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Neuss
Woody Allen lässt am RLT nur grüßen

Neuss. Für die Inszenierung "Geliebte Aphrodite" nach dem gleichamigen Film von Woody Allen am Landestheater hat Regisseur Peter Wallgram keine klare Haltung gefunden. Er schwankt zwischen Übertreibung und Kopie. Von Helga Bittner

Woody Allen ist Woody Allen ist Woody Allen. Autor, Hauptdarsteller und Regisseur in einem. Jürgen Fischer (Autor) ist kein Woody Allen. Rainer Scharenberg (Schauspieler) auch nicht. Und Peter Wallgram (Regisseur) erst recht nicht. Vergleiche mit dem Großmeister der so selbstironischen wie treffsicheren Filmkomödie mögen unfair sein, aber Fischers Stück "Geliebte Aphrodite" fußt nun mal auf dem gleichnamigen Film von Woody Allen, und Regisseur Wallgram will und kann das nicht ignorieren, steht aber auch vor der Frage: Wie weit koppelt man sich ab von dem Film?

Die Geschichte bleibt, wie sie ist. Lenny und Amanda Weinrib adoptieren einen Jungen, der sich als Prachtkind erweist. Was in Lenny den Wunsch weckt, dessen leibliche Mutter kennenzulernen. Er findet sie und muss feststellen, dass sie eine Prostituierte ist. Gleichwohl ist er von Lindas Unbekümmertheit fasziniert - um so mehr, als seine Beziehung zu Amanda ins Wanken gerät - , er hilft ihr aus dem Milieu, schläft einmal mit ihr und zeugt ein Kind, von dem er aber nichts erfährt. So wie auch Linda nie erfährt, dass sie die Mutter seines Sohnes Max ist.

Für die theatrale Umsetzung findet Wallgram jedoch keine klare Antwort. Mal löst er sich durch Übertreibung, mal bleibt er bei der Kopie. So gibt es diesen Plastik-Penis, der wie eine Palme Lindas Zimmer schmückt und Boxer Kevin beim Training als Punchingball zwischen die Beine geklemmt wird. Und da gibt es die Hauptfigur Lenny, der zwar mit der Stimme Rainer Scharenbergs spricht, aber äußerlich zu sehr an den von Woody Allen gespielten Film-Lenny erinnert. Dabei wäre gerade da mehr Mut angebracht gewesen, zumal da sich der Regisseur auf den Komödianten in Scharenberg voll und ganz verlassen kann. Bei dem Spagat, den subtil-trockenen, lasziven Humor der (Film-)Vorlage zu wahren und dennoch eigene Akzente zu setzen, ist für Wallgram auf der Scala der Haltungsnote (bis maximal zehn) allenfalls eine vier herausgekommen.

Aber: Woody Allens genialen Kunstgriff, das Ganze von einem antiken (Götter-)Chor kommentieren zu lassen, eignet sich Wallgram sehr sinnig an. Denn die Auftritte der fünf Götter sind spritzig und halten die ansonsten etwas angestaubt wirkende Geschichte zusammen. Ausstatter Oliver Kostecka hat ihnen für die Götterollen praktische Bettücher übergeworfen, die sich schnell abstreifen lassen, um in eine der vielen weiteren kleinen Rollen zu schlüpfen. Vor allem Philipp Alfons Heitmann zeigt da eine beeindruckende Wandlungsfähigkeit.

Und die drei Hauptfiguren? Linda Riebau als dauerrauchende Amanda Weinrib bleibt mehr eine Randerscheinung. Juliane Pempelfort als Linda ist anfangs noch recht belanglos, spielt sich aber zunehmend frei und gewinnt an Präsenz. Rainer Scharenberg als Lenny wirkt wie einer, der immer ein bisschen neben sich steht. Alle gemeinsam irren sie ein wenig umher in diesem Regiekonzept, das ihnen einerseits das Dasein als menschliche Figuren verweigert, aber andererseits eine menschliche Geschichte erzählen will. Großer Beifall.

Quelle: NGZ
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