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Neuss
UPS verlegt Chefetage nach Monheim

Neuss. Der Paketzusteller trennt das operative Geschäft von der strategischen Führung. Vermutet wird, dass der Umzug der Geschäftsführung mit dem Niedrig-Steuersatz in Monheim zusammenhängt. Im Rathaus gibt man sich aber gelassen. Von Christoph Kleinau

Der Paketzusteller United Parcel Servive (UPS) strukturiert um. Operative Basis mit fast 1300 Mitarbeitern soll Neuss bleiben, seit 40 Jahren Sitz der Deutschlandzentrale. Eine auszugliedernde Strategieabteilung mit 56 Köpfen - intern "Business Planning Team" genannt - soll aber einschließlich der Geschäftsführung nach Monheim ausgelagert werden. Ob die Entscheidung mit dem in Monheim zu zahlenden Hebesatz für die Gewerbesteuer zu tun hat, der mit 260 Punkten nur etwa halb so hoch ist wie in Neuss (495 Punkte), wurde auch gestern in den Betriebsversammlungen der Abteilungen nicht eindeutig beantwortet.

In einer Argumentationshilfe, mit der auf Fragen aus der Belegschaft reagiert werden soll, heißt es sibyllinisch: Das Unternehmen würde keine Steuervergünstigungen erhalten, sondern "an jedem Standort die ortsüblichen Steuern" zahlen. Und auf die Bitte der NGZ um Präzisierung teilt Firmensprecher Holger Ostwald lediglich mit: "Es gibt keine Auswirkungen auf die steuerliche Bemessungsgrundlage in Neuss."

Bürgermeister Reiner Breuer ließ sich noch gestern von UPS-Deutschlandchef Frank Sportolari versichern, dass Neuss UPS-Hauptquartier bleibt. "Ich befürchte nicht, dass Neuss einen Gewerbesteuereinbruch verzeichnen muss", sagte er daher anschließend. Allerdings halte sich die Begeisterung über die Verlagerung der Geschäftsführung in Grenzen. "Ich wüsste nicht, was für den Standort Monheim sprechen könnte", sagte Breuer, der Sportolari Alternativen in Neuss aufzeigen wollte. Aber das Unternehmen ist entschieden. Noch im ersten Quartal 2017 wird die Restrukturierung abgeschlossen und der Umzug erfolgt sein. Pläne, weitere Abteilungen nach Monheim zu verlagern, bestünden aber nicht, betont Ostwald - obwohl Monheim nach Ansicht von UPS mit einer "optimalen Infrastruktur" und einem "attraktiven Immobilienmarkt" gepunktet habe.

Die Belegschaft wurde gestern von der Nachricht der Umstrukturierung überrascht. Die "Leute seien irritiert" gewesen, hieß es im Anschluss aus der Versammlung - auch weil Details nicht genannt wurden. Erst sollten Gespräche mit all jenen Kollegen geführt werden, die künftig in Monheim arbeiten, hieß es zur Begründung.

Dass auch bei UPS in Deutschland einiges in Bewegung ist, wussten die Mitarbeiter aber schon vor der gestrigen Versammlung. Der Bereich Fahrzeugwerkstatt wurde an Partner ausgelagert, die Technik ebenfalls. Und die Reisekostenabrechnungen der Mitarbeiter werden schon heute - wie ein Teil des Rechnungswesens - in Polen erledigt.

Die gute Nachricht im Zusammenhang mit der Restrukturierung war, dass es keinerlei Stellenabbau geben wird. Die Maßnahme diene vielmehr der Unternehmenssicherung, damit UPS sein Geschäft nachhaltig und langfristig orientiert führen kann. Die Pläne, erfuhr Reiner Breuer, zielten auf Expansion im Markt ab.

Quelle: NGZ
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