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Neuss
Vokalensemble beeindruckt mit Duktus und Esprit

Neuss: Vokalensemble beeindruckt mit Duktus und Esprit
Das Ensemble Amarcord aus Leipzig - Wolfram Lattke, Robert Pohlers, Frank Ozimek, Daniel Knauft und Holger Krause - gastierte in Neuss. FOTO: Michael Wendt
Neuss. Die fünf Sänger von Amarcord begeistern das Publikum in Neuss mit einem Programm aus Klassik, Jazz und Gospel. Von Christian Oscar Gazsi Laki

Und plötzlich geht das Licht aus. Der Beton atmende Bau der Langen Foundation hüllt sich für einige Sekunden in Dunkel. In das Düster schallt Stimmenklang: Das Vokalensemble Amarcord singt mit eindringlichem Duktus "Anthony O'Daly" aus Samuel Barbers "Reincarnations". Doch dieser tiefgehende Moment war nicht geplant, vielmehr versagte kurzerhand die Stromversorgung des Museumsgebäudes. Das Notlicht geht an und taucht die Räume in schummriges Licht. Welch ein Glück, dass nichts wirklich Schlimmes passiert ist. Erleichterung macht sich breit, spätestens als die Erklärung kommt, man habe am vorherigen Tag schon ähnliche Probleme gehabt. Nach der Pause wird das Licht wieder im vollem Glanze strahlen.

Auch ohne diese Episode wäre indes das von der Stiftung Kulturpflege und Kulturförderung der Sparkasse Neuss gesponsorte Konzert im Rahmen des Niederrhein Musikfestival ein eindrückliches Erlebnis gewesen. Denn die fünf Männer - ehemalige Mitglieder des Leipziger Thomanerchores, und das hört man auch - gelten nicht nur als eines der besten Vokalensembles. Sie sind es auch. Wolfram Lattke, Robert Pohlers, Frank Ozimek, Daniel Knauft und Holger Krause kultivieren einen über alle Maßen polierten, zugleich auch mit viel Esprit gewürzten Vokalklang.

Die beiden Tenöre, insbesondere Lattke, aber auch Pohlers zeigten mit schlanken feinen Höhen auch mal Countertenorqualitäten. Ozimek, Bariton, mit weichestem Timbre und die beiden stattlichen Bässe bewältigen jeden Chorsatz mit viel Einfühlungsvermögen. Dies bewiesen sie nun auch in der Neusser Raketenstation, mit einem ganz auf Amerika fokussierten Programm. Die erste Hälfte ganz im Geiste amerikanischer "Klassik", wo Namen wie Charles E. Ives, Copland oder Barber nicht fehlen dürfen. Mit Lon Beerys (*1958) "I Believe" wurde es philosophisch, mit Morton Feldmans (1926-1987) "Only" aus dem Jahr 1976 solistisch, auf sonderbare Art zerbrechlich und enigmatisch. Doch Amarcord versteht sich auch auf Humor, was sie nicht nur im entspannten Umgang mit dem Stromausfall zeigten, sondern auch mit dem ein oder anderen Augenzwinkern musikalischer Art. So nachdenklich und tiefgründig ihre Moderationen auch sein konnten, so witzig waren sie auch, wo es sich anbot. Mit drei launigen Werken Hanns Eislers beispielsweise zollten sie nicht nur, einen Bogen schlagend, ihrer Heimat Tribut, sondern lockerten auch deutlich ihr ansonsten ernstes Programm auf.

Nach der Pause wurde es mit Jazzigem und Gospeligem ohnehin populärer. Bass Daniel Knauft erwies sich sogar als launiger Knochenbau-Experte. Viel Beifall war den sympathischen Leipzigern sicher.

Quelle: NGZ
 
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