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Neuss
Willkommen zur Bierzapf-Schule

Neuss: Willkommen zur Bierzapf-Schule
Michael Schatten ist seit 13 Jahren der Wirt in der Traditionsgaststätte "Rheingold" aus dem Jahr 1870. FOTO: Andreas Woitschützke
Neuss. Bier braucht Ruhe und die richtige Temperatur - sonst klappt's nicht am Zapfhahn. Zum Tag des Bieres erklärt Wirt Michael Schatten, wie es geht. NGZ und das Rheingold laden zehn Leser zur Bierzapf-Schule. Von Andreas Gruhn

Michael Schatten hat schon viel Schaum gesehen. Und nicht immer formte das trübe Wölkchen auf dem Bierglas eine formschöne Krone. Schatten ist seit 13 Jahren Wirt der Gaststätte Rheingold in der Neusser Innenstadt. Der 54-Jährige steht als gelernter Restaurant-Fachmann und Barkeeper aber schon viel länger hinter Tresen. Er weiß: Beim Bierzapfen sind ganz viele Faktoren wichtig, damit man es nicht verzapft. Heute - zum internationalen Tag des Bieres - erklärt er, was man beachten muss. Und er lädt gemeinsam mit der NGZ zehn Leser unserer Zeitung ins Rheingold zur Zapf-Schule mit Führung und Verkostung ein (siehe Box).

Die Vorbereitung Bier braucht vor dem Zapfen vor allem zwei Dinge: "Ruhe und Kühlung", sagt Schatten. "Bei uns lagert das Bier nach der Lieferung grundsätzlich eine Woche im Bierkeller bei vier Grad Raumtemperatur." Durch den Transport ist das Bier zu aufgewühlt, die Gefahr der Schaumbildung ist zu groß.

Die Ausrüstung Das richtige Glas für die jeweilige Biersorte ist natürlich ganz wichtig. Ein Pils braucht seine Blume (auch Tulpe genannt), ein Kölsch das Stängchen, und das Alt sein Altbierglas. Die müssen gründlich gespült sein, es sollten sich möglichst keine Kohlensäurebläschen am Rand bilden. Die Gläser sollten mit dem speziellem Spülmittel gereinigt sein (bei normalem Haushaltsspülmittel wirft der Schaum große Blasen), und sie müssen vor dem Zapfen kurz durch kaltes, klares Wasser gezogen und damit abgekühlt werden.

Der Druck Gezapft wird mit oder ohne zusätzlicher Kohlensäure - je nach Bierfass. Bei Fässern mit so genanntem Keg-Anschluss (also ohne eingeschlagenen Zapfhahn, aber mit angeschlossener Kohlensäureflasche) wird pro Meter Bierleitung 0,1 Bar Druck hinzugegeben, empfiehlt Michael Schatten.

Die Temperatur Durch die Vorkühlung und das gekühlte Glas erreicht das Bier beim Zapfen die optimale Temperatur von acht Grad, im Sommer darf es etwas kühler sein - bis zu sechs Grad. "Bei unter vier Grad wird das Bier kältetrüb und schmeckt nicht", warnt Michael Schatten.

Das Zapfen Das Glas wird zunächst schräg unter den Zapfhahn gehalten. Je weiter sich das Glas füllt, umso gerader wird die Glashaltung. Bei optimal eingestellter Anlage wird in einem Gang durchgezapft. Das heißt: Vorzapfen entfällt. Wer Wert legt auf eine schöne, feste Schaumkrone, der setzt das zu etwa zwei Dritteln gefüllte Glas für eine kurze Zeit ab und zapft dann nach. Dabei aber nicht den Hahnauslauf ins Bier eintauchen, sonst wird Luft ins Bier gedrückt, warnt auch der Deutsche Brauer-Bund.

Zapfsünden Es gibt kein Sieben-Minuten-Pils, sagt Michael Schatten: "Durch die lange Zeit geht zu viel Kohlensäure verloren, das Bier ist zu warm. Es kann niemals gut sein." Aus denselben Gründen werden Biere niemals aus verschiedenen Gläsern zusammengeschüttet - sie schmecken einfach schal.

Quelle: NGZ
 
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