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Neuss
Wandern durch innere Landschaften

Neuss: Wandern durch innere Landschaften
Verhaltene Farbigkeit zeichnet die "Erinnerten Landschaften" aus, von denen der Maler Heribert Münch sieben in der Kirche Christ König zeigt. FOTO: hbm
Neuss. Sieben "Erinnerte Landschaften" des Neusser Künstlers Heribert Münch sind derzeit in der Christ-König-Kirche ausgestellt. Die stimmungsvollen Bilder sind dort noch bis Oktober zu sehen. Von Susanne Niemöhlmann

Normalerweise schaue er sich die Ausstellungsorte gern im Vorfeld an, sagt Heribert Münch, diesmal sei die Einladung relativ kurzfristig erfolgt. Doch kein Problem für den Neusser Münch. Er kennt die Christ-König-Kirche nicht nur, er kennt sie sogar gut. "Ich bin hier in der Nähe großgeworden, war in der katholischen Jugendarbeit aktiv und später sogar Messdiener", erzählt der Künstler inmitten seiner Arbeiten, die seit wenigen Tagen im katholischen Gotteshaus am Berliner Platz zu sehen sind.

Es ist seine erste Ausstellung dort, und man fragt sich unweigerlich, warum es eigentlich nicht schon früher dazu gekommen ist. Denn die sieben Arbeiten fügen sich gut in die Umgebung. Mit ihrer verhaltenen Farbigkeit, vornehmlich in Erd- und Brauntönen und einer "Erinnerung an Grün", wie Münch selbst sagt, strahlen sie eine geradezu besinnliche Ruhe aus. "Meditativ" lautete gar das Prädikat eines Besuchers.

Tatsächlich habe sie schon länger daran gedacht, Heribert Münch für eine Ausstellung zu gewinnen, sagt Ulla Born, die zusammen mit Hans-Dieter Feuerlein die Künstler seitens der Pfarrgemeinde betreut. "Wir kennen uns ja schon lange, und ich habe mich gefreut, dass er sofort zugesagt hat", sagt sie. Nach einem Besuch in Münchs Atelier hätten sie gemeinsam überlegt, welche Hängung die ausgewählten Werke am besten zur Geltung bringen. Auch Münch zeigt sich erfreut, dass die Ausstellung zustande gekommen ist: "Ich finde es gut, wenn meine Bilder unterwegs sind."

FOTO: Woitschützke Andreas

Münchs Naturansichten sind allesamt "Erinnerte Landschaften", so auch der Titel der Ausstellung, nicht "natur-getreu", sondern eher gefilterte Stimmung - übersetzt in Farbe und Form. Wenig Gegenständliches ist darauf zu sehen, manchmal nur zu erahnen: hier noch sehr deutlich und fast ein wenig trotzig das Kraftwerk in Grevenbroich (ein Werk aus einer ganzen Serie), dort nur entfernt wie aus einem traumhaften Nebel die Spitzen des Kölner Doms.

Oft dominiert ein weiter Himmel das Motiv, nimmt bisweilen zwei Drittel der zumeist eineinhalb bis zweieinhalb Meter großen Tafeln ein. "Tatsächlich ist der Horizont in meinen Bilder mit der Zeit immer weiter nach unten gerutscht", bestätigt Heribert Münch, "früher habe ich mehr Landmasse gemalt. Es macht etwas, ob der Horizont sich in der Mitte oder am unteren Bildrand befindet."

Der Himmel seiner Bilder ist oft der Himmel am Niederrhein. "Ich mag den Niederrhein, diese Weite und die Stimmung", sagt Münch, der 1955 in Straelen geboren wurde und in Neuss aufwuchs. In seinen Werken finden sich aber auch Anklänge an andere Landschaften wieder, etwa Regionen des Himalayas oder die Natur Irlands, die einst Auslöser für seine Abkehr von der figürlichen Malerei war. Denn während des Studiums, zunächst an der PH Neuss, später an der Kunstakademie Düsseldorf, setzte sich Heribert Münch vornehmlich mit der menschlichen Gestalt auseinander. "Als ich dann mein eigenes Atelier hatte, verschwand die Figur, gleichzeitig wurde der Umraum immer interessanter", erzählt er. Irland mit seiner Landschaft und archaischen Architektur stand am Beginn einer jahrelangen Beschäftigung mit Landschaftsmotiven. Landschaften lösten bei ihm immer eine Stimmung aus, sagt der Maler, und diese Stimmungen hält er in einem interaktiven Prozess auf der Leinwand fest. "Für den Betrachter ist es unerheblich, was mich zum Malen veranlasst hat", sagt er." Den einen oder anderen erinnern meine Bilder an Orte, die ich gar nicht kenne, und evozieren bei ihm eigene Stimmungen. So gesehen sind meine Bilder Seelenlandschaften, in denen wir beide - der Betrachter und ich - herumwandern."

Quelle: NGZ
 
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