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Neuss
Von Schumann bis Schunkelmusik

Neuss. Nachdem das Jazz Ensemble Düsseldorf (JE:D) vor knapp zwei Jahren sein offizielles Debüt in Neuss gegeben hatte, kehrte es nun in die Alte Post zurück. Ein fulminantes Finale für das Jubiläumsjahr der Konzertreihe "Blue in Green". Von Barbara Steingiesser

Nicht ganz zwei Jahre ist es her, da trat das Jazz Ensemble Düsseldorf (JE:D) zum ersten Mal vor Publikum auf. Obwohl es sich bei diesem Sextett um die Düsseldorfer Jazz-Allstars handelt, und obwohl das Repertoire einen starken Bezug zur Landeshauptstadt hat, fand damals die Welt-Uraufführung des Projekts nicht dort statt, sondern in Neuss. Der auch dort wohlbekannte Düsseldorfer Gitarrist Philipp van Endert - selbst Mitglied des Ensembles - hatte beim Booking die Nase vorn gehabt. Er hatte die Band, die ihm eine Herzensangelegenheit ist, für seine Konzertreihe "Blue in Green" am Vorabend der Düsseldorfer Premiere nach Neuss verpflichtet, wo sie in der Alten Post ihren Einstand gab.

Inzwischen ist viel passiert: Kontrabassist Nico Brandenburg ist mit dem Förderpreis für Musik der Landeshauptstadt ausgezeichnet worden, so dass nun sämtliche Mitglieder - als Einzelmusiker - Träger dieses renommierten Preises sind, begonnen mit dem Schlagzeuger Peter Weiss, dem diese Ehrung bereits vor 35 Jahren zuteil wurde. Ferner haben die JEDs - wie sie sich auch nennen - eine CD herausgebracht und waren als musikalische Botschafter Düsseldorfs europaweit unterwegs. So führte sie auch ein Gastspiel nach Palermo, seit 2015 Partnerstadt Düsseldorfs.

Bevor die Reise nächste Woche nach Lissabon weitergeht, machten die "Düsseldorfer Jonges" wieder einmal einen Abstecher nach Neuss und zeigten erneut, dass sie nicht nur in der Ferne ihre Fans haben. Wie damals sorgten sie auch jetzt, beim Abschlusskonzert der "Blue in Green"-Saison 2016, in der Alten Post für ein volles Haus. Das Publikum liebt das ganz besondere Konzept, das so einfach ist wie genial: Die JEDs spielen nicht nur eigene Kompositionen, sondern auch bekannte Stücke mit Düsseldorf-Bezug.

Für die speziell auf ein Sextett mit drei Harmonie-Instrumenten zugeschnittenen Arrangements haben Saxofonist Reiner Witzel und Pianist Sebastian Gahler sich in der klassischen Klavierliteratur der Romantik umgeschaut, während Philipp van Endert und Nico Brandenburg in den Düsseldorfer Gassen fündig geworden sind. Und Vibrafonist Mathias Haus hat seinen Düsseldorf-Gassenhauer "Rhinefire" gleich selbst geschrieben. So kommt einiges zusammen von Schumann bis Schunkelmusik.

Das von Nico Brandenburg reharmonisierte "Altbierlied" zwinkert den Toten Hosen zu und wird zum Jazzwalzer geadelt. Auch "Sie liebten sich beide" von Clara Schumann erscheint im Arrangement von Reiner Witzel als swingender Jazz-Waltz. Doch anders als das deftige Trinklied, beginnt es nicht mit kraftvoller E-Gitarre. Vielmehr folgen auf ein zart hingetupftes und dennoch glockig klingendes Vibrafon-Intro, das Thema mit Reiner Witzels singender Altsaxofonstimme sowie ein lyrisches Bass-Solo. Das Stück gipfelt in der Piano-Improvisation von Sebastian Gahler, die aus einem verhalten minimalistischen Beginn Schwung holt für die großen Bögen, die scheinbar mühelos die Grenzen zwischen Klassik und Jazz einreißen und aufgehen in einer Musik, die nur noch eines ist: zeitlos. Was am Jazz Ensemble Düsseldorf verblüfft: Trotz aller Kapriolen zwischen Klassik, Karneval und Kult wirkt die Musik am Ende wie aus einem Guss. Das ist Kunst.

Quelle: NGZ
 
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