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Neuss
Unterwegs mit der Weihnachtspost

Neuss: Unterwegs mit der Weihnachtspost
Riesige Transportbänder befördern die Pakete und Umschläge durch die Zustellbasis und sortieren sie nach Postleitzahl, Straße und Hausnummer. FOTO: Andreas Woitschützke
Neuss. Internetbestellungen und Geschenkversand lassen die Zahl der Pakete vor Weihnachten sprunghaft ansteigen. Vom DHL-Zentrum in Uedesheim werden sie im Neusser Stadtgebiet verteilt. Von Dagmar Fischbach

Dirk Melzer läuft jeden Tag rund 15 Kilometer. Viele davon treppauf und die meisten schwer bepackt. "Ich stemme bis 31,5 Kilo. Das Fitnesstraining in der Freizeit kann ich mir sparen", sagt er. Melzer ist Paketzusteller bei DHL.

"Natürlich fahre ich mit dem Transporter zu den Kunden. Aber manche Adressen liegen in reinen Fußgängerbereichen. Dazu die Wege in die verschiedenen Stockwerke. Da kommt schon einiges zusammen. Ich habe das zum Spaß mal mit einem Schrittzähler kontrolliert", erklärt er.

Dirk Melzer belädt sein Fahrzeug mit 170 Paketen für Gnadental. FOTO: Woitschützke, Andreas (woi)

Mit rund 170 Paketen hat er seinen Wagen beladen, wenn er um 9.45 Uhr das DHL-Paketzentrum im Taubental verlässt. Zuvor hat er jedes Paket per Hand verladen und gescannt. "So können die Kunden im Internet nachvollziehen, wo sich ihre Sendung gerade befindet", erklärt Marlies Scholz, Leiterin der Zustellbasis.

Mit ihr arbeiten in dem 2014 eröffneten Verteilzentrum normalerweise 80 Männer daran, dass die Sendungen so schnell wie möglich ihr Ziel erreichen. "In der Vorweihnachtszeit haben wir noch 30 zusätzliche Leute eingestellt. Sonst würden wir die Mengen gar nicht bewältigen können", erklärt Scholz. Rund doppelt so viele Päckchen und Pakete wie zu anderen Jahreszeiten erreichen das Verteilzentrum in der Zeit vor und nach Weihnachten. "Bis Ende Januar sind wir mit den Retouren beschäftigt. Dazu kommen die Neubestellungen derjenigen, die Gutscheine oder Geld zu Weihnachten bekommen haben", sagt Scholz. Bis zum vergangenen Jahr wurden die Sendungen im Krefelder Verteilzentrum auch für die Zustellung in Neuss vorbereitet. "Heute kommen die Sachen unsortiert hier an und werden von uns in die 30 Neusser Zustellbezirke aufgeteilt", erklärt die Basenleiterin.

Zusteller scannen jedes Paket beim Verladen noch einmal ein. FOTO: Woitschützke, Andreas (woi)

In der Annahme packen die Mitarbeiter pro Stunde rund 1200 aus Krefeld angelieferte Sendungen auf die vier riesigen Transportbänder, die die Kartons und Umschläge durch die rund 14.000 Quadratmeter große Halle befördern. "Dabei werden die Leitcodierungen automatisch gescannt. Diese Strichcodes enthalten Informationen wie Straße, Hausnummer und Postleitzahl", erklärt Marlies Scholz. Die identifizierten Pakete landen über eine Rutsche vor den Wagen der Zusteller, von denen einer Dirk Melzer ist.

Etwa eine Stunde braucht der 51-Jährige um die Pakete zu scannen und in seinen Wagen zu laden. "Ich sortiere sie nach Fahrtstrecke. Damit ich sie schnell finde und zustellen kann", erklärt er. Wenn er sie denn zustellen kann. Denn immer öfter seien die Empfänger nicht zu Hause. "Früher haben die Leute schon auf ihr Paket gewartet. Heute können wir nur hoffen, dass wir es wenigstens beim Nachbarn abgeben können", so Melzer. Wenn niemand ihm die Sendung abnimmt, muss er die oft sehr schweren Pakete zurück in den Wagen schleppen und abends bei der Post abliefern - nicht ohne dem Empfänger eine Benachrichtigung in den Briefkasten zu werfen.

An diesem Tag hat der Paketbote Glück. Die meisten Menschen sind zu Hause oder haben im Internet angegeben, wo die Sendung abgelegt werden soll. Der Scanner verrät Melzer, wenn er das Paket etwa auf die Terrasse legen oder beim Nachbarn abgeben soll. "Der Kunde wird dann per E-Mail benachrichtigt und ich werfe einen Zettel in den Briefkasten", erklärt er. Bis 17 Uhr hat er mit seinem gelben Transporter rund 25 Kilometer durch Gnadental zurückgelegt und freut sich auf den Feierabend. "Aber der Job macht mir sehr großen Spaß. Als Paketbote lernt man viele Menschen kennen. Und so mancher ältere Mensch freut sich richtig, mal ein Paket annehmen zu dürfen. Oft sind die Zusteller der einzige Kontakt zur Außenwelt."

Quelle: NGZ
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