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Neuss
Von Peter Pan inspiriert

Neuss: Von Peter Pan inspiriert
Reste der ausgefrästen Platten für seine Arbeit "Back to Neverland" sind dem Künstler Amit Goffer geblieben. Das Werk ist schon in Norwegen. FOTO: end
Neuss. Der in Neuss arbeitende Künstler Amit Goffer vertritt die Stadt bei der Hanse in Bergen. Von Helga Bittner

Die Europalette gab die Größe vor, aber für Amit Goffer wurde sie zum Kunststück an sich. Als das Kulturamt ihn fragte, als Künstler der Stadt Neuss ein Werk für die Ausstellung Hanse-art-works im norwegischen Bergen beizusteuern, hat er sich gefreut und gleich zugesagt. Sagt er mit einem kleinen Lachen. Denn der in Isreal geborene Künstler, der im Atelierhaus Hansastraße und auch in Düsseldorf arbeitet, empfindet die Anfrage als Ehre.

"Ich arbeite ein bisschen komisch", sagt Goffer in einer charmanten Mischung aus Deutsch und Englisch, "denn wenn ich ein Thema habe, bekomme ich gleich eine Idee dazu." Um diese umzusetzen, brauchte er allerdings Hilfe - maschineller und persönlicher Art. Tobia Urton, Franz Klein-Wiele und Nick Westendorf lieferten beides und sind schon länger die Partner, die Goffer sich wünscht: "Der Prozess einer Arbeit ist mir wichtig, die Diskussion mit anderen über den Weg."

Für seine Arbeit "Back to Neverland" hat der 1979 in Tel Aviv geborene Künstler, der vor fünf Jahren nach Deutschland kam und mit der Künstlerin Vera Lossau verheiratet ist, die Europalette selbst als Vorlage genommen, ihre 120 x 80 Zentimeter auf eine Holzplatte von 79 mal 52 Zentimeter verkleinert, und gleich 14 von ihnen aufeinander geschichtet. Allerdings nicht ohne ihre Oberflächen zu bearbeiten.

"Ich mag Landkarten", sagt er, "und ich mag die Geschichte von Peter Pan." So keimte in ihm die Idee, eine Karte von Peter Pans Nimmerland (Neverland in Englisch) zu schaffen, und weil das ganze in Norwegen gezeigt wird, verknüpfte er Neverland mit der Karte des skandinavischen Landes. "Dabei ist natürlich eine reine Fantasielandschaft herausgekommen", sagt er lachend. In aufwendiger Arbeit aus den Platten herausgefräst, so dass Täler und Höhen, aber auch Löcher entstanden sind.

Der Künstler, der ausschließlich Installationen macht, liebt es, mit dem Raum zu arbeiten. Sich vorzustellen, wie der Mensch sich in ihm bewegt und was ein Kunstwerk dabei leisten kann. Ihn interessieren zudem architektonische Strukturen, Linien, runde und gerade, faszinieren ihn nicht minder, also hat Goffer sie eingearbeitet. Mal gehen sie tief in das Landschaftsrelief hinein, mal sind sie nur oberflächlich gesetzt. Gerne hätte er sie noch leuchten lassen, aber dafür ist es in der Ausstellung nicht dunkel genug, sagt er.

Nun setzt er auf Licht- und Schatteneffekte, denn das Werk, das er "Back to Neverland" benannt hat, wird nicht stehen, sondern in Augenhöhe des Besuchers hängen. "Leicht schief", sagt Goffer, der in zwei Tagen für die letzten Handgriffe nach Bergen reist, "und an Seilen, so dass es sich mit dem Besucher auch bewegen wird."

Mit einem 3D-Programm hat er die Arbeit zunächst entworfen, rund eineinhalb Wochen hatte er Zeit bis zum Abtransport nach Bergen. Nicht viel, aber seit Goffer einen Sohn hat, geht er mit seiner Zeit konzentrierter um. "Ich habe gelernt, mich in meiner Arbeit zu fokussieren", sagt er lachend, "damit bin ich vielleicht nicht mehr ständig im Atelier, aber nutze die Zeit konsequent."

Quelle: NGZ
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