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Neuss
Wieder mehr Zeit für Tourneen

Neuss. Lavard Skou Larsen hat Neuss und die Deutsche Kammerakademie als Chefdirigent verlassen - aber keine Leerstellen im Kalender. Von Helga Bittner

Der Abschied war nicht leicht. Aber Lavard Skou Larsen wollte unbedingt Haltung bewahren: "Ich hatte mich schon vorbereitet", sagt der Musiker, der bis zum Ende der Saison auch Chefdirigent der Deutschen Kammerakademie war. Und trotzdem: Auch für ihn war es berührend, wie er im letzten Abo-Konzert verabschiedet wurde. Und dass er gar beim Konzert im Rosengarten unter dem Beifall tausender Zuhörer das Silberne Stadtsiegel verliehen bekam, hat ihn komplett überrascht.

"Das ist wirklich eine große Ehre", sagt der Österreicher, "und gibt mir auch die Genugtuung, dass ich etwas geschaffen habe, was bleibt und in dem kleinen Orchester eine große Veränderung bewirkt hat." Nicht nur deswegen verlässt er mit einem lachenden und einem weinenden Auge "seine" DKN und die Stadt. Wenn auch nicht so ganz, denn schon jetzt steht fest, dass er 2019 als Gastdirigent zurückkehrt.

Wenn er an die Anfänge zurückdenkt, fällt fast zwangsläufig ein Name: Matthias Gawriloff. Der hatte die DKN übernommen und sie neu aufgestellt, indem er zunächst Gastdirigenten ausprobierte und sich dann für Lavard Skou Larsen entschied. "Ich bin ihm heute noch unglaublich dankbar dafür", sagt der Geiger, der mit seiner Frau, der Geigerin Emeline Pierre, und zwei Kindern in Salzburg lebt, "dass er das Risiko einging und den Mut hatte, mich zu engagieren. Es ist auch aus meiner Sicht etwas Tolles daraus entstanden." Aber tief in seinem Innern spüre er auch, dass es richtig sei, dass nach zwölf Jahren ein Zyklus zu Ende gehe.

Aber es gibt eben auch diesen kleinen Wermutstropfen, der ihm den Abschied richtig schwer machte. Denn die DKN sei unter seiner Führung zu einem "absolut erstklassigen Kammerorchester" gewachsen: "Das hört man überall - von Kritikern, Zuhörern und Bloggern, und darauf bin auch ein bisschen stolz." Das Orchester klinge nun "so wahnsinnig gut", dass er das auch gern noch ein wenig länger genossen hätte. Und natürlich hofft er, dass sich das hält, auch über die Zeit, die es braucht, einen neuen Orchesterchef zu finden.

Lavard Skou Larsen gibt allerdings auch unumwunden zu: "Als ich kam, war ich als Dirigent längst nicht so weit wie heute. Ich habe hier unglaublich viel gelernt und bin dafür sehr dankbar." Aber er weiß, dass "nicht jeder mit meiner Art einverstanden war". Und ist sich andererseits sicher, dass er der DKN einen unverwechselbaren Klang gegeben hat. "Dafür muss man die richtigen Leute zusammenbringen. Ein bisschen ist das wie im Fußball, da hängt auch viel von der Zusammenstellung der Mannschaft und dem Verhältnis zum Trainer ab." So hat er das Neusser Orchester internationalisiert, dafür viele Musiker aus dem Süden Europas geholt: "Oft waren es auch Musiker, die mich kannten, aber dadurch war es auch möglich, eine hohe Qualität zu erreichen." Gäste am Pult oder als Solisten hätten das geschätzt, sagt er.

Zwölf Jahre hat Skou Larsen die DKN geleitet, die Programme zusammengestellt, in jeder Saison fast immer am Pult gestanden, ist mit dem Orchester auf Tournee gewesen. Und nun? Hat er nun plötzlich ganz viel Zeit? Der Musiker lacht. "Nicht wirklich. Mein Kalender ist schon wieder gut gefüllt." Er unterrichtet weiterhin am Mozarteum, bleibt Chef der Salzburg Chamber Soloists, die er gegründet hat, und freut sich darauf, mit diesen Musikern wieder mehr auf Tournee gehen zu können. Derzeit ist er in China unterwegs. "Und ich habe verschiedene Gastdirigate angenommen", erzählt er, "in Karlsbad, Bogota, Frankreich, San Remo."

An Arbeit und Möglichkeiten mangele es ihm gewiss nicht, meint er und ergänzt: "Wenn sich ein Orchester für mich als Chef interessierte, müsste ich schon sehr genau überlegen, ob das noch geht." Schließlich wolle er seinen Kindern nicht fremd werden, sagt er lächelnd. Aber wenn ein neues Orchester, dann welches? Die Antwort kommt prompt: "Ein kleines Symphonieorchester wäre mir am liebsten." Dass er nun wählen kann, ist etwas, was ihm den Abschied von der DKN und Neuss etwas leichter macht. "Ich kann gute und schöne Sachen machen", sagt er und lacht, "lebe zudem in der schönsten Stadt der Welt."

Quelle: NGZ
 
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