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Neuss
Weiblich, spitzfindig, risikofreudig

Neuss: Weiblich, spitzfindig, risikofreudig
Sissi Perlinger eröffnete den Abend im Landestheater, gab dann den Stab an ihre Kolleginnen Lisa Fitz und Patrizia Moresco weiter. Gemeinsam traten die drei Künstlerinnen nur zum Schluss auf. FOTO: Barbara Steingießer
Neuss. Sissi Perlinger, Lisa Fitz und Patrizia Moresco präsentierten im Rheinischen Landestheater jeweils Ausschnitte aus ihren eigenen Programmen und sehen das als "Weiberpower pur". Ein Abend, der vorrangig Frauen anzog. Von Barbara Steingießer

Als die Kabarettistin Sissi Perlinger im Leoparden-Look die Bühne betritt, schaut sie zunächst ins Publikum. Sie lässt ihre Wildkatzenaugen durch die vollbesetzten Reihen des Rheinischen Landestheaters schweifen, wundert sich über den großen Männeranteil im Saal und fragt: "Seid ihr freiwillig hier, oder wurdet ihr gegen euren Willen von euren Frauen mitgeschleppt?" Es ist ihr ein sichtliches Vergnügen, dass die Herren der Schöpfung das Programm, das weiblich hoch drei ist, nun "drei Stunden lang nicht wegzappen" können. Doch stellt sie gleich zu Anfang klar: "Was wir machen, ist nicht männerfeindlich. Man nennt das ,lustig'."

Was dann folgt, ist dem Titel entsprechend "Weiberpower pur". Allerdings stehen die drei Powerweiber bis zur gemeinsamen Zugabe als fidele Greisinnen niemals zusammen auf der Bühne. Statt eines Trio-Programms mit schnellem Schlagabtausch einander überbietender Pointen präsentieren Sissi Perlinger, Lisa Fitz und Patrizia Moresco nacheinander Ausschnitte aus ihren aktuellen Solo-Shows.

Die schwäbische Italienerin Patrizia Moresco etwa erinnert sich, wie es war, in einer Familie von "Spaghetti zwischen lauter Maultaschen" aufzuwachsen. "In ständiger Zerrissenheit zwischen Hartweizen- und Eiernudeln, zwischen al dente und weichgekocht. Das ist Dolce Vita in der Sparbüchs." Aber auch die Rheinländer bekommen ihr Fett weg. "Ihr Neusser", sagt sie, "ihr liebt es, spontan zu sein. Vorausgesetzt, man warnt euch rechtzeitig vor." Weil für Italiener das Essen so wichtig ist, nimmt Moresco die hiesigen Bioläden aufs Korn, deren Kekse ungenießbar und allenfalls als Dämm-Material geeignet seien. Sie appelliert ans Publikum, das Leben locker zu nehmen und auch einmal etwas zu riskieren. Zum Beispiel einen Apfel zu essen, ohne ihn gewaschen zu haben, oder ans Telefon zu gehen, obwohl im Display steht "unbekannt". Schon Goethe habe gewusst: "Die ganze Welt ist voll armer Teufel, denen mehr oder weniger - angst ist."

An dieses Stichwort schließt Lisa Fitz mit ihrem Progamm "Mut" an. Die bayerische Urmutter des Frauenkabaretts ist bissiger und politischer als ihre beiden Mitstreiterinnen. Doch ihre spitzesten Pfeile richtet sie nicht etwa auf einen männlichen Politiker, sondern auf "Mutti Merkel", indem sie im Zusammenhang mit Panzerlieferungen an Saudi-Arabien von den "Waffen einer Frau" spricht. Sie greift zur Gitarre, besingt mit Konstantin Weckers Worten die Angst und ruft mit Reinhard Mey zur Wachsamkeit auf.

Von einem Exkurs über einige der 650 bekannten Phobien mit zum Teil zungenbrecherischen Bezeichnungen kommt Fitz schnell zur Xenophobie, der Fremdenfeindlichkeit. Und was meint sie zur Situation der Frauen? "Wahre Emanzipation ist erst dann erreicht, wenn der Mann verschleiert zwei Schritte hinter der Frau herläuft und die Einkaufstaschen trägt." Solange das nicht der Fall ist gilt immer noch: "Als Frau musst du dich entscheiden, ob du Recht haben oder geliebt werden willst."

Spätestens in der Pause, in der Roger Ciceros Song "Frauen regier'n die Welt" eingespielt wird, ahnen auch die Männer im Saal, dass Frauen vielleicht nur vermeintlich das schwache Geschlecht sind. Auf der Bühne jedenfalls führen drei Weiber das Regiment. Ihre Waffen sind Kabarett, Comedy und Klamauk und ihre Herrschaft ist schrill, schräg und schlüpfrig. Oder - um mit Sissi Perlingers Worten zu sprechen: "Man nennt das ,lustig'."

Quelle: NGZ
 
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