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Neusser Woche Sport In Neuss
Wenn eine Studie zum Alibi-Papier wird

Neuss. Eine Expertenstudie soll dem Sport mögliche Wege in die Zukunft weisen. Am Ende sagt sie, wo Kunstrasenplätze sinnvoll sind. Ansonsten: Ratlosigkeit.

Was sind wir bescheiden geworden! Heutzutage freut sich der Sportfreund in Neuss schon, wenn er überhaupt ein Lebenszeichen aus der Szene erhält, wo die angeblich schönste Nebensache der Welt zu Hause ist. In dieser Woche erblickt die "Sportentwicklungsplanung Neuss" das Licht der Öffentlichkeit, die eine Planungsgruppe (Vertreter von Politik, Verwaltung und Vereinen) unter sozialwissenschaftlicher Begleitung durch ein auch in Politikberatung erfahrenes Institut aus Stuttgart erarbeitet hat.

Kernaussage der Gutachter: Aus Bezirkssportanlagen werden Zentren. Mindestens drei für Fußball, eins für Tennis- und Hockey, eins für American Sport. Der Vorschlag ist nicht wirklich neu, aber einen Gedanken wert. Ein Leichtathletik-Zentrum haben wir ja schon; stolze 1,8 Millionen Euro teuer. Es wurde vor zehn Monaten eröffnet. Aber was findet eigentlich auf der Wolker-Anlage seither statt? Ein Sportfest in dieser Saison zumindest nicht. Fazit: Sportinfrastruktur ist wichtig, aber allein nutzt sie nichts.

Das Papier sagt zudem so gut wie nichts zu Eissport und Schwimmen, vermutlich weil Südparkhalle und Bäder von den Stadtwerken betrieben werden. Auch Kegeln und Ringen - immerhin mit eigenen Hallen gesegnet - kommen in diesem Plan für Sportentwicklung nicht vor.

Die Studie lässt ihren Leser ratlos zurück. Der findet wenige Antworten und hat nach der Lektüre umso mehr Fragen, denn die Autoren drücken sich um eine klare Positionierung. Beispiel Bezirkssportanlagen: "Eine Erhöhung der Anzahl der Sportplätze" sei nicht "notwendig". Aha! Die stand auch nicht zur Debatte, sondern vielmehr die Schließung von ein, zwei Anlagen. Bleibt der Alibi-Verdacht: Geht es nur darum, sich hinter Expertenmeinung verstecken zu können, wenn über Kunstrasenplatz-Standorte gestritten wird? Favoriten jetzt: Weißenberg (bereits vorhanden), Gnadental und Norf - dort, wo Fußballzentren vorgeschlagen sind.

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Quelle: NGZ
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