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Neuss
VHS zeigt Kunst von Linnemeier und Holt

Neuss. In der Ausstellung "en passant" werden flüchtige Augenblicke zu dauerhaften Erinnerungen. Von Dagmar Fischbach

Es sind Momentaufnahmen. Kurze Augenblicke in einer schnellen Welt. Renate Linnemeier und Holt habe sie festgehalten. Sie haben Gesichter, Farben, Eindrücke auf Leinwand gebracht. Unter dem Titel "En passant" (im Vorbeigehen) sind ihre Werke in den Räumen der Volkshochschule im Romaneum zu sehen.

"Wir sind sehr visuelle Menschen. Wenn wir durch die Straßen gehen, nehmen wir Kleinigkeiten wahr. Einen bestimmten Gesichtsausdruck, eine Körperhaltung, die Farbe eines Kleides. In unseren Bildern haben wir unsere Wahrnehmungen verarbeitet", erklärt Renate Linnemeier. Ihre Bilder zeigen zarte Frauengesichter, zum Teil verfremdet und als Collage gestaltet. Ein Stück Tapete kann zum schmückenden Collier werden oder zur dezenten Haarspange. Die Bilder des Künstlers Holt sind weniger filigran. Mit massiven Pinselstrichen sind raumgreifende Gesichter wie Höhlenmalereien gezeichnet. Ihr Mund ist in leuchtendem Rot zu einem erstaunten "O" geformt. Unter den Bildern hängen unterschiedliche Stoffstreifen. "Sie symbolisieren die Farben, die uns im Vorbeigehen beeindruckt haben - und sie schützen die Wand hinter den Bildern", sagt Holt schmunzelnd.

Das Konzept ihres Reigens haben die beiden Künstler gemeinsam entwickelt. An einigen Bildern haben sie sogar zusammen gearbeitet. Entstanden sind lange Bildtafeln auf dem für den Künstler Holt typischen Hintergrund. Die Leinwand mutet bei ihm wie eine grobe, graue Betonwand an. Wie Graffitis auf einer Mauer sind darauf Menschen zu erkennen, Wörter, Szenen. "Es ist eben das, was man im Vorbeigehen wahrnehmen kann und das, was die Fantasie daraus macht", sagt Renate Linnemeier. Sie hat eine Frauenfigur gezeichnet, die einen roten Rock mit weißen Tupfen trägt und ein ineinander verschlungenes Paar. "Die Innigkeit der beiden hat mich beeindruckt", sagt sie.

Holt hat das Bild mit einer fliegenden Kuh ergänzt, dem "Kuhlibri", einer alten Dame mit Rollator, Skateboards. Den weicheren Hintergrund einer anderen Tafel hat Reante Linnemann gestaltet. Doch auch er erinnert an eine karge Wand. Darauf gibt es Szenen rund um das Thema Essen. Bacchus ist dort zu sehen. Weingläser, ein Engel, der sie füllt.

Den dritten Teil ihrer 70 Werke umfassenden Ausstellung haben Renate Linnemann und Holt "Kettenreaktion" genannt. Es sind kleine quadratische Bilder, die an Ketten von der Decke hängen. "Wir haben die Hintergründe ,en passant' im Neusser und im Düsseldorfer Hafen fotografiert. Dann haben wir sie am Computer verfremdet, mit Öl, Acryl oder Sprühfarbe über- und weitergemalt. Die Ketten sollen an die Herkunft der Motive erinnern: den Hafen", erklärt Holt. So ist auf einem der Werke eine efeuumrankte Mauer zu sehen, darauf - wie ein Graffiti - das Gesicht einer Frau. "Die Mauer war nackt. Das Bild habe ich hinzugefügt", sagt Renate Linnemann. Ein anderes Werk zeigt ein hölzernes Tor. Darauf ein gelbes Schild mit der Aufschrift "auch verboten". "Dort stand eigentlich ,Rauchen verboten'. Wir haben die Schrift verändert, ein Graffiti mit dem Anarchie-Zeichen weitere Symbole und Zeichnungen hinzugefügt, die ,auch verboten' sind", erklärt Holt.

Quelle: NGZ
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