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Neuss
Weltumsegler strandet in Costa Rica

Neuss: Weltumsegler strandet in Costa Rica
Michael Führer hatte sich am 30. September vergangenen Jahres auf Weltreise begeben. FOTO: woi
Neuss. Nach nicht mal einem Jahr musste der Neusser Michael Führer seine geplante Weltumseglung abbrechen, weil sein Katamaran bei einem Transportversuch erheblichen Schaden nahm. Nun ist der 64-Jährige zurück in der Heimat. Von Simon Janssen

Bis Costa Rica war alles in Ordnung, doch dann passierte das, was nicht hätte passieren dürfen. Wegen starken Gegenwindes konnte der Neusser Michael Führer seine Fahrt von Playas del Coco bis zu den Galapagos-Inseln nicht antreten. Der pensionierte Neusser Organist hatte sich am 30. September vergangenen Jahres vom Sporthafen in Grimlinghausen aus mit seinem Katamaran "Vagabund" auf Weltreise begeben - die eigentlich mehrere Jahre hätte dauern sollen.

"Ich hatte vor, das Boot in Playas del Coco ein halbes Jahr in einem großen Hof liegen zu lassen, und auf besseres Wetter zu hoffen. Im Februar hätte es dann weitergehen sollen", erklärt der 64-Jährige seinen ursprünglichen Plan. Beim Versuch, seinen Katamaran auf einen Hänger zu laden, um es von der costa-ricanischen Bucht in den rund einen Kilometer entfernten Hof zu transportieren, kam es jedoch zu einem Vorfall, der fatale Folgen haben sollte. "Plötzlich bemerkte ich einen Wassereinbruch im linken Rumpf", sagt der 64-Jährige, "das Wasser lief so schnell nach, dass wir mit unseren Eimern nicht mehr nachkamen". Noch in der Nacht rettete er mithilfe von Freunden die wichtigsten Sachen aus dem mittleren Teil des Bootes. Als er am nächsten Morgen wiederkam, waren viele seiner Habseligkeiten bereits am Strand verteilt. Alle elektrischen Geräte waren vom Salzwasser irreparabel beschädigt worden. Das Ende der "Vagabund" war besiegelt. Genauso wie seine Weltumseglung. Schließlich blieb ihm Ende August keine andere Möglichkeit, als seinen "Vagabund" an den Staat Costa Rica zu übergeben, der ihn kostenlos entsorgte.

Die "Vagabund" in Playas del Coco (Costa Rica), wo ihr Ende besiegelt wurde. 22.000 Euro hatte Führer einst für das Boot bezahlt. FOTO: Führer

Mittlerweile ist Führer wieder zuhause in Neuss. Ein wenig Herzschmerz kann der 64-Jährige nach dem Verlust seines Katamaran nicht verbergen. "Die Gefühle waren aber durchaus zwiegespalten", sagt er. Denn die Reise auf der "Vagabund" war alles andere als komfortabel. So war sie im Regen nicht ganz dicht, nasse Kleidung stand auf der Tagesordnung. Nur ungern erinnert er sich an eine Regenperiode zurück, die seine Reise sieben Tage lang erschweren sollte.

Mit seiner Frau Ursula Renzel stand er regelmäßig per Telefon in Kontakt. "Er kommt frühestens 2017 nach Hause", sagte Renzel einst im Gespräch mit unserer Redaktion. Nun hat sie ihren Mann jedoch wesentlich früher wieder bei sich als gedacht. "Sie ist froh, dass ich heil wieder da bin. Aber sie ist auch traurig, dass das Boot weg ist", sagt Führer. 22.000 Euro hatte er vor rund drei Jahren für seine "Vagabund" bezahlt. Trotz aller Hindernisse gerät der 64-Jährige ins Schwärmen, wenn er sich an die "schönen Momente der Reise" zurückerinnert, wie er sagt. Sekunden später spricht er über die Atlantiküberquerung und die Reise mit seiner Tochter nach Peru. "So lange man Wind von hinten hat, ist es schön", sagt Führer, der den Abbruch seiner Weltumseglung schlicht als "schade" bezeichnet.

Doch Führer wäre kein passionierter Segler, wenn er nicht schon an den nächsten Moment mit frischer Meeresluft in den Nasenflügeln denken würde. "Es wird mich reizen, wieder aufs Meer zu kommen. Ein Boot werde ich mir aber nicht mehr kaufen können. Vielleicht kann ich bei anderen Leuten ja mal mitsegeln", sagt der 64-Jährige schmunzelnd.

Quelle: NGZ
 
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