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Neuss
Unternehmen setzen auf externes Coaching

Neuss. Bärbel E. Kohler ist seit zehn Jahren als Personal-Coach selbstständig. Ein Erfahrungsbericht. Von Frank Kirschstein

Mitarbeiter oder Führungskräfte, die Probleme im beruflichen Alltag mit professioneller Hilfe lösen, sind Vorbild - und kein Fall für einen Therapeuten. Eine Selbstverständlichkeit? Gut. Das war allerdings nicht immer so. Wenn Bärbel E. Kohler an ihren Start als selbstständiger Personal-Coach und Business-Trainerin vor zehn Jahren denkt, fallen ihr ganz andere Reaktionen ein. "Coaching wurde mit Behandlung beim Psychiater gleichgesetzt und als Zeichen von Schwäche gewertet", sagt die Neusserin, die früher bei der Agentur für Arbeit beschäftigt war und sich im Dezember 2005 als erste Mieterin im damals neu eingerichteten Business-Center des Rhein-Kreises an der Königstraße selbstständig gemacht hat.

Kohlers Erfahrung: "Der Umgang mit Coaching in deutschen Unternehmen hat sich verändert." Auch große Firmen, die lange versucht hätten, Probleme, zum Beispiel in der Kommunikation zwischen Führungskräften und Mitarbeitern, selbst zu lösen, seien inzwischen viel eher bereit, professionelle, externe Hilfe in Anspruch zu nehmen. "Der Versuch, Vorgesetzte selbst zum Coach zu machen, scheitert zwangsläufig: Da es Hierarchien und Abhängigkeiten gibt, ist es schwierig, das nötige Vertrauen aufzubauen", sagt Kohler, die inzwischen mit ihrem Büro an der Quirinusstraße arbeitet.

Manche Themen in der Beratung brauchen offenbar Zeit, bis sie richtig wahrgenommen werden. Bärbel Kohler nennt als Beispiel das Thema Resilienz. Die Fähigkeit, Krisen zu bewältigen und als Chance für Entwicklung zu nutzen, ist heute, in einer Zeit, da Erkrankungen wie Burn-out für die Wirtschaft zum Problem werden, ein Riesen-Thema. "Vor zehn Jahren gab es dazu bei einer Online-Recherche keine 2000 Treffer, heute sind es Millionen", sagt Kohler, die nicht nur Resilienztrainings, sondern Workshops, Seminare und Beratung zu Themen wie Mitarbeiterführung, Kommunikation, Potenzialanalyse oder - speziell für Frauen - Wiedereinstieg in den Beruf im Programm hat. Mit ihrer Potenzialanalyse setzt sie übrigens schon früh an, weit bevor Berufstätige, so die Erfahrung der Industriekauffrau, die Betriebswirtschaft und Ingenieurökonomie studiert und dann eine Ausbildung zum Personal-Coach gemacht hat, oft erst nach Jahrzehnten merken, dass sie in einem Beruf arbeiten, in dem sie weder ihre Potenziale entfalten, noch glücklich leben können. Kohler hat deshalb auch ein Programm für eine "Ganzheitliche Studienberatung" entwickelt.

Schulabgänger oder Studenten, die sich mit dem Gedanken tragen, abzubrechen, begleitet sie auf dem Weg ins Ausbildungs- und Berufsleben. Auch für die Neusser Initiative Kompass D, die sich um Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt bemüht, ist sie tätig - offenbar mit Erfolg und jetzt mit Partnern in der Region: Seit Januar gehört sie zu den Gründern des Netzwerks der Rheinischen Mittelstandsberater.

Quelle: NGZ
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