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Neuss
Wo der Mieter auch der Eigentümer ist

Neuss: Wo der Mieter auch der Eigentümer ist
Stefan Zellnig ist Vorstand bei der GWG. Die Genossenschaft hat ihren Sitz am Markt, mitten in der Innenstadt. FOTO: Andreas Woitschützke
Neuss. Wer in einer Genossenschaftswohnung wohnt, ist Mieter und Eigentümer zugleich - und hat ein Nutzungsrecht auf Lebenszeit. Von Susanne Zolke

Noch vor einigen Jahren galt das System von Genossenschaften als angestaubtes Auslaufmodell, das ein wenig aus der Zeit gefallen schien. Aber gerade in Zeiten von unsicheren Finanzmärkten erlebt diese besondere Rechtsform eine Renaissance. Genossenschaftlich organisierte Dorfläden, aber auch Banken oder Immobilienunternehmen liegen im Trend - gerade weil sie nicht vorrangig dem Gewinnstreben unterliegen. Auch die Gemeinnützige Wohnungsgenossenschaft Neuss (GWG) hat in den letzten Jahren einen verstärkten Zulauf, die Sicherheit, die sie ihren Mietern bietet, überzeugt immer mehr Menschen.

"Wir merken es deutlich, das Thema Genossenschaften ist wieder hochaktuell geworden", sagt Stefan Zellnig, Vorstand bei der GWG, die ihren Sitz am Marktplatz hat. "Wir haben jedes Jahr etwa 300 Neuvermietungen, demgegenüber stehen mehr als 2000 Anfragen." Genossenschaften sind besondere Unternehmensformen, alle Mitglieder können mit gleichem Stimmrecht über die Aktivitäten ihres Unternehmens entscheiden, da sie gleichzeitig Anteilseigner und Nutzer sind. "Unsere Mitglieder haben einen doppelten Vorteil, sie sind flexibel wie Mieter und haben die Sicherheit von Eigentümern", erläutert Zellnig. Mieter von Wohnungsgenossenschaften hinterlegen keine Kaution, wie bei üblichen Mietverhältnissen, sondern erwerben Anteile an der Genossenschaft und sind so Miteigentümer des Unternehmens. "Niemand muss also befürchten, dass seine angemietete Wohnung verkauft wird und der Mieter infolgedessen wieder ausziehen muss, so wie es in vielen Großstädten zur Zeit häufig passiert", sagt der 43-Jährige.

Zudem erhalten die Mitglieder auf die Anteile - gekauft werden müssen mindestens zehn Stück à 150 Euro - eine Dividende von vier Prozent. "Bei den heutigen Zinsen ist das schon eine attraktive Geldanlage. Wir haben sogar schon Anfragen aus Süddeutschland bekommen, ob man auch als Nichtmitglied bei uns Geld anlegen könnte. Wir haben uns aber dagegen entschieden", erzählt der Rechtsanwalt. Die Mietsicherheit haben die Mitglieder über einen Dauernutzungsvertrag, den sie mit der Genossenschaft schließen. Dieser bezieht sich nicht zwingend auf ein- und dieselbe Wohnung, manchmal müssen Häuser saniert oder abgerissen werden. "In dem Fall wird aber eine passende Alternative zur Verfügung gestellt." Trotzdem bleiben die Mitglieder flexibel, ihre Anteile können sie jederzeit verkaufen oder übertragen.

Festen Renditevorgaben unterliegt die 1901 gegründete Genossenschaft nicht - ein Grund dafür, dass die Mieten moderat gehalten werden können. "Natürlich müssen auch wir wirtschaftlich handeln, aber wir haben eben nicht den einen Anteilseigner, der horrende Renditevorgaben macht, wie das bei anderen Unternehmen der Fall ist. Das erwirtschaftete Geld verlässt die Genossenschaft nicht", sagt Zellnig. Daher sei die Miethöhe der frei finanzierten Wohnungen, die etwa zwei Drittel des gesamten Wohnungsbestands ausmachen, moderat. "Unser Anspruch sind angemessene Mietpreise. Wir orientieren uns daher am Mietpreisspiegel und bieten die Wohnungen etwas günstiger an, als der Markt es hergibt." Das momentan vieldiskutierte Thema Mietpreisbremse ist deshalb auch keins für die GWG, erklärt Zellnig. "In die Regionen, in denen wir bremsen müssten, kommen wir gar nicht erst hin."

Quelle: NGZ
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