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Serie Meine Ausbildung (18)
Wasserbauer pflegen Ufer und Flussbett

Serie Meine Ausbildung (18): Wasserbauer pflegen Ufer und Flussbett
Mit dem Freischneider befreit der angehende Wasserbauer Marvin Koenen Ufer vom hohen Gras. Zu seinem Einsatzgebiet zählen weite Teile des Gilbachs, des Norfbachs und der Erft. FOTO: anja tinter
Neuss. Marvin Koenen macht beim Erftverband eine Ausbildung zum Wasserbauer. In seinem Alltag zählt vor allem handwerkliches Geschick. Eingesetzt werden die Fachkräfte später nicht nur in der Gewässerpflege, sondern auch im Hochwasserschutz. Von Christian Kandzorra

DER BETRIEB Gilbach, Norfbach und Erft - das sind die Flüsse, die zu großen Teilen durch das Revier der Gewässer-Meisterei Rommerskirchen-Anstel fließen. Die Mitarbeiter des Erftverbands pflegen die Ufer der Flüsse, halten Hochwasser-Rückhaltebecken in Schuss oder renaturieren Fluss-Areale. Für solche Arbeiten sind Wasserbauer speziell ausgebildet. Einer von ihnen ist Marvin Koenen aus Grevenbroich.

Der 18-Jährige startete im August in die dreijährige Berufsausbildung, die wohl zu den außergewöhnlichsten im Rhein-Kreis Neuss gehört. "Viele Menschen wissen gar nicht, dass es den Beruf überhaupt gibt", sagt Ausbilder Arno Fuchs. Dabei übernehmen Wasserbauer sowohl technisch als auch ökologisch wichtige Aufgaben und sorgen dafür, dass Flüsse nicht verschmutzen, an Wasserqualität einbüßen oder über die Ufer treten.

BEWERBUNG Wer sich für den Beruf des Wasserbauers interessiert, sollte handwerklich geschickt sein. "Außerdem sollte man die Bereitschaft mitbringen, auch körperlich zu arbeiten", sagt Azubi Marvin Koenen, der gerne in der Natur arbeitet. Grundvoraussetzung für den Start in die Ausbildung ist der Hauptschulabschluss nach der zehnten Klasse sowie die Schwimmfähigkeit. "Wichtig sind gute Noten in den Fächern Mathematik, Technik und Sport", erklärt Ausbildungsleiterin Stephanie Jaeger. Bewerber müssten beim Erftverband einen Probe-Arbeitstag absolvieren und dabei ihr Talent beim Bau eines Vogelhäuschens unter Beweis stellen.

AUSBILDUNG Azubi Marvin Koenen startet morgens um 7 Uhr in seinen Arbeitstag. Auf dem Plan standen in den vergangenen Wochen in erster Linie Mäharbeiten. "Wir fahren immer in kleinen Gruppen zu den jeweiligen Einsatzstellen", berichtet der 18-Jährige, der vor der Ausbildung seinen Realschulabschluss gemacht hat.

Er lernt im Alltag, mit Geräten wie Freischneidern umzugehen, zu mauern, zu pflastern und mit Messtechniken umzugehen. "Im Herbst pflegen wir zudem die Wege an den Gewässern und beseitigen potenzielle Gefahrenstellen", erzählt Ausbilder Arno Fuchs. Bei der überbetrieblichen Ausbildung lernt Marvin Koenen darüber hinaus in mehrwöchigen Einheiten auch Aspekte des Küstenschutzes an der Nordsee kennen. Dazu zählt etwa der Bau von Wellenbrechern sowie der sogenannte Lannungsbau zur Landgewinnung.

In der ersten Woche seiner Ausbildung hat Marvin Koenen bei einer Renaturierungsmaßnahme am Gilbach geholfen. "Der Fluss soll wieder begradigt werden. Wir haben zum Beispiel die Tiefe des Flussbetts vermessen", erklärt Marvin Koenen, der in den nächsten beiden Jahren auch in größere Projekte des Erftverbandes eingespannt werden soll - unter anderem in einen Stauwerksbau.

Berufsschule Es gibt nur zwei Berufsschulen in Deutschland, die Wasserbauer blockweise unterrichten. Eine von ihnen liegt in Koblenz. 18 der 25 Berufsschüler in Koenens Klasse kommen aus Bayern, weil dort nach Hochwassern besonders viele junge Menschen in diesem Beruf ausgebildet werden.

Zukunft Wasserverbände übernehmen ihre Azubis in der Regel nach der Ausbildung, jedoch suchen sie auch ausgebildete Wasserbauer. "Außerdem suchen immer mehr Städte, die an Flüssen liegen, Wasserbauer", erklärt Arno Fuchs. Händeringend würden jedoch Wasserbauer in Bayern gesucht, um den Hochwasserschutz langfristig gewährleisten zu können.

Quelle: NGZ
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