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Neuss
Wenn das Sozialamt fürsorglich umklammert

Neuss. Um Betrug im großen Stil geht es im neuen Stück der Mundart-Theatergruppe "Nüsser Schnute". Von Rudolf Barnholt

Die "Nüsser Schnute" feierte am Freitag Premiere mit ihrem neuen Stück "Wenn et löppt, dann löppt et" von Michael Cooney, auf Nüsser Platt umgeschrieben von Inge Berger. Im Mittelpunkt steht Erich Schwan (Jürgen Knopp), der es versteht, den Sozialstaat auszubeuten. Die neueste Produktion der erfolgverwöhnten Laiendarsteller lebt von den ausgeprägten Charakteren und von Verwechselungen.

Das erste große Aha-Erlebnis nach dem Öffnen des Vorhangs sollte ausbleiben: Die Zuschauer sehen eine Allerweltswohnstube - da sind sie bei der "Nüsser Schnute" besseres gewohnt. Schnell herrscht Klarheit, worum es geht: Der arbeitslose Vermieter Erich Schwan betrügt das Sozialamt im großen Stil. Schnell weiht er seinen Mieter Norbert Brass (Tobias Mußbach) ein, macht ihn trotz anfänglicher Widerstände zum Komplizen.

Und es scheint, als habe die "Nüsser Schnute" erstmals so etwas wie eine politische Botschaft: Die Sozialbehörde wirkt fast schon wie eine Zwangsbeglückungsinstitution, Schwan wird mit Leistungen zugeschüttet. Sozialarbeiterin Susi Singen (Wally Nitz) verkörpert das System der fürsorglichen Umklammerung auf hervorragende Weise. Inge Berger, eine der herausragenden Charakterdarstellerinnen der "Nüsser Schnute", bringt das Publikum als Behördenangestellte Felizitas Jung zum Lachen. Herrlich auch, wie Robert Altvater den sanftmütigen Eheberater Dr. Schnapper spielt. Linda Schwan (Walli Mußbach), die Frau des Vermieters, hat ihn kontaktiert im Glauben, ihr Mann sei ein Fetischist. Tatsache ist, dass Schwans Onkel Schorch (Theo Segger) die Perücken und Unterwäsche aus dem Sanitätsfachhandel, vom Sozialamt finanziert, verkauft.

Rasante Szenen wie die, wo Schorch als zum Leben wiedererweckte Leiche vor der Bestatterin (Christiane Schumacher) flüchtet, sind es, die das Stück wohltuend beleben. Ive Flüchter hat als Britta Dachs, Verlobte von Norbert Dachs nur eine Nebenrolle, ebenso wie Hildegard Freudenberg als Sozialamts-Direktorin. Der Schluss ist ebenso überraschend wie versöhnlich und soll an dieser Stelle noch nicht verraten werden.

(barni)
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