsenz der Beamten in Städten und Gemeinden stark machen. "Statt für Nichtigkeiten riesige Papierberge ausfüllen zu müssen, soll unsere Polizei besser fünf Stunden pro Woche als Ansprechpartner auf der Straße unterwegs sein. Das wünschen sich die Bürger, und es erhöht das Sicherheitsgefühl - übrigens werde ich als Bürger-Landrat auch fünf Stunden pro Woche zwischen den Menschen unterwegs sein", versprach er. Petrauschke hält das Modell für wenig realistisch: "Unsere Polizei macht jetzt einen richtig guten Job und ist komplett ausgelastet."

Relative Einigkeit herrschte dann wieder beim Thema Leben im Alter: Die Zahl der Pflegebetten sei völlig ausreichend, für weitere Einrichtungen gäbe es keinen Bedarf. "Statt Altenheimen brauchen wir Quartiersentwicklung. Wir müssen den Menschen ermöglichen, dort alt zu werden, wo sie schon immer gelebt haben und etwa in Barrierefreiheit investieren", erklärte Markert.

Quelle: NGZ
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