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Neuss
Wahlanalyse: Rätselraten über viele ungültige Stimmen

Neuss. 530 Wähler und damit 1,1 Prozent aller, die überhaupt zur Bürgermeister gegangen sind, haben einen ungültigen Stimmzettel abgegeben. Eine ungewöhnlich hohe Zahl, wie Wolfgang Düsing als Chefstatistiker im Rathaus bei seiner Wahlanalyse betont, der darin nur ein politisches Statement sehen will. "So kompliziert war der Wahlzettel ja nicht", schließt er "technische Probleme" aus.

Das Ungewöhnlichste bei dieser Wahl war für ihn die Eindeutigkeit. Sie warf auch angeblich in Erz gegossene Sätze über den Haufen wie: "Briefwahlbezirke sind immer CDU-lastig." Dieses Mal nicht. Nur zwei Mal lag der CDU-Kandidat Thomas Nickel vor seinem Konkurrenten Reiner Breuer (SPD). Und zwar da, wo er nach Düsings Feststellung "ein Heimspiel hatte". Also in Holzheim und Grefrath.

Auch bei den im Wahllokal abgegebenen Stimmen lag Nickel nur einmal vor Breuer, der andererseits in 23 von 29 Bezirken die absolute Mehrheit der Stimmen errang - obwohl es vier Gegenkandidaten gab. Stark war er vor allem da, wo die SPD traditionell gut abschneidet: Neusser Furth, Dreikönigenviertel, Hermannsplatz, Weckhoven West.

Warum Nickels Ergebnis (36,3 Prozent) fast 20 Prozent unter dem von Landrat Hans-Jürgen Petrauschke blieb, obwohl hinter beiden CDU stand, kann auch Düsing nicht erhellen. Sein Erklärungsversuch: "Es vagabundierten ja die Stimmen von FDP, Linken oder AfD herum, die keiner Person zugeordnet waren." Er sagt aber auch: "Die Partei hat offensichtlich nicht die große Rolle gespielt." Dass "nur" ein Bürgermeister gewählt wird, gab es noch nie und wird es so auch nicht mehr geben. Trotzdem zeigt diese Ausnahme zwei Trends auf: Die Wahlbeteiligung bei Kommunalwahlen pendelt sich bei 40 Prozent ein, und der Anteil der Briefwähler steigt und steigt. Am Sonntag auf 30,7 Prozent der gültigen Stimmen.

(-nau)
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