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Neuss
"Wir haben ein dankbares Publikum"

Neuss: "Wir haben ein dankbares Publikum"
Stadtarchiv-Leiter Jens Metzdorf (links) und Alwin Müller-Jerina, der Leiter der Stadtbibliothek lasen gestern gemeinsam aus dem Roman "Der Weltensammler" von Ilija Trojanow. FOTO: Andreas Woitschützke
Neuss. Heute findet die letzte "Kaffeepausenlesung" der Aktion "Neuss liest" statt, am Wochenende gibt es noch zwei Filmführungen: Und schon jetzt steht fest, dass es im nächsten Jahr die neunte Auflage des Lesefestes gibt. Von Helga Bittner

Von den beiden Zielen, die das Team der Stadtbibliothek um ihren Chef Alwin Müller-Jerina mit der seit 2010 veranstalteten Aktion "Neuss liest ..." anstreben, hat es eins ganz sicher erreicht: "einen tollen Autor vorzustellen, dessen Bücher das Lesen lohnen", wie Müller-Jerina sagt. Denn auf Ilija Trojanow, der mit seinem Erstlingsroman "Die Welt ist groß und die Rettung lauert überall" im Mittelpunkt der achten Auflage steht, passt das andere Ziel, "einen bekannten Autor mal nach Neuss zu holen", nicht ganz so exakt.

Zumindest haben Müller-Jerina und seine Kollegin Christine Breitschopf festgestellt, dass Trojanow zwar sehr viel geschrieben hat und auch auf einem weiten Feld unterwegs ist - von Essays über Sachbuch, Reisebeschreibungen bis hin zum Roman -, aber viele ihn dennoch als Autor nicht gut kennen. Doch wenn heute die zwölfte und letzte Kaffeepausenlesung aus seinem Roman über die Bühne geht, wird vermutlich der fast schon "eingeschworene" Zuhörerkreis lauschen, wie Breitschopf sagt. "Es gibt viele, denen der Name Trojanow nicht viel sagte, und die jetzt dankbar sind, ihn durch unsere Aktion kennengelernt zu haben."

Die Wahl des Autors für die rund vier Wochen laufende Aktion ist ohnehin jedes Jahr aus Neue ein schwieriges Unterfangen. "Mit Trojanow aber war es so schön einfach", sagt Müller-Jerina, "ich habe ihn gefragt, als er beim Literarischen Sommer 2016 in Neuss war, und er hat sofort zugestimmt." Die erste Hürde war da zwar genommen, aber danach kommen in der Regel noch mehrere: Der Zeitpunkt muss stimmen, denn dass der Autor bei der Eröffnung der Aktion in Neuss dabei ist, ist gesetzt. Er muss mehr als drei Bücher veröffentlicht haben, damit eine Auswahl außerhalb des im Fokus stehenden Romans möglich ist. Und allzu viel kosten darf das alles auch nicht, wobei die Mitarbeiter der Stadtbibliothek das Lesefest ohnehin neben ihrer Arbeit im Haus organisieren müssen. "Aber es macht unheimlich viel Spaß", betonen Müller-Jerina und Breitschopf, "und wir haben ein dankbares Publikum."

Das gestaltet das Festival schließlich mit, steuert eigene Ideen für Lesungen bei und kann auch den Zeitpunkt weitgehend frei bestimmen. Müller-Jerina und Breitschopf sind dabei offen für Vorschläge aller Art: "Wenn jemand eine Pizza Trojanow angeboten hätte, wäre er auch ins Programm aufgenommen worden", sagt Müller-Jerina. Zwar schmunzelnd, gleichwohl meint er es ernst: "Ich wünsche mir schon, dass es da mehr Fantasie in der Gestaltung gibt." Das aktuelle Lesefest ist erst am Wochenende auch zu Ende (mit der Vorführung eines Films nach dem Roman im Kino Hitch). aber Müller-Jerina und Breitschopf sondieren schon das Feld fürs nächste Jahr, würden auch gerne wieder eine Autorin finden. Bislang gab es nämlich nur eine: Margriet de Moor 2013. Zwar hat der Bibliothekschef am 30. April seinen letzten Arbeitstag, geht dann in Rente, aber für ihn steht auch fest: "Der Literarische Sommer muss bis dahin geplant sein." Vielleicht bekommt er sogar "Neuss liest" - oder zumindest einen Teil davon - noch als Verantwortlicher mit, denn das Team überlegt, die Aktion ins Frühjahr zu verlegen. Auf jeden Fall, so betont Kulturdezernentin Christiane Zangs, werde sowohl die Organisation des Literarischen Sommers als auch von "Neuss liest" Teil der Ausschreibung für die Müller-Jerina-Nachfolge sein. "Das sind eingeführte Reihen", sagt sie, "und das soll auch so bleiben."

Quelle: NGZ
 
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