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Neuss
Vermittler zwischen den Menschen

Neuss: Vermittler zwischen den Menschen
Seit einem Jahr ist er Beauftragter für Interkultur: Deniz Elbir beschreibt sich selbst als Neusser und "deutsch plus". FOTO: hbm
Neuss. Interkultur und kulturelle Bildung gehören zu den Arbeitsfeldern von Deniz Elbir. Vor einem Jahr trat er die extra geschaffene Stelle an. Von Helga Bittner

"Beauftragter für Interkultur" - das klingt so bürokratisch, und um so überraschender ist es, wenn dieser leibhaftig gegenübersteht und so gar nicht wie ein Verwaltungsmensch daherkommt. Deniz Elbir ist 31 Jahre jung, ein kluger Kopf, der lebhaft und mit großem Engagement beschreibt, was sein Arbeitsbereich im Kulturamt meint. Dann fällt zwar das Schlagwort von der "Diversität der Gesellschaft", aber Elbir erfüllt es mit Leben, denn bei der Beschreibung der verschiedenen Hintergründe der Menschen denkt er nicht nur an Migranten, sondern an alle - sei es, dass sie durch ihre Sexualität, Behinderung oder Religion geprägt sind.

"Wir sind da in Neuss richtig gut aufgestellt", sagt er und fügt nicht allein das in einem bundesweiten Wettbewerb hochgelobte Konzept der "Neuen deutschen Stadtgesellschaft" an, sondern lobt grundsätzlich die Zusammenarbeit mit den Neusser Kulturinstitutionen. Elbir fungiert dabei als Berater, für Programme, aber auch für die Frage, wie und welches Publikum angesprochen werden kann. "Wir denken und handeln nach dem 3P-Konzept: Programm, Publikum, Personal", sagt er, "denn wir müssen es schaffen, verschiedene Gruppen anzusprechen und einzubinden". Was wiederum auch Auswirkungen auf Arbeit und Denkweise des Personals hat. Elbir sieht sich als "Brückenkopf" - in die Kulturverwaltung und in die Stadt. Sein persönlicher Werdegang macht ihm das leicht. Der 31-Jährige ist gebürtiger Neusser, in der Nordstadt als Sohn kurdischer Eltern ("Gastarbeiter der ersten Generation") aufgewachsen, hat sein Abitur an der Janusz-Korczak-Gesamtschule gemacht, Germanistik und Medienwissenschaften in Düsseldorf studiert, in verschiedenen anderen Städten bereits gearbeitet und gelebt. "Aber der Rhein war immer das verbindende Element", sagt er und lacht.

Mit dem Arbeitsbeginn in Neuss verlegte er auch sein Leben (wieder) in die Stadt. Sein privates Umfeld ist fast ein Paradebeispiel für gelebte Interkultur: Seine Lebensgefährtin kommt aus Danzig, hat deutsche Eltern, seine Schwestern verhalfen ihm, so erzählt er, zu "einem kurdischen, einem türkischen und einem arabischen Schwager". Und wenn er sich selbst beschreibt, läuft das auf ein ganz klares Bekenntnis hinaus: "Ich bin Neusser. Und deutsch plus."

Nur eines will Deniz Elbir nicht: politisieren. Durch seine Eltern hat er zwar einen kurdischen Hintergrund, aber das spiele bei ihm keine Rolle: "Ich bin offen für alle", betont er und ergänzt: "Mir sind dadurch auch noch nie Probleme entstanden." Die persönlichen Kontakte in die Neusser Gesellschaft sind für Elbir eine ebenso wichtige Basis wie die zu den Institutsleitern. Denn daraus entstehen auch konkrete Projekte, die ihn auch mal zum Produzenten machen. So organisiert Elbir zusammen mit der Stadtbibliothek eine interkulturelle Lesereihe mit Autoren, die in ihrer ursprünglichen Heimat ein hohes Ansehen genießen, aber in ihrer Wahlheimat Deutschland weniger bekannt sind. Oder er plant gemeinsam mit der Volkshochschule eine Ausstellung mit historischen handschriftlichen Exponaten aus dem Maghreb, um die einstige enge Verbindung der nordafrikanischen Region zum Christentum aufzuzeigen und damit auch das heute Trennende zu überwinden.

Doch zum pragmatischen Teil seiner Arbeit gehört auch ein theoretischer. Dann spricht der studierte Medienwissenschaftler, der zuvor am Grimme-Institut in Marl und in der Presseabteilung der Kunstsammlung NRW gearbeitet hat, schon mal von "Wissenstransfer". Oder Tagungen mit Fachleuten ("das ist mir aber oft zu verkopft") - und sehr gern vom Erfolg des Neusser Diversitätskonzepts: "Das Medienecho ist enorm", sagt er. Elbir verschickt immer wieder Exemplare mit Erklärungen und freut sich ganz besonders, dass selbst die nordrhein-westfälische Landesregierung auf das Konzept aufmerksam geworden ist: "Dort möchte man von unserem Know-how profitieren."

Quelle: NGZ
 
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