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Neuss
Wolfgang Bosbach definiert Heimatbegriff

Neuss. Beim Tag der Heimat erinnerte der Bund der Vertriebenen an Flucht und Vertreibung vor 70 Jahren. Von Ute Böhm

Mit seinem Motto "Vertreibungen sind Unrecht - gestern wie heute" war der Bund der Vertriebenen unfreiwillig aktueller als gewünscht. Am Tag der Heimat erinnerte er an die Vertreibungen nach dem Zweiten Weltkrieg, gleichzeitig stellten sich die Mitglieder auch die Frage, warum die Welt nicht zur Ruhe kommt. Als Hauptredner konnte Peter Pott, der Kreisvorsitzende des Bundes der Vertriebenen, den CDU-Bundestagsabgeordneten Wolfgang Bosbach begrüßen. Der schaffte es, die die Brücke zu schlagen zwischen den Gedanken an die Heimat und der aktuellen Flüchtlingssituation.

Dabei stellte Bosbach erst einmal seine eigene Erinnerung an die Heimat heraus. Aufgewachsen in Bergisch Gladbach gegen Ende der 1950er Jahre, erinnert er sich an eine unbeschwerte Kindheit: "Wir waren nach der Schule einfach draußen unterwegs - ohne Handy und ohne pädagogische Betreuung. Aber das ist für mich Heimat, die Erinnerung an die Familie, die Menschen und ganz bestimmte Orte." Wer eine solche Heimat nicht hat, dem gehe es wie dem fliegenden Holländer, der nie einen sicheren Hafen findet, in dem er zur Ruhe kommen kann. Darin liegt für Bosbach auch der Unterschied zu den Vertriebenen des 20. Jahrhunderts: Sie sind nicht freiwillig gegangen und hatten auch lange keine Möglichkeit, in ihre Heimat zu reisen. Erst mit der Wiedervereinigung wendete sich das Blatt. Deshalb bat Bosbach darum, den Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober zu feiern. "Denn viel von dem, was wir uns vorgenommen haben, ist doch gelungen". Damit knüpfte er auch an die großen Leistungen an, die im Wiederaufbau Deutschlands nach dem Krieg erbracht wurden. "Das wäre ohne die Vertriebenen nicht möglich gewesen" erklärte Bosbach. Die Vertriebenen hätten in ihrer neuen Heimat die Ärmel hochgekrempelt und angepackt. Mit Blick auf die aktuellen Flüchtlingsströme erklärte Bosbach, dass viele dieser Menschen aus anderen Kulturkreisen kommen. Integration könne aber nur gelingen, wenn sich alle an die gleiche Rechts- und Werteordnung halten."

Beim Umgang mit den Flüchtlingen müsse es zu einer gerechten Lastenverteilung kommen - auch und gerade innerhalb Europas. Bosbach sagte, sich für eine finanzielle Entlastung der Kommunen einsetzen zu wollen - wenn das Geld denn auch dort ankommt.

Quelle: NGZ
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