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Neuss
Wie Einzelhändler Kunden binden können

Neuss. Die Industrie- und Handelskammer lud zum Praxisabend mit Experten und Erfahrungsaustausch ins Zeughaus ein. Von Jascha Huschauer

Sich um die Kunden kümmern, ein gutes Produkt anbieten, rechtlich Bescheid wissen und einen umfassenden Marketing-Ansatz haben - als kleiner Einzelhändler ist das quasi unmöglich. Daher hat die Industrie- und Handelskammer (IHK) jüngst zum Praxisabend Handel ins Neusser Zeughaus geladen.

An vier Tischen werden die vier Themen "Recht", "Social Media", "Marketing" und "Fair trade" besprochen. An jedem Tisch sitzt ein Fachmann, der mehr Moderator als Referent ist. "Wir wollen, dass Sie erst mal untereinander ins Gespräch kommen, sich über ihre Erfahrungen austauschen", erklärt IHK-Geschäftsführer Andree Haack.

Der gewünschte Effekt kommt zustande. Besonders gefragt ist bei den überwiegend über 50-jährigen Einzelhändlern das Thema "Social Media". "Wir wissen, dass man so was jetzt haben muss, aber nicht, wie das genau geht", sagt etwa die Inhaberin eines Fitness-Studios. Eine selbstständige Fachkosmetikerin ist schon etwas weiter: "Dank IHK-Beratung ist meine Internetseite bei Google seit Jahren das erste Suchergebnis", sagt sie stolz. Denn: "Das bringt mir sehr viele Kunden." Nun soll ein guter Facebookauftritt folgen. "Wie bekomme ich viele ,gefällt mir' und was soll ich da genau schreiben?"

Nach kurzer Diskussion schaltet sich die Expertin ein. Tanja Neumann, IT-Referentin der IHK, erklärt geduldig. Sie rät: "Nutzen Sie ,Social Media' nicht für plumpe Werbung, sondern für Kundengespräche, und bieten Sie Mehrwerte." Facebook müsse dafür nicht immer die richtige Plattform sein. Aber egal, ob Facebook, Google+, Twitter oder Instagram, wichtig sei, den jeweiligen Dienst richtig zu nutzen.

Am Nachbartisch verläuft das Gespräch anders. Bei Rechtsanwalt Arnd Tenfelde ist mehr Wissen gefragt als Erfahrungsaustausch. Wie funktioniert eine Hypothek? Was gehört bei einer Internetseite ins Impressum? Solche Fragen lassen nicht viel Diskussion zu. Aber auch Tenfelde erklärt geduldig und verständlich.

Am Tisch von Heike Meichßner zeigt sich, dass selbst Händler, die seit 17 Jahren ein erfolgreiches Geschäft führen und über ihre Stadt hinaus bekannt sind, zuweilen gute Ratschläge brauchen. Eigentlich läuft der Laden gut. Aber wie soll man zukünftig Marketing machen? Das Gespräch kommt schnell wieder auf Facebook. Die Ladeninhaber haben selbst kein Smartphone. Auch weil sie es hassen, dass es im eigenen Freundeskreis mittlerweile Unterhaltungen dominiert. Ihr Marketing besteht bisher in der guten alten Mundpropaganda. "Wir quatschen gerne viel mit unseren Kunden." Doch Mundpropaganda läuft heute nun mal über Facebook - das hätten sie eingesehen. Die Gruppe versucht, die Angst vor dem neuen Medium zu nehmen.

Dann geht es weiter. Jeder sucht sich einen anderen Tisch. Neues Thema, neue Leute, neue Erfahrungen.

Quelle: NGZ
 
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