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Neuss
Weltmarktführer im Butterverpacken

Neuss: Weltmarktführer im Butterverpacken
Benhil fertigt auf 6000 Quadratmetern Maschinen, die Butterblöcke ins Papier einschlagen. Die Maschinen (im Vordergrund) schaffen bis zu 500 Päckchen pro Minute. FOTO: Andreas Woitschütze
Neuss. Der Maschinenbauer Benhil beliefert Molkereien weltweit mit seinen Verpackungsmaschinen für Butter, Käse und Suppenpaste. Von Andreas Gruhn

Für einen Weltmarktführer ist es beschaulich im Taubental. Ein guter Platz für einen versteckten Weltmarktführer, einen "Hidden Champion". In dem Gewerbegebiet zwischen Wassersportzentrum und dem Partygelände Kiesgrube, ganz hinten an einem Wendehammer gelegen, arbeitet die Firma, die die Molkereien weltweit mit Maschinen ausrüstet. Wer ein Stück Butter aus dem Papier auspackt, kann ziemlich sicher sein, dass die Neusser Benhil GmbH dafür gesorgt hat, dass es überhaupt erst hineinkommt. Der mehr als 100 Jahre alte Maschinenbauer beliefert namhafte Lebensmittelkonzerne mit den Maschinen, die die Butter ins Papier packen.

Butter verpacken klingt simpel - ist es aber nicht. Die Firmengründer Johannes Benz und Wilhelm Hilgers (daraus leitet sich auch der Name ab) haben die erste Verpackungsmaschine entwickelt, die dafür sorgte, dass Butter nicht mehr direkt aus dem Fass verkauft werden muss, sondern hygienischer verpackt ist. Das war in einer Garage in Düsseldorf. Heute stecken dahinter hochtechnologisierte Prozesse. Eine Hochleistungsmaschine, wie sie Benhil in Neuss konstruiert und weltweit ausliefert, kann schon mal eine Million Euro und mehr kosten. Im Kernbereich des Unternehmens, der Einschlagverpackung von Butterblöcken, liegt der Marktanteil bei über 50 Prozent weltweit. Namhafte Kunden wie Nestlé, Unilever, Emmi, Kerrygold und Arla, aber auch Meiji (Japan), California Dairies (USA), Eurasian Foods (Kasachstan) und Amul (Indien) gehören zu den Kunden, die ihre Produkte mit Benhil-Maschinen einpacken. Und das ist nicht nur Butter in Portionsgrößen von sechs Gramm bis 2,5 Kilogramm. "Wir können alle pastösen Fette verpacken", sagt Bernd Grosse-Venhaus, der zusammen mit Ralph Bellin die Geschäfte führt. Suppenpaste (Brühwürfel), Fruchtpaste, Hefe und Frischkäse wird ebenfalls mit den Maschinen verpackt. Außerdem gehören Maschinen zum Portfolio, mit denen Margarine-Becher befüllt werden. Die Verpackungsart hat sich in 100 Jahre nicht sonderlich verändert, da ist die Branche konservativ.

Etwa 35 bis 40 Maschinen werden im Jahr in der rund 6000 Quadratmeter großen Produktionshalle im Taubental gebaut, darunter waren im vergangenen Jahr zehn so genannte Hochleistungsmaschinen für große Molkerei-Konzerne, die bis zu 500 Pakete Butter pro Minute verpacken können. Die Maschinen werden in Neuss konstruiert und stets modernisiert, am Standort (insgesamt knapp 150 Mitarbeiter) arbeitet auch eine kleine Entwicklungsabteilung. Die Bauteile werden angeliefert und zu geringen Teilen in der eigenen Anpassfertigung vorbereitet. Die Montage dauert dann etwa acht bis zwölf Wochen. Unterm Strich dauert es rund sieben Monate, bis der Kunde dann seine ersten Butter-Päckchen mit der Benhil-Maschine einpacken kann. Etwa 10 000 Maschinen haben die Neusser weltweit bisher verkauft, die Abnehmer sind hauptsächlich in Osteuropa, Asien und Zentral- und Südamerika - und natürlich in Deutschland. Nicht alle Maschinen sind aber neu. "Wir nehmen auch ältere Modelle wieder zurück, bereiten sie auf und modernisieren sie und verkaufen sie weiter"; sagt Bernd Grosse-Venhaus. So kommt es vor, dass bestellte Maschinen auch noch nicht voll automatisch und softwaregesteuert sind. Jüngst etwa hat eine Molkerei in Nordafrika eine Einschlagmaschine mit halbautomatischem Kartonierer bestellt - das einpacken in Kartons ist da noch Handarbeit.

Es ist ein überschaubarer Nischenmarkt, den Benhil seit mehr als 100 Jahren bedient. Um damit die notwendigen Erträge (Jahresumsatz etwa 31 Millionen Euro) erzielen zu können, muss das Unternehmen den Markt weltweit bedienen. Die Exportquote bei des unternehmens, das seit diesem Jahr zum italienischen Konzern IMA gehört, liegt deshalb auch bei rund 95 Prozent. Hidden Champions mögen hierzulande zwar versteckt sein, weltweit sind sie aber gut sichtbar.

Quelle: NGZ
 
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