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Neuss
Unternehmer investieren in Flüchtlinge

Top 10: In diesen NRW-Städten sind Flüchtlinge untergebracht
Top 10: In diesen NRW-Städten sind Flüchtlinge untergebracht
Neuss. Die Initiative "Kompass D" ist mehr als ein Sprachkursus. Neusser Unternehmen wollen in drei Jahren eine Million Euro sammeln. Mit dem Spendengeld soll jungen Zuwanderern der Weg zu einem selbstbestimmten Leben eröffnet werden. Von Ludger Baten

Das Ziel ist ehrgeizig. Eine Million Euro an Spenden sollen in nur drei Jahren eingesammelt werden. Das Geld soll dazu dienen, jungen, anerkannten Flüchtlingen eine Lebensperspektive in Deutschland aufzuzeigen. "Der Einzelne kann es nicht schaffen. Gemeinsam bringen wir spürbar PS auf die Straße", sagt Anton Werhahn, Vorstandssprecher der Wilh. Werhahn KG. "Die Wirtschaft sieht die Chancen, die sich mit der Flüchtlingszuwanderung auftun", lobte Bürgermeister Reiner Breuer vor wenigen Tagen im Hauptausschuss die Initiative.

"Kompass D" haben die Unternehmer ihr Projekt genannt, das mehr als ein Sprachkursus sein will. Es geht um mehr; es geht um Orientierung. Dabei sollen Staatsbürgerkunde, Lebensregeln und die Vermittlung von Wirkmechanismen in Europa und Deutschland helfen. In diese Perspektive auf ein unabhängiges (Erwerbs-)Leben wollen die Unternehmen investieren.

Aus der Idee, im Haus Werhahn geboren, wurde eine Initiative. Annähernd 60 Vertreter aus Neusser Unternehmen kamen nach einer Diskussion beim 5. Unternehmer-Forum der NGZ zu der Überzeugung, dass es Sinn macht, gemeinsam und konkret zu handeln. Nahezu alle Forum-Teilnehmer sagten finanzielle und ideelle Unterstützung zu oder wollen auch mit Sachmitteln dabei sein. Um die Initiative zu treiben, wurde eine Arbeitsgruppe gebildet, der die Kaufleute Jutta Zülow, J.-Andreas Werhahn, Rainer Mellis, Paul Neuhäuser und Julian Sels angehören.

Darum geht es: Der ungebrochene Flüchtlingsstrom in Richtung Deutschland führt dazu, dass letztlich viele Menschen dauerhaft bleiben werden. Aktuell leben 4000 Asylsuchende in den acht Städten und Gemeinden des Rhein-Kreises; Ende des kommenden Jahres werden es mehr als 11.000 sein. Diese Zahl sagt Benjamin Josephs voraus. Auf diese Schätzung baut der Flüchtlingsbeauftragte der Kreisverwaltung seine Planungen auf, die sich im ersten Schritt auf die Unterbringung der Zuwanderer richten.

Was kommt dann? Ziel der Neusser Unternehmer-Initiative ist die Förderung und Integration junger (schulpflichtiger) Neu-Neusser, die gezielt auf weiterführende Ausbildungen vorbereitet werden. Ziel der Unternehmer ist es, den Jugendlichen eine berufliche Perspektive zu eröffnen, damit sie später ein selbstbestimmtes Leben finanzieren können. Die Chance, dass dieses Ziel erreicht wird, ist nach Auffassung von Rainer Mellis, Chef der Volksbank Düsseldorf Neuss, gut: "Wir bekommen es mit einer Klientel zu tun, die marktwirtschaftlich denkt - viel stärker, als dies unsere deutschen Jugendlichen tun."

Flüchtlingsexperte Josephs geht davon aus, dass bis zu tausend junge Frauen und Männer in den kommenden drei Jahren kreisweit die Zielgruppe in einem Alter von 15 bis 25 Jahren bilden werden.

Derzeit bereitet die Arbeitsgruppe die Bildung einer Gebergemeinschaft Neusser Unternehmen im Rhein-Kreis vor, die sich verpflichtet, in den kommenden drei Jahren ausreichend Geld- und Sachmittel zur Verfügung zu stellen. Dabei wollen die Unternehmer auf bereits vorhandene Strukturen aufsetzen und keine zusätzliche Organisation schaffen. "Diese Initiative ist so ungewöhnlich wie die Situation, in der wir uns befinden", sagt J.-Andreas Werhahn von der Werhahn Stiftung, "Vieles ist im Unklaren - das ist aber völlig egal. Wir müssen etwas tun."

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Quelle: NGZ
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