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Paul Neuhäuser
"Wettbewerb spornt Krankenhäuser an"

Paul Neuhäuser: "Wettbewerb spornt Krankenhäuser an"
Paul Neuhäuser (57) ist seit mehr als zwölf Jahren Vorsitzender der Geschäftsführung der St. Augustinus-Kliniken gGmbH mit Sitz in Neuss. FOTO: A. Woitschützke
Neuss. Der Chef der St.-Augustinus-Kliniken über mögliche Krankenhaus-Fusionen im Kreis, Investitionsstau und Personalmangel.

Herr Neuhäuser, die Krankenhaus-Landschaft ist nervös. Das Heerdter "Dominikus" ist in Insolvenz, die Kreiskrankenhäuser schreiben rote Zahlen, über die Fusionsbereitschaft des "Lukas" wird spekuliert - nur Ihre St.-Augustinus-Kliniken sind kein Thema. Ist das ein gutes Zeichen?

Paul Neuhäuser Die Rolle des ruhenden Pols steht uns gut. Wir sind froh, dass wir im Geschäftsjahr 2015 medizinisch und wirtschaftlich erfolgreich waren. Wir wachsen organisch. Bei einem Umsatz, der auf 288 Millionen Euro kletterte, erzielen wir eine Umsatzrendite von 3,4 Prozent. Diese knapp 10 Millionen Gewinn bleiben in unserem gemeinnützigen Unternehmen. Das tut uns gut, weil wir konsequent in Gebäude und Technologie investieren müssen, um unsere Patienten bestmöglich versorgen zu können.

Stichwort Investitionen. Die Krankenhäuser im Lande klagen, das Land NRW komme seinen Förderverpflichtungen nicht nach. Teilen Sie die Kritik an der Regierung Kraft?

Neuhäuser Landesweit klafft eine Förderlücke von jährlich 1 Milliarde Euro. Bisher gelingt es den Krankenhäusern durch eigene Anstrengungen, Investitionen zu tätigen und die Förderlücke zu verkleinern. Das ist endlich, denn schon schreibt jedes dritte Krankenhaus in NRW rote Zahlen. Wohin das führt, können wir uns beim "Dominikus" ansehen. Wer hoch qualifizierte Medizin für die Bevölkerung will, muss für gesunde Finanzen sorgen und gesetzlich garantierte Förderung zahlen.

Wie sieht die Situation im Bereich Investitionen für die Träger im Rhein-Kreis Neuss aus?

Neuhäuser Rechnerisch besteht in den fünf Akutkrankenhäusern ein jährlicher Investitionsbedarf von 28,6 Millionen Euro; dort kommen aber nur acht Millionen pauschale Fördermittel an. 20 Millionen Euro fehlen. Die Folge ist ein Investitionsstau von 196 Millionen Euro. Das Problem haben alle Träger. Der Kreis, die Stadt und auch wir als privater kirchlicher Träger.

Dennoch haben Sie angekündigt, dass sie bis 2020 insgesamt 133 Millionen bei den Augustinus-Kliniken investieren werden. Wie geht das?

Neuhäuser Weil wir solide wirtschaften, können wir uns das leisten. Wir sind zum Erfolg verdammt, denn wir haben auch in den vergangenen fünf Jahren bereits 140 Millionen Euro investiert. Weitere 133 Millionen sollen in den nächsten fünf Jahren folgen, 100 Millionen entfallen auf unsere Krankenhäuser und psychiatrischen Kliniken. Von diesem Betrag wird das Land nach derzeitigem Stand voraussichtlich nur ein Viertel übernehmen, anstatt die Kosten gesetzeskonform komplett zu übernehmen. Unser duales Finanzierungssystem sieht vor, dass das Land die Investitionen bezahlt und die Krankenkassen die Behandlung der Patienten und den laufenden Betrieb. Das hat sich bewährt, wird vom Land aber unterlaufen.

Haben sich Ihre Investitionen mit Blick auf den Patientenzuspruch rentiert?

Neuhäuser Zum Beispiel am Johann-Etienne-Krankenhaus in Neuss verzeichnen wir im ersten Quartal 2016 eine Leistungssteigerung um 8,5 Prozent. Der "Etienne"-Anteil an allen in den Krankenhäusern im Kreisgebiet erbrachten Behandlungsleistungen hat sich auf 26,5 Prozent erhöht.

Alle reden von der Suche nach Pflegekräften - Sie auch?

Neuhäuser Der Personalengpass wird unser großes Zukunftsthema sein. Für unsere Dienstleistung, die von Mensch zu Mensch erbracht werden muss, benötigen wir ausreichend Mitarbeiter. Darum ist der Pflegeberuf nach meiner Auffassung ein überaus sicherer Arbeitsplatz, der mit seiner Nähe zu den Menschen viel Freude bereitet. Natürlich sind die Belastungen durch den Schichtdienst hoch, aber die Arbeit wird auch nicht schlecht entlohnt. Unsere Pflegekräfte haben 2015 im Schnitt 48.564 Euro verdient, das sind 4057 Euro pro Monat, inklusive der Einzahlung in die zusätzliche betriebliche Altersversorgung. Die Auszubildenden in der Pflege erhalten mit durchschnittlich 1150 Euro im Monat eine Vergütung, die deutlich über dem liegt, was angehende Bankkaufleute, Tischler oder Friseure erhalten.

Was denken Sie, wenn Sie von einer möglichen Fusion der Kreiskrankenhäuser mit dem städtischen "Lukas" in Neuss hören?

Neuhäuser Wir haben gegenwärtig im Rhein-Kreis mit drei Trägern - wenn ich das Lanker Haus einmal ausklammere - eine sehr gute Wettbewerbssituation, von der die Patienten profitieren. Wenn dieser Wettbewerb, der zu großen Anstrengungen motiviert, aufgelöst wird, in dem ein übermächtiger Marktführer geschaffen wird, dann ist das nachteilig für die Menschen. Ich bin gespannt, wie das die Kartellbehörde im Falle eines Falles sieht.

Sie sorgen sich also angesichts eines möglichen Mitbewerbers, der dann mehr als 70 Prozent des Marktes im Kreisgebiet inne hätte?

Neuhäuser Wir sind medizinisch top und wirtschaftlich erfolgreich. Um uns sorge ich mich nicht. Ich fürchte, dass die Diskussion über eine Fusion den Blick auf die eigentlichen Probleme verstellt. Die Kreiskrankenhäuser müssen sich neu organisieren, so dass sie medizinisch und wirtschaftlich erfolgreich sind, ansonsten könnten sie bei einer Notfusion auch das "Lukas" in Schieflage bringen. Ich wünsche mir, dass die Standorte Dormagen und Grevenbroich erhalten bleiben - und nicht nur als Portalkliniken.

In welcher Rolle sehen Sie sich?

Neuhäuser Für Fusionen stehen wir nicht zur Verfügung; aber ansonsten sind für alle Kooperationen offen. Da hab' ich so ein paar Ideen ...

DAS GESPRÄCH FÜHRTE LUDGER BATEN

Quelle: NGZ
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